Ostaargau
Grossverkehrsvorhaben «Oase» ist im Raum Brugg einen Schritt weiter

Mit einem Gesamtverkehrskonzept will die Regierung den künftigen Verkehr im Ostaargau in den Griff bekommen. In Baden/Wettingen ist noch sehr vieles offen, doch für den Raum Brugg beschloss der Grosse Rat Festsetzung im Richtplan.

Mathias Küng
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Morgendlicher Stau auf der Zurzacherstrasse in Brugg.

Morgendlicher Stau auf der Zurzacherstrasse in Brugg.

Michael Hunziker

Der Ostaargau ist attraktiv. Die Kantonsregierung erwartet deswegen, dass dies auch in den kommenden Jahren zu einem starken Wachstum führt. Bis zum Jahr 2040 werden hier 30 Prozent mehr Menschen leben und es werde 20 Prozent mehr Arbeitsplätze geben, so die Prognose.

Das Wachstum stellt denn auch hohe Anforderungen an die Mobilität von morgen. Das von ihr erarbeitete Gesamtverkehrskonzept (Oase) schaffe die Voraussetzungen, «dass auch 2040 gute Mobilitätsangebote für die Menschen in den Räumen Baden-Wettingen, Brugg-Windisch und unteres Aaretal verfügbar sind», argumentiert die Regierung.

Nach einer öffentlichen Anhörung über ihre auf dem Tisch liegenden Lösungsvorschläge sei die Regierung zum Schluss gekommen, dass die Richtplan-Festsetzungen für die Zentrumsentlastung Brugg/Windisch inklusive Massnahmen der Weiterentwicklung beziehungsweise Optimierung des benachbarten Kantonsstrassennetzes sowie der Weiterentwicklung des kantonalen Radroutennetzes im Raum Brugg-Windisch nötig seien.

Raum Baden-Wettingen ist noch nicht soweit

Gestern im Grossen Rat ging es darum, die Festsetzung zu beschliessen. Im Raum Baden-Wettingen ist man noch nicht soweit, weil dort verschiedene Vorschläge (Umnutzung Hochbrücke, Bau einer neuen Limmatbrücke, Weiterführung Limmattalbahn, Situation im Siggenthal usw.) noch sehr kontrovers diskutiert werden, und man noch nicht zu einer Festsetzung schreiten kann. Im Grossen Rat ging es jetzt darum, ob er die Festsetzung für den Raum Brugg unterstützt oder nicht.

Dabei zeigte sich, dass sich vorab SP und Grüne vehement dagegen wehren. Insbesondere SVP, FDP und Die Mitte signalisierten jedoch deutlich, dies mitzutragen. Nachfolgend bringen wir stellvertretend für die weit auseinander driftenden Lager die Haltung von Christian Keller (Grüne, klar dagegen) und von Titus Meier (FDP, klar dafür).

Grüne: Konzept gänzlich aus der Zeit gefallen

Wehrte sich gegen die Pläne der Regierung: Christian Keller.

Wehrte sich gegen die Pläne der Regierung: Christian Keller.

Britta Gut

Christian Keller lehnte namens der grünen Fraktion die Vorlage ab. Mit der Ausbaustrategie des Regierungsrats liessen sich die Verkehrsprobleme nicht lösen. Offenbar habe dieser den massiven Protest im Raum Siggenthal gehört, jetzt spalte er aber das Konzept auf, so Keller: «Es ist unverständlich, dass die Regierung unterschiedliche Tempi anschlagen will.»

Keller verweist auf eine mit über 2000 Unterschriften eingereichte Petition, die sich gegen einen Schwerverkehrskorridor durch die Region wehrt: «Das Konzept scheint gänzlich aus der Zeit gefallen zu sein», kritisiert Keller weiter.

Titus Meier: ÖV-Fahrplan ist in Brugg zu Stosszeiten eine Lotterie

Titus Meier: Für die Vorlage.

Titus Meier: Für die Vorlage.

ZVG

Ganz andere Akzente setzte Titus Meier (FDP). Er verwies auf Städte, die vom Durchgangsverkehr befreit sind, «nicht so Brugg und Windisch». Mehrfach am Tag gebe es kein Durchkommen, weil alles stehe. Das sei auch ein Problem für die Feuerwehr, wenn sie ausrücken muss. Der ÖV-Fahrplan sei zu Stosszeiten eine Lotterie. Der Durchgangsverkehr sei in Brugg gar höher als in Baden. Man wolle keinen neuen Schwerverkehrskorridor: «Aber wir wollen eine Lösung, dass der Schwerverkehr nicht mehr unser Zentrum verstopft.»

Heute gehe es um einen Richtplaneintrag, noch nicht um einen Projektierungskredit, so Meier. Selbstverständlich seien offene Fragen zu klären, was genau man wo genau und wie realisieren wolle.

Stephan Attiger: Noch weit weg von einem Projekt

Stephan Attiger konnte Erfolg feiern.

Stephan Attiger konnte Erfolg feiern.

Britta Gut

Schliesslich verteidigte Landammann und Baudirektor Stephan Attiger spricht die Vorlage. Die ihr zugrunde liegende Mobilitätsstrategie sei ja vom Grossen Rat gutgeheissen worden. Jetzt geht es um eine Masterplanung für den Ostaargau, um ein Gesamtverkehrskonzept, so Attiger weiter: «Wir wollen beispielsweise Velorouten zur Verfügung stellen, die es bisher nicht gibt. Das ist ein Quantensprung.»

Der ÖV müsse priorisiert werden, das brauche Platz in den Zentren. Zur Entlastung müsse man motorisierten Individualverkehr aus den Zentren nehmen und diesem eine Alternative bieten.

Die Regierung sei überzeugt, im Raum Brugg eine gute Lösung gefunden zu haben. Hier könne man die Festsetzung beschliessen, meinte Attiger weiter. Natürlich müsse dies abgestimmt sein. Und mit Blick auf Ängste vieler, es könnten schon bald die Bagger auffahren, betonte er: «Wir sind noch weit weg von einem Projekt, wir werden im Grossen Rat noch mehrfach darüber sprechen.» Der Rat hiess schliesslich die Anträge der Regierung mit einer knappen ⅔-Mehrheit gut.

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