Abstimmung
Managed Care ist den Gewerblern nicht geheuer

Der Gewerbeverband sorgt für eine Überraschung: Er spricht sich gegen die Managed-Care-Vorlage aus, über die am 17. Juni abgestimmt wird. Der Vorstand hatte sich zuvor für die Vorlage ausgesprochen.

Urs Moser
Drucken
Ärztepräsident Hans-Ulrich Iselin gehört zu den Gegnern der Vorlage

Ärztepräsident Hans-Ulrich Iselin gehört zu den Gegnern der Vorlage

Wenn die Stimmung unter den Aargauer Gewerbetreibenden repräsentativ ist für das bürgerliche Lager, dann wird es am 17. Juni knapp. Mit 34 gegen 31 Stimmen und 15 Enthaltungen hat die Delegiertenversammlung am Donnerstag die Nein-Parole zur Revision des Krankenversicherungsgesetzes beschlossen. Der Vorstand hatte sich zuvor für die Managed-Care-Vorlage ausgesprochen, allerdings auch bei etlichen Enthaltungen, wie Präsident Kurt Schmid erklärte.

Auseinandersetzung im Zentrum der Versammlung

Gesundheit ist das Jahresthema im Gewerbeverband, und so stand die Auseinandersetzung mit der eidgenössischen Abstimmungsvorlage auch im Zentrum der Delegiertenversammlung im Vorfeld der Verleihung des Unternehmerpreises. Dazu kreuzten CVP-Nationalrätin Ruth Humbel und Hans-Ulrich Iselin, der Präsident des Aargauischen Ärzteverbands, die Klingen. Was die Stimmung im Saal betraf, erwies sich der Arzt als diagnosesicher.

Wer sich für die Vorlage einsetzen wolle, werde viel Geld aufwerfen müssen, denn in der Bevölkerung würden die Vorbehalte überwiegen, prophezeite er in seinen Ausführungen. Er gab sich dabei gar nicht sonderlich Mühe für einen flammenden Appell, gab unumwunden zu, dass die Ärzteschaft selber gespalten ist, warf Stichworte wie «Industrialisierung des Gesundheitswesens» oder «Zweiklassenmedizin» fast beiläufig in die Runde.

Bonus für das Ärztenetz

Zentraler Punkt der Vorlage: Für einen tieferen Selbstbehalt ist der Patient zur Konsultation eines Arztes eines Netzwerks verpflichtet, mit den Ärztenetzen schliessen die Krankenkassen einen Vertrag ab, der auch ein Budget beinhaltet: Wird das Budget unterschritten, erhält das Ärztenetz einen Bonus. Übersteigen die Behandlungskosten das Budget, muss das Ärztenetz einen Teil der Mehrkosten selber tragen. Für die Kritiker wird damit ein falscher Anreiz geschaffen, auf Untersuchungen oder Behandlungen zu verzichten, worunter die Versorgungsqualität leide.

Für die Befürworter ist die Befürchtung unbegründet, da der Markt vor einem Qualitätsverlust schütze und einem Ärztenetz bei Abstrichen an der Versorgungsqualität die Patienten davonlaufen würden. Als Verfechterin der Vorlage zeigte sich Ruth Humbel vor dem Gewerbeverband überzeugt, dass dank Managed Care die Qualität der medizinischen Versorgung sogar steigt - und das erst noch mit kostendämpfender Wirkung. Heute würden nämlich 35 Prozent der Versicherten ohne Koordination eines Ärztenetzes fünf oder mehr Leistungserbringer beanspruchen, was unnötige Behandlungen und damit Kosten verursache und auch das Risiko von Falschmedikationen steigere.

Staatliche Konkurrenz

Der geschäftliche Teil der Gewerbeversammlung gab zu keinen Diskussionen Anlass. Immer für eine provokative Forderung gut, plädierte Kurt Schmid in seiner Präsidialansprache dafür, den Staat nicht nur über Budgetvorgaben schlank zu halten, sondern auch die Anzahl der Stellen für öffentliche Verwaltungen zu plafonieren. Dies nicht nur im Hinblick auf die Staatsquote: Auch der Fachkräftemangel in der Privatwirtschaft habe mit den wachsenden Personalbeständen der öffentlichen Hand zu tun. Diese baue die Stellenzahl laufend aus, und dies bei Löhnen, mit denen KMU nicht mithalten könnten.

Aktuelle Nachrichten