Lenzburg
Zonensalat und Retourbillette

Beim Regionalbus Lenzburg (RBL) kann der Fahrgast im Gegensatz zu den meisten anderen Aargauer Busunternehmen noch beim Chauffeur Billette und Mehrfahrtenkarten lösen. Am Wochenende wurde Christian Dorer deswegen schier überrannt.

Christian Dorer*
Christian Dorer*
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Eine Schulreiseklasse besteigt den Hybridbus der «Regionalbus Lenzburg»

Eine Schulreiseklasse besteigt den Hybridbus der «Regionalbus Lenzburg»

So viel Geld wie am vergangenen Samstag habe ich mit dem Billettverkauf schon lange nicht mehr eingenommen: 372 Franken. Normalerweise sind es zwischen 60 und 120 Franken. Verantwortlich für den Geldsegen war der Christchindli-Märt in Seengen. Besucher aus der ganzen Region reisten an, mein Gelenkbus war zum Bersten voll, und im Gegensatz zum Pendlerverkehr hatten längst nicht alle Fahrgäste ein Abo.

Christchindli-Märt Seengen
16 Bilder
Schülerinnen verwöhnten die Marktbesucher mit süssen Waffeln und Gebäck.
Verführerische Süssigkeiten.
Schülerinnen und Schüler haben im Vorfeld fleissig gebastelt.
Pascal Furer von der Mosti Furer in Staufen hat aus einheimischen Früchten exklusiven Essig hergestellt.
Nach biblischem Vorbild sind diese Krippenfiguren entstanden.
Lichter und Glas sorgen für festliche Stimmung.
Keine Angst mussten die Kinder vor dem Samichlaus haben, der ihnen Nüsse und Süssigkeiten brachte.
Für die Kinder gibt es ein nostalgisches Karussell.
Farbige Lichter sollen die dunklen Nächte erhellen.
Dieter Gugelmann Nachgefragt.
Die Pfadi kochte Risotto.
Die Chlauschlöpfer knallten um die Wette.
Cornelia Geiser (links) hat ein Jahr lang gearbeitet um den Kunden diese überwältigende Auswahl an Stricksachen bieten zu können.
Alles in Engelsform gibt es an diesem Stand.
Dekorationsartikel aus Naturmaterialen.

Christchindli-Märt Seengen

Rahel Plüss

Beim Regionalbus Lenzburg (RBL) kann der Fahrgast im Gegensatz zu den meisten anderen Aargauer Busunternehmen noch beim Chauffeur Billette und Mehrfahrtenkarten lösen, für alle Destinationen in den Tarifverbünden «A-Welle» und ZVV sowie für Dutzende wichtige Bahnhöfe im ganzen Land – Bern, Basel, St. Gallen und so weiter. Wenn ich Zeit habe und jemand nur bis zum Bahnhof Lenzburg lösen will, frage ich nach, ob er weiterfahre. So spart der Fahrgast dank eines zusammenhängenden Tickets Geld, und der RBL bekommt Provisionen von den SBB.

Beim Grossansturm vom Samstag wurde mir jedoch mal wieder bewusst, wie praxisfern die öV-Bürokraten beim Kanton Aargau das Tarifsystem ausgestaltet haben. Bis 2009 war alles einfach und logisch: Es gab einfache Billette und Retour-Billette. Je grösser die Distanz, desto teurer wars. Das kapierte jeder.

Heute aber gibt es Zonen statt Strecken. Und Tageskarten statt Retourbillette. Wobei die Tageskarte doppelt so teuer ist wie eine einfache Fahrt. Aber nur meistens und nicht immer. Am Samstag habe ich niemanden getroffen, der den ganzen Tag, sagen wir, zwischen Schafisheim und Seengen hin- und hergefahren wäre. Aber wenn einer in Schafisheim ein Billett «Seengen retour» verlangte, habe ich ihm ungefragt eine Tageskarte verkauft – damit kann er retour fahren und zahlt gleich viel wie für zwei einfache Fahrten.

Komplizierter wird es bei kurzen Strecken: Da kostet die Tageskarte mehr als doppelt so viel wie eine einfache Fahrt. Warum, wissen die Götter. Oder die Bürokraten. Als Chauffeur weise ich Fahrgäste in solchen Fällen darauf hin, dass sie Geld sparen, wenn sie zweimal einfach lösen statt retour bzw. eine Tageskarte. Ich ernte dann meist einen Mix aus staunendem und dankbarem Blick.

Was erst recht niemand begreift, aber zum Glück selten jemand merkt: dass gewisse kürzere Strecken teurer sind als längere. Ein Beispiel gefällig? Von Tennwil nach Egliswil Zopf zahlt man für ein Normalpreis-Billett Fr. 6.60, von Wildegg Bahnhof nach Staufen Chrüzweg nur Fr. 3.40, obwohl die zweite Strecke leicht länger ist. Die Erklärung: Die erste Strecke durchquert drei Zonen, die zweite liegt in einer einzigen Zone. Logisch? In der Theorie schon, in der Praxis nicht. Schliesslich will der Fahrgast ja einfach von A nach B gelangen und einen fairen Preis bezahlen.
Zonenmathematik ist ihm egal.

Selbstverständlich bin ich als Chauffeur total loyal und vertrete die Tarife gegenüber meinen Passagieren – schliesslich hat der Kanton das System ausgeheckt und er ist Auftraggeber des RBL. Ich denke dann einfach: Zum Glück bin ich auch noch Journalist und kann wieder mal eine Kolumne darüber schreiben.

* Christian Dorer ist Chefredaktor der Aargauer Zeitung. Er hat den Car-Ausweis und fährt in seiner Freizeit einmal pro Monat beim Regionalbus Lenzburg.

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