Hirschthal
1,5-Millionen-Projekt soll erneutes Hochwasser verhindern

Die Gemeindeversammlung stimmt über 1,5 Millionen Franken für ein Hochwasserschutz-Projekt ab.

Christine Wullschleger
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Bei der Lindengasse entsteht ein neues Betongerinne mit natürlicher Sohle. cwu

Bei der Lindengasse entsteht ein neues Betongerinne mit natürlicher Sohle. cwu

Christine Wullschleger

Kaum zu glauben, dass der Talbach, der aus den Hirschthaler Anhöhen ins Tal fliesst, über die Ufer treten kann. Gemächlich fliesst er dahin, zwar führt er momentan ein bisschen mehr Wasser als sonst, aber es ist alles im grünen Bereich.

In der Nacht vom 27. August 2010 war das nicht so: Damals trat der Talbach nach einem heftigen Niederschlag über die Ufer und überschwemmte den Rasenplatz der Schule. Das Wasser suchte sich seinen Weg und rann langsam die Betontreppe, die ins Untergeschoss der Mehrzweckanlage Hirschmatt führt, hinunter. Die gestauten Wassermassen drückten die Tür – die eigentlich nach aussen hin geöffnet wird – auf und überschwemmte die Räume. Das Wasser richtete einen grösseren Schaden an, seitdem ist die Treppe mit einer kleinen Rampe vor dem Wasser gesichert.

Seitdem arbeitet die Gemeinde Hirschthal mit dem Kanton Aargau an einem Hochwasserschutzprojekt. Denn der Talbach trat danach zwischen Trottengasse und Lindengasse immer wieder über die Ufer, letztmals am 1. Mai 2015. An der kommenden Gemeindeversammlung werden die Hirschthaler Stimmbürger über das rund 1,5 Millionen Franken teure Projekt abstimmen können.

Anpassungen an den Durchlässen

Damit der besagte Abschnitt künftig vor einem Hochwasserereignis, das alle 100 Jahre auftritt, geschützt ist, muss das gesamte Gerinne auf einen Abfluss von 5 m/s ausgelegt werden. An einigen Orten wird es deshalb ausgebaggert. Viel grösser sind aber die Anpassungen an den Bachdurchlässen: «Der Bachdurchlass Trottengasse ist aus Sicht des Hochwasserschutzes unproblematisch», sagt Markus Goldenberger, zuständiger Gemeinderat. Da sich aber im Laufe der letzten Jahre viel Geschiebe angesammelt hat, müsse der Durchlass gereinigt und das Geschiebe entfernt werden.

Etwas anders sieht es beim Bachdurchlass Hauptstrasse/WSB aus: Der Durchlass aus dem Jahre 1988 ist lediglich auf eine Durchflussmenge von 4m/s ausgelegt. Der Durchlass kann jedoch belassen werden, da mittels baulichen Massnahmen vor und nach dem Durchlass der Abfluss auch bei Hochwasser gewährleistet werden kann. Zusätzlich müssen auch hier das Geschiebe entfernt und die Sohle rund einen Meter abgesenkt werden.

Die grössten Anpassungen sind jedoch beim Bachdurchlass Lindengasse vorgesehen. Dieser wird komplett abgebrochen und neu erstellt. «Das Ziel ist, dass wir ein gleichmässiges Gefälle einrichten können», sagt Goldenberger. Dazu muss zwischen Lindengasse und dem Durchlass WSB ein neues Betongerinne mit einer natürlichen Sohle gebaut werden. Da der neue Bachdurchlass abgesenkt wird, ist die Kanalisation im Weg. Die Lösung: Das jetzige Kanalisationsrohr wird vor der Unterquerung auf vier Rohre mit unterschiedlichen Durchmessern verteilt und danach wieder zusammengeführt. «Diese Querung bereitete den Planern einiges Kopfzerbrechen, aber nun passt die Lösung perfekt», sagt Goldenberger.

Der Talbach (hier beim Schulareal) soll künftig mehr Platz bekommen. cwu

Der Talbach (hier beim Schulareal) soll künftig mehr Platz bekommen. cwu

Christine Wullschleger

Korrigiert wird zudem auch der Bachverlauf, dieser liegt nämlich teilweise ausserhalb der dafür ausgeschiedenen Bachparzelle. Die neue Bachsohle soll im Zuge der Bauarbeiten in die heutige Bachparzelle verschoben werden.

Die baulichen Massnahmen sind mit rund 680'000 Franken veranschlagt. Zu Buche schlagen daneben aber die Kosten für den Landerwerb: Mit rund 540'000 Franken wird gerechnet. Weil der Bach auch verbreitert werden soll, muss Land erworben werden. Betroffen sind neben gemeindeeigenen auch private Grundstücke, die direkt an die Gewässerparzelle angrenzen. Bis das Projekt umgesetzt wird, stehen bei einigen Hauseigentümern die Sandsäcke zur Sicherheit noch an der Hausmauer bereit.

Während des öffentlichen Auflageverfahrens gingen fünf Einwendungen von betroffenen Grundeigentümern ein. Vier davon wurden während den anschliessenden Einwendungsverhandlungen zurückgezogen. Eine Einwendung ist momentan noch offen, sie betrifft aber laut Goldenberger nicht das Projekt, sondern die Entschädigung.

Auch der Bund beteiligt sich

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Franken. Daran muss die Gemeinde 55 Prozent bezahlen, der Kanton übernimmt 45 Prozent. Zudem kann derzeit mit einem Bundesbeitrag von 35 Prozent gerechnet werden. «Somit verbleiben für die Gemeinde noch rund 550 000 Franken. Günstiger wie jetzt kann deshalb die Gemeinde das Projekt wohl nicht realisieren», sagt Markus Goldenberger. «Das Projekt ist wichtig für die Gemeinde. Sagen die Stimmbürger aber Nein, können wir momentan nichts für den Hochwasserschutz tun», ergänzt er.

Sagen die Bürger aber Ja, rechnet man im Sommer 2017 mit der Genehmigung durch den Kanton. Bis im Frühjahr 2018 dauern anschliessend die Landerwerbsverhandlungen, danach folgt die Submission. Im Jahr 2019 rechnet man mit der Realisierung.

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