Schöftland

25 Jahre Buchhandlung aleph&tau: «Bücher haben eine Seele»

Susanne Müller, Geschäftsführerin der Buchhandlung aleph&tau in Schöftland.

Susanne Müller, Geschäftsführerin der Buchhandlung aleph&tau in Schöftland.

Susanne Müller hat vor 25 Jahren die Buchhandlung aleph&tau mitgegründet. In der Jubiläumswoche kann man sich während der Öffnungszeiten eine halbe Stunde mit einem Buch auf den Holzsessel ins Schaufenster – Blickrichtung Dorfstrasse – setzen und lesen.

«Bücher haben eine Seele – genau wie die Menschen», sagt Susanne Müller, denn wer schreibe, offenbare etwas von seiner Seele. Das, in eine schöne Sprache gegossen, mag sie an Büchern. Im Nachhinein sei die Gründung der Buchhandlung vor 25 Jahren sehr mutig gewesen, sagt sie: «Ich habe auf ein inneres Klopfen in meiner Brust gehört.» Nicht den Kopf vorausschicken, sondern das Herz; das ist die Devise der ehemaligen Krankenschwester. Sie schreibt auch, hat stets ein Notizbuch dabei: Eindrücke, Gefühle, was sie bewegt. Bücher bearbeitet sie mit dem Bleistift: «Ich bin ein Fischer schöner Sätze und Formulierungen.»

Uhrenmarke verhinderte Namen

Die Buchhandlung – die einzige zwischen Aarau und Sursee – hat in der Region ihren Platz gefunden. Allerdings ist ein solches Unternehmen kein Selbstläufer. Susanne Müller: «Wir haben immer auch Geschenkartikel im Sortiment gehabt. Man hat uns belächelt, nun machen das auch Grossbuchhandlungen.» Bücher und Plüschtiere.

Dabei waren die Gründer – neben Susanne Müller sind dies Ehemann René und Susannes beste Freundin – alles andere als Fachleute. «Ich bin eine Quereinsteigerin», sagt die Geschäftsführerin. Dank Berufserfahrung und Kursen ist sie seit über 20 Jahren berechtigt, Lehrlinge auszubilden. «Wir konnten uns immer halten und blicken zuversichtlich in die Zukunft», sagt Susanne Müller, «wir mussten von Anfang an an die Säcke.»

Der Name der Buchhandlung hat eine Vorgeschichte. Ursprünglich hiess sie «Alpha&Omega». Doch die Rechtsabteilung der Uhrenmarke Omega, im Besitz der Familie Hayek, habe sie zurückgepfiffen. «Da haben wir halt den ersten und den letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets genommen», lacht Susanne Müller.

Persönliche Erlebnisse ermöglichen

«Natürlich spüren wir den Online-Handel als Konkurrenz», sagt sie. aleph&tau spielt da auch mit, ohne Angst um die Existenz. Denn: «Persönliche Erlebnisse ermöglichen – das ist unsere klare Strategie.» Die Buchhändlerseele soll die Seele des Lesers erreichen. Die Atmosphäre zählt, das Persönliche, in einer Zeit, da der Mensch am Unpersönlichen leide. «aleph», so nennt man den Laden, konzentriert sich denn auch auf das Buch in Papierform.

«Einschliessen und geniessen» ist ein Angebot der Buchhandlung. Da kann man sich am Abend zum Lesen und Schmökern einschliessen lassen, dazu ein Glas Wein und mehr geniessen oder sich austauschen. Die Veranstaltungsreihe «Samschtig am eis» ermöglicht eine Handvoll Male pro Jahr Begegnungen mit Schreibenden aus der weiteren Region im kleinen Rahmen. Diese Lesungen finden jeweils im Vincafé im Untergeschoss statt. Das Vincafé ist während der Öffnungszeiten offen. Und der Kinderkochherd da? «Da können die Kinder sich verweilen, während Mama liest, diskutiert oder Kaffee trinkt», sagt Susanne Müller.

Hier stehen auch die Tablare, auf denen kunsthandwerklich Tätige ihre Produkte während dreier Monate zum Verkauf anbieten können, seien das Ledertaschen oder Uhren aus Vinyl-Platten. «In der Weihnachtszeit sind die Tablare gefragter als in der Sommerzeit», sagt Susanne Müller. Eine Plattform, die sich für beide Seiten lohne. Der regionale Zigarren-Verein «amigos del tabaco» hat hier seinen Humidor mit erlesenen Zigarren stehen. Da fehlt nur noch ein Fumoir.

Neues Klopfen in der Brust

«Letzte Buchhandlung vor Ihren Ferien:» Dieser Slogan, eine Abwandlung der Tankstellenwerbung an der Umfahrungsstrasse, war schon im Schaufenster zu lesen. «Unsere Schaufenster haben immer eine Botschaft», sagt Susanne Müller. Da sind auch die Ideen der langjährigen Mitarbeiterinnen Elisabeth Müller, Eliane Meier, Kathrin Stocker gefragt, zumal die Geschäftsführerin nicht mehr an der Front arbeitet. Teamsitzung, Mitarbeiterführung, Geschäftsführung: Das ist ihr 20-Prozent-Job in der Buchhandlung.

Nach etwas mehr als 20 Jahren hat Susanne Müller erneut «ein Klopfen in der Brust» verspürt. Zeit für etwas Neues. Für sie ein logischer Schritt: «Nach der Arbeit an der breiten Ladenfront reizte es mich, in die Tiefe zu gehen.» Konkret: Sie bildete sich berufsbegleitend zur individualpsychologischen Beraterin weiter und arbeitet teils in eigener Praxis und in einem Teilpensum als Milieutherapeutin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Königsfelden.

Stetig bildet sich die 50-Jährige in energetischer und neuropsychiatrischer Körperarbeit weiter. Derweil die Tochter Psychologie studiert. Auf Susanne Müllers Nachttischchen liegen viele Bücher zum Thema Heilung. Die Bibel und «Siddhartha» von Hermann Hesse nehme sie immer wieder zur Hand: «Diese beiden Bücher führen mich hin zu mir selber.»

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