Seengen

Zu wenig Pedalkraft für die «Herzschlaufe Seetal»

Mindestens sieben Fahrradfahrer braucht es, um genug Strom für den Projektor im Velokino zu erzeugen. ISS

Mindestens sieben Fahrradfahrer braucht es, um genug Strom für den Projektor im Velokino zu erzeugen. ISS

Mangels Besucher im Velokino mussten Filme mit normalem Strom gezeigt werden.

Die Idee schien zu passen: Mithilfe eines Kinoabends, bei welchem der Projektor lediglich durch Fahrräder betrieben wird, wollte Seetaltourismus auf die E-Bike-Route «Herzschlaufe Seetal» aufmerksam machen. Und weitere Spenden für deren Umsetzung sammeln. Denn: Es fehlt noch etwas Geld für die Beschilderung.

Im Vorfeld betrieb Seetaltourismus wie üblich gewissenhaft Öffentlichkeitsarbeit. So wurde etwa in den regionalen Medien über die Veranstaltung berichtet und jedem Seenger sowie Seoner Haushalt ein Flyer mit detaillierten Informationen zum Abend zugestellt. Dennoch: Die Ränge blieben am Samstagabend zum grössten Teil leer.

Im Vorfeld viel Interesse

Die Projektkoordinatorin Diana Fry und der Projektverantwortliche René Bossard zeigen sich am Samstagabend ratlos. «Es ist schwierig, zu diesem Zeitpunkt zu sagen, was schiefgelaufen ist.» Eines jedoch sei sicher: Mit so wenig Besuchern haben weder Bossard noch Fry gerechnet. «Wir haben im Vorfeld viele positive Reaktionen von Privatpersonen und auch einzelnen Vereinen erhalten, die Leute zeigten sich interessiert. Gerade im Büro Lenzburg wurden wir von Seetaltourismus immer wieder auf das Velokino angesprochen», erklärt René Bossard. An mangelnder Präsenz in den Medien könne es seiner Meinung nach auch nicht gelegen haben. «Die Herzschlaufe ist momentan klar ein Gesprächsthema im Seetal.»

Hohe Erwartungen

«Auch ich bin einige Male auf das Velokino angesprochen worden», bestätigt Diana Fry den Eindruck von René Bossard, «darauf basierend habe ich heute Abend rund 50 Besucher erwartet. Im Idealfall wären es hundert gewesen.» In Realität jedoch reichte die Anzahl Besucher nur bei einem Kurzfilm, um den Projektor durch reine Menschenkraft in Gang zu bringen.

Unter den wenigen, dafür umso fleissigeren Velofahrern befanden sich auch zwei Teenager, die gerade vom Volleyballmatch in der benachbarten Turnhalle gekommen waren. «Das Fahrradfahren hat es in sich», sagt Andrina Grinder, eines der beiden Mädchen, «der Widerstand des befestigten Stromgenerators ist nicht zu unterschätzen.» Nach dem gewonnenen Volleymatch seien die Freundinnen aber auch schon etwas erschöpft, «da muss man sich dann leider sehr auf das Velofahren konzentrieren und kriegt nicht mehr alles vom Film mit.»

Dass ein Besuch im Velokino anstrengend sein kann, bestätigt Bart Wilders. Er ist Geschäftsleiter in einem nahe gelegenen Fitnesscenter: «Einen Kurzfilm halte ich locker auf dem Velo durch, aber Herr der Ringe würde wohl schwieriger.» Er lacht.

Neben dem Volleyballmatch fanden an diesem Abend auch ein Jassturnier und eine Buch-Vernissage statt. Vielleicht ein weiterer Grund, warum die Besucher dem Velokino fern blieben.

Nach diesem einen erfolgreichen Durchlauf liefen die andern Filme an diesem Abend auf jeden Fall auch ohne Gestrampel auf den Sätteln. Denn für weniger als sieben Leute ist die Anstrengung zu gross, den Projektor zum Laufen zu bringen.

Spende statt Eintritt

30 Franken hätte ein Tagespass für das Kurzfilmfestival für einen Erwachsenen gekostet. «Die sind aber nicht nur als Eintrittspreis gedacht, sondern vor allem auch als Spende», erklärt Diana Fry. Für 80 Franken konnte man sich zum Beispiel auch gleich 50 Meter der E-Bike-Route symbolisch kaufen und so das Projekt zusätzlich unterstützen.

«Vielleicht wurde für die Leute zu wenig klar, dass der Anlass auch zum Spenden sammeln gedacht gewesen wäre. Wir wären auch über 10 Franken glücklich gewesen», sagt Diana Fry .

Für die nächste Durchführung am 5. März in Triengen möchten Fry und Bossard nach eigener Aussage nichts ändern: «Eines unserer Ziele, nämlich auf die Herzschlaufe Seetal aufmerksam zu machen, haben wir erreicht», sagt Projektleiter René Bossard optimistisch.

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