Corona an Schulen
Aargauer Lehrer-Präsidentin macht Druck aufs Bildungsdepartement: Besser mit Maske im Schulzimmer als maskenlos in die Quarantäne

Ganze Schulen müssen wegen des Coronavirus in Quarantäne und damit in den Fernunterricht. Dabei wollte man das an der Volksschule um jeden Preis verhindern. Lehrerverbandspräsidentin Kathrin Scholl fordert noch einmal strengere Schutzmassnahmen im Präsenzunterricht.

Eva Berger
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Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, am 7.1.2021 in Aarau.

Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, am 7.1.2021 in Aarau.

Michael Wuertenberg

Die Primarschule Turgi ist wegen Ansteckungen mit dem Coronavirus geschlossen, seit Donnerstag findet kein Präsenzunterricht mehr statt. Von der Schule Mellingen-Wohlenschwil befinden sich aktuell vier Klassen in Quarantäne, darunter drei der Primarschule. «Kann man noch sagen, die Schulen seien nicht Treiber der Pandemie?», fragt Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, angesichts dieser Entwicklungen. Ihrer Ansicht nach ist die Antwort klar: Nein, so absolut könne man das nicht mehr sagen.

Allein in Turgi sind es 37 Kinder und acht Lehrpersonen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Auch wenn keine Daten zu den Ansteckungsorten vorliegen, so ist es offensichtlich, dass das Virus längst auch in der Primarschule – vereinzelt im Kindergarten – angekommen ist und sich von dort weiterverbreiten kann.

Fernunterricht, obwohl ihn niemand wollte

«Jetzt haben wir genau das, was niemand wollte, nämlich Fernunterricht an der Volksschule», stellt Kathrin Scholl fest, – wenn ganze Klassen in Quarantäne sind, gilt für sie Homeschooling. Dabei sollte der Präsenzunterricht möglichst aufrechterhalten werden, darin sind sich Lehrpersonen und Bildungsdepartement einig. Auseinander gehen die Meinungen bei der Art und Weise.

Denn während der Lehrerverband seit Anfang Jahr strengere Schutzmassnahmen fordert – namentlich eine Maskenpflicht bereits ab der 4. oder der 5. Klasse – hält das Bildungsdepartement an der jetzigen Strategie fest. Es teilt auf Anfrage mit:

«An der Haltung des Bildungsdepartements hat sich nichts geändert. Auf Bundesebene gilt bei der Maskenpflicht die Altersgrenze von 12 Jahren. Im Bereich Bildung ist in der Covid-Verordnung besondere Lage eine Maskenpflicht für Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe II vorgegeben.»

Für Primarschülerinnen und Primarschüler gilt also nach wie vor keine Maskenpflicht. Sie wäre eine sanfte Massnahme, findet aber Kathrin Scholl, eine, die niemandem schade. Sie sagt:

«Es ist natürlich unangenehm, den ganzen Tag eine Maske zu tragen. Aber es ist auch für Kinder zumutbar.»

Mit der Maskenpflicht an der Primarschule könne die Volksschule ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten. «Stattdessen entsteht der Eindruck, dass die Jugendlichen der Sekundarstufe 2 die Bauernopfer sind», so Scholl. Es reiche nicht, wenn diese mit Fernunterricht für weniger Mobilität sorgten, während an den Primarschulen das Virus verbreitet werde und sich schliesslich auch Lehrpersonen und ganze Familien ansteckten.

«Das Bildungsdepartement stellt sich auf den Standpunkt, dass es an der Primarschule keine Masken braucht, wenn man die Ausbreitung mit Quarantäne-Massnahmen eindämmen kann», so Scholl. Das sei aber nur eine Seite der Medaille und widerspreche dem Anliegen der Lehrerinnen und Lehrer, dass die Schulen offen bleiben, die Schutzmassnahmen dafür verstärkt werden.

Konzept zu Massentests frühstens am Freitag

Das hat das Bildungsdepartement allerdings auch vor und zwar, indem im Rahmen von Massentests auch asymptomatische Personen getestet werden, auch in den Schulen. Ein entsprechendes Konzept hat der Kanton letzte Woche in Aussicht gestellt. «Man muss jetzt mit den Optionen Maskenpflicht und Massentests planen, sodass ganze Schulen in der Quarantäne die Ausnahme bleiben», sagt Kathrin Scholl. Die Zeit dränge.

Allzu schnell wird es aber zu Massentests nach Konzept im Aargau nicht kommen. «Das Vorhaben bedarf umfangreicher Vorbereitung und genauer Planung», teilt das Bildungsdepartement mit. Zuständig ist allerdings das Departement Gesundheit und Soziales (DGS). «Sobald möglich» werde dieses über das Vorgehen informieren. Vor kommendem Freitag sei aber kein Konzept zu erwarten, wie das DGS verlauten lässt.

Kathrin Scholl macht das Sorgen. «Wenn sich die Lage, speziell mit den Mutationen, weiterentwickelt wie bisher, sieht die Zukunft nicht rosig aus», sagt sie. Spätestens nach den Sportferien müssten weitere Massnahmen aufgegleist sein. «Ich hoffe, die Schulferienzeit wird für die Planung genutzt», meint die Lehrerverbandspräsidentin.

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