Regionalbus Lenzburg

Zusatzbusse zwischen Schafisheim und Bahnhof gegen das Sardinengefühl

Der Morgenkurs der Linie 390 des Regionalbus Lenzburg wird doppelt geführt und fährt wie gestern rund 130 Passagiere zum Bahnhof Lenzburg.

Der Morgenkurs der Linie 390 des Regionalbus Lenzburg wird doppelt geführt und fährt wie gestern rund 130 Passagiere zum Bahnhof Lenzburg.

Regionalbus Lenzburg setzt zwischen Schafisheim und Bahnhof Verstärkungen ein, das freut die Pendler, das Feedback ist gut. Doch längerfristig ist das nicht die Lösung. Alternativen müssen her.

Für viele Pendler beginnt der Tag in drangvoller Enge. Der Bus der Linie 390, der am Morgen die Passagiere aus dem Seetal via Schafisheim und Staufen um 6.53 Uhr am Bahnhof Lenzburg abliefert, war jeweils derart gut gefüllt, dass das automatische Zählsystem am Zielort rund 130 Ausstiege registrierte.

In einem Gelenkbus mit maximaler Kapazität von rund 140 Plätzen (wovon nur 50 Passagiere sitzen können und der grosse Rest stehen muss) kamen sich die Fahrgäste oft vor wie Sardinen in der Dose. Der Betreiber, der Regionalbus Lenzburg (RBL), hat inzwischen gehandelt und vermeldet auf seinem Facebook-Auftritt: «Wir haben uns entschieden, den Kurs ab sofort ab Schafisheim Gemeindehaus zu verstärken.»

So verkehrt an den Wochentagen zwischen der Haltestelle Schafisheim Gemeindehaus und dem Bahnhof Lenzburg ein zusätzlicher Bus, um die Passagiere zu verteilen und deren Fahrt erträglicher zu machen. Die positiven Reaktionen liessen denn auch nicht lange auf sich warten: «Super Sache», schreibt etwa Andreas Bolliger, der gleich eine Ausweitung gewisse Abendkurse anregt.

«Keine Premiere»

«Das ist für uns keine Premiere. Wir haben früher schon auf andern Linien, etwa von Niederlenz oder von Dintikon nach Lenzburg auf dem letzten Abschnitt vor dem Bahnhof solche Beiwagen eingesetzt», sagt RBL-Geschäftsführer René Bossard. Im aktuellen Fall werden jeweils Leute mit der entsprechenden Ausbildung aus dem Büro als Chauffeure der Zusatzkurse eingesetzt.

Die zusätzlichen Kosten für Fahrzeug und Personal müssen vom RBL übernommen werden. «Wir haben eine Beförderungspflicht», so Bossard. Er fährt fort: «Die Ausgaben liegen im Streubereich der Ungenauigkeit der Offerte.»

Der RBL hat kürzlich die Zahlen für das letzten Jahr publiziert: Exakt 2 893 402 Fahrgäste wurden 2015 befördert. Mit einer Zunahme von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnete die Region Lenzburg gemäss RBL die grösste Steigerung im ganzen Kanton.

Eine verlorene Haltestelle

Die bestfrequentierten Kurse zu den Hauptpendlerzeiten können schnell und überraschend nicht nur gut aus-, sondern gar überlastet werden. «Dies ist abhängig von der Jahreszeit», so der Geschäftsführer.

René Bossards Gedanken gehen indessen schon weiter. Mehr grössere Gelenkbusse und spontan eingesetzte Zusatzbusse können die latenten Probleme auf Dauer nicht lösen. «Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen die Auslastung weiter genau verfolgen und prüfen, mit welchen Massnahmen wir der Situation dauerhaft begegnen können», steht im Facebook-Auftritt des Regionalbus Lenzburg.

Eine mögliche Variante ist laut dem RBL die Schaffung einer neuen Haltestelle an einer anderen Linie: «Aus unserer Sicht wäre in Staufen an der Schafisheimerstrasse, im Bereich der neuen Überbauungen, unbedingt eine zusätzliche Haltestelle notwendig.» Die RBL-Verantwortlichen haben in letzter Zeit «wahre Völkerwanderungen» ausgemacht, die von den teilweise schon bezogenen Überbauungen des neuen Quartiers Esterli-Flöösch Richtung Haltestelle Kreuzweg ziehen.

Entlastung könnte ein neuer Busstopp auf der Schafisheimerstrasse zwischen der Abzweigung Richtung Kreuzweg und dem Landis-Kreisel in Lenzburg bringen, wo die Linie 396 durchfährt. Dieser Strassenabschnitt wurde kürzlich saniert, ohne Busbucht. «Die neue Haltestelle ist bei der Planung wohl verloren gegangen», vermutet René Bossard.

«Hätte ein Vermögen gekostet»

Pascal Furer, der für den Verkehr zuständige Gemeinderat in Staufen, sieht die Situation anders: «Eine zusätzliche Haltestelle an der Schafisheimerstrasse hätte ein Vermögen gekostet.» Dabei sind Auslagen nicht nur bei der Beteiligung am Bau, sondern auch später bei den jährlichen öV-Beiträgen gemeint.

Furer weist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache hin, dass sich Staufen schon mit 50 Prozent an den zwei neuen Haltestellen an der Aarauerstrasse auf Lenzburger Gebiet beteiligt, die für die Erschliessung des Quartiers Esterli-Flöösch gedacht sind. Wünsche für neue Haltestellen oder Linienführungen (etwa im Staufner Zopfquartier) könne man zudem im Rahmen der gegenwärtig laufenden Arbeiten am Kommunalen Gesamtplan Verkehr anbringen.

Für Furer sind nicht die in Staufen zusteigenden Passagiere die Ursache für die gegenwärtig überladenen Kurse. «Wir liefern nur den Tropfen, der das Glas zum Überlaufen bringt.» Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sei der Zuspruch ja erfreulich: «Normalerweise rentieren die Buslinien ja nicht; da ist es doch schön, wenn hier die Busse einmal voll sind.»

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