Safenwil

Safenwiler Gemeinderat rettet islamisches Fest

Eine Sonderbewilligung des Gemeinderats Safenwil rettet islamisches Fest

Eine Sonderbewilligung des Gemeinderats Safenwil rettet islamisches Fest

Das neue Schlachthaus Matte der Gebrüder Felder in Safenwil ist seit Monaten fertig. Doch wegen hängiger Beschwerden von mehreren Anwohnern durfte er bisher nicht eröffnet werden. In diesen Tagen herrscht an der Mattenstrasse trotzdem Hochbetrieb.

In kurzer Zeit werden rund 300 Lämmer und Schafe sowie etwa 30 Stück Grossvieh geschlachtet. Grund dafür ist eine Ausnahmebewilligung, die der Gemeinderat für die Dauer des Kurban Bayrami, des höchsten Fests der Muslime, erteilt hat. Das Opferfest zum Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka wird dieses Jahr vom 16. bis 19.November gefeiert. Die Metzgerei Felder verarbeitet insbesondere auch Schafe und schlachtet am Kurban seit Jahrzehnten für die islamische Glaubensgemeinschaft. Auch für 2010 ist sie eine entsprechende Verpflichtung eingegangen.

Veto vom Veterinärdienst

Im alten Schlachthof im Dorf hätten Felders diese Verpflichtung allerdings nicht mehr erfüllen können. Der Kantonale Veterinärdienst hatte sein Veto eingelegt: «Eine Bewilligung der Schlachtungen am Opferfest wird nur erteilt werden, wenn diese bereits im neuen Schlachthof an der Mattenstrasse erfolgen können. Für Schlachtungen im Rahmen des Opferfestes an der Betriebsstätte Dorfstrasse wird ab diesem Jahr definitiv keine Bewilligung mehr erteilt werden», hatte er den Gebrüdern Felder im Spätsommer eröffnet.

Jetzt kam der Gemeinderat in Zugzwang. Noch am 1. Juni hatte er einen Baustopp und ein Nutzungsverbot für das Schlachthaus Matte verhängt. Das, weil Felders einerseits bis zu diesem Zeitpunkt Vereinbarungen nicht erfüllt hatten, die sie im Baugesuchsverfahren mit Einsprechern getroffen hatten. Anderseits, weil das Gebäude auch sonst nicht in allen Teilen der erteilten Baubewilligung entsprochen hatte. Unter anderem war im Obergeschoss des Schlachthauses ein Partyraum eingerichtet worden, von dem im Baugesuchsverfahren nie die Rede war. Die im Juni gerügten Mängel sind bis heute noch nicht alle behoben.

Der Gemeinderat gab dennoch grünes Licht für die provisorische Eröffnung des Schlachthauses: «Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und auch wirtschaftliche Kriterien in unsere Überlegungen einbezogen. Der Kurban-Auftrag ist für die Firma wichtig», sagt Gemeindeammann Daniel Zünd.

Strenge Kontrolle gewährleistet

Zünd versichert weiter, dass die laufende Bewilligung nur provisorischen Charakter habe. Eine definitive Bewilligung für den Schlachthof werde der Gemeinderat erst dann erteilen, wenn alle offenen Punkte geklärt seien: «Die Einsprecher sind im Recht, es liegt an der Bauherrschaft, mit ihnen eine Einigung zu erzielen.»

Die Einsprecher indessen sind aufgrund ihrer negativen Erfahrungen im seit bald drei Jahre andauernden Baubewilligungsverfahren skeptisch. Zu oft, sagen sie, seien Versprechen der Firma Felder nicht eingehalten worden. Sie hoffen, dass der Gemeinderat die Einhaltung der provisorisch erteilten Schlachtbewilligung entsprechend streng überprüft. Ein Anliegen, das Daniel Zünd ernst nimmt: «Die Kontrolle ist einerseits durch uns gewährleistet, anderseits aber auch durch den Veterinärdienst und den von diesem beauftragten Fleischkontrolleur.»

Normaler Schlachtvorgang

Von strenger Kontrolle spricht auch Tobias Frink, Bereichsleiter Fleischhygiene beim Veterinärdienst: «Wir waren bereits zweimal vor Ort. Daneben werden die Schlachtungen durch den von uns mit der Fleischkontrolle beauftragten Tierarzt permanent begleitet. Frink äussert sich auch zur Art des Schlachtens: «Die Tiere werden auf gesetzeskonforme Weise getötet. Sie werden betäubt und erst dann werden die Halsschlagadern zum Entbluten durchtrennt. Dies entspricht den schweizerischen Tierschutzbestimmungen.»

Speziell bei den Schlachtungen für das Opferfest ist einzig, dass der Halsschnitt durch einen islamischen Geistlichen durchgeführt wird.

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