Bezirksgericht Kulm

1,7 Millionen veruntreut: Ex-Finanzverwalter von Teufenthal entgeht Gefängnisstrafe

Teufenthal: Prozess gegen Ex-Finanzverwalter

Teufenthal: Prozess gegen Ex-Finanzverwalter

1,7 Mio. Franken hat der jetzt 46-Jährige von der Gemeinde abgezwackt. Heute musste sich der ehemalige Finanzverwalter vor Gericht verantworten.

Der einstige externe Finanzverwalter veruntreute über 15 Jahre einen Millionenbetrag. Dank einem Deal muss er nicht ins Gefängnis.

15 Jahre: So lange dauerte es, bis die Machenschaften des ehemaligen Finanzverwalters von Teufenthal aufgedeckt wurden. 15 Jahre, in denen Gerber, wie er am Dienstag vor dem Bezirksgericht Kulm sagte, «immer wieder Blut schwitzte».

Die Liste der ihm vorgeworfenen – und von ihm nie bestrittenen – Straftaten ist lang: qualifizierte Veruntreuung, Urkundenfälschung, Unterdrückung von Urkunden, ungetreue Amtsführung, alles mehrfach. Was war geschehen?

In Teufenthal war der heute 46-Jährige zuständig für die Steuer- und Finanzverwaltung. Er war nicht von der Wynentaler 1600-Einwohner-Gemeinde angestellt, sondern arbeitete für sie als «externer Mandatsleiter».

Jahrelang amtete er unauffällig, vom Gemeinderat wurde er geschätzt, weil er so viel arbeitete. Doch 2014 folgte die böse Überraschung: Bei einer Kantonssteuerkontrolle wurden Unregelmässigkeiten in der Gemeindebuchhaltung entdeckt.

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Er wollte seinen Eltern helfen

Wie vor Gericht zu erfahren war, war es ein 500-Franken-Beleg, der die Prüfer stutzig gemacht hatte. Gerber: «Da wusste ich, dass der Moment gekommen war, um alles auf den Tisch zu legen und reinen Tisch zu machen.»

Er ging an jenem Abend nach Hause, konnte nicht schlafen, schrieb des Nachts seine Selbstanzeige und stellte sich am nächsten Tag. Eine Spezialprüfung aller Jahresrechnungen ergab: Gerber hatte seit 1999 Darlehen im Namen der Gemeinde aufgenommen und privat verwendet.

So wirtschaftete er 1,7 Millionen Franken in die eigene Tasche. Mit dem Geld half er seinen Eltern: Die hatten sich mit einer Liegenschaft übernommen, konnten die Zinsen nicht mehr bezahlen. Gerber kam auf die Idee, im Namen seines Treuhandbüros den von ihm betreuten Gemeinden sogenanntes «Cash Pooling» als Dienstleistung anzubieten.

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Er warb damit, überschüssiges Geld gemeinsam zu verwalten, um so für die Gemeinden bessere Zinsen herauszuholen. Teufenthal und Schlossrued stiegen darauf ein. Gerber durfte so aus Teufenthal ein Darlehen über 700'000 Franken aufnehmen. Damit gründete er eine Immobiliengesellschaft, und mit dieser kaufte er seinen Eltern die überschuldete Liegenschaft ab.

Als die Gemeinden anderthalb Jahre später ihre Darlehen zurückverlangten, war das Geld aber bereits in Gerbers Immobilie angelegt. So entschloss er sich, bei der Emissionszentrale der Schweizer Gemeinden auf den Namen der Gemeinde Teufenthal ein Darlehen über 1 Million Franken zu beantragen.

Er gab an, einzelzeichnungsberechtigt zu sein – das Darlehen wurde gewährt. Damit zahlte er die «Cash-Pooling»-Anlagen samt Zinsen zurück. Einen Restbetrag von 275'000 Franken schrieb er einer eigenen GmbH gut, quasi als «Vorrat». Denn: Dies war erst der Beginn eines Teufelskreises.

In den folgenden Jahren nahm Gerber immer wieder Darlehen im Namen der Gemeinde auf, etwa bei der Suva oder beim Kanton Aargau. Er verwendete diese für Schuldzinsen und um ältere Darlehen zurückzuzahlen. Manchmal zahlte er Zinsen auch über seine eigenen Gesellschaften. In der Gemeindebuchhaltung tauchte von alldem fast nichts auf, Gerber versteckte die Transaktionen etwa in einem Nebenbuch.

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Reuig unter Tränen

Weder Eltern noch Ehefrau wussten etwas. «Ich habe das Vertrauen der Gemeinde Teufenthal missbraucht, das tut mir unendlich leid», sagte Gerber unter Tränen.

Er gestand und kooperierte von Anfang an vollumfänglich. Der Staatsanwalt gab zu: «Ohne seine Mithilfe hätte auch der erfahrenste Ermittler keine Chance gehabt, hier allein durchzublicken.» Mit dem Verkauf der Immobilie, die am Ursprung allen Übels gestanden hatte, zahlte er die 1,7 Millionen Franken der Gemeinde in einer aussergerichtlichen Einigung zurück. Deshalb wurde der Fall am Dienstag im «abgekürzten Verfahren» erledigt.

Dabei fällt das Gericht kein Urteil im eigentlichen Sinn, sondern entscheidet über einen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft gemeinsam ausformulierten Erledigungsvorschlag. Diesen genehmigte es einstimmig.

Für Gerber heisst das: zwei Jahre Freiheitsstrafe, die er nicht absitzen muss, wenn er sich in den nächsten drei Jahren wohlverhält, eine Geldstrafe über 14 000 Franken, ebenfalls bedingt, sowie eine Busse über 5000 Franken. «Ich bin froh», sagte Gerber, «kann ich dieses Buch schliessen und bald weit weg stellen.»

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