Mit gut 19 Jahren stand er an seinem ersten Schultag allein vor 39 Kindern. Was sich frischgebackene Lehrerinnen und Lehrer heute kaum mehr vorstellen können, war Anfang der Siebzigerjahre eine übliche Klassengrösse. Markus Aeschbach übernahm nach seiner Ausbildung am Lehrerseminar Aarau 39 Nasen der zweiten und dritten Klasse in Veltheim. In Staffelbach aufgewachsen, zog es ihn nach drei Jahren zurück ins Suhrental an die Mittelstufe in Schöftland.

Er blieb ganze 40 Jahre im Schulhaus Schöftland – immer im selben Schulzimmer, im Parterre hinten rechts. «Ich habe meine Berufswahl nie bereut. Schon in der fünften Klasse wusste ich, dass ich einmal Lehrer werden möchte», erzählt Aeschbach. «Mein damaliger Lehrer hat mich mit seiner starken Persönlichkeit sicher beeinflusst.»

Markus Aeschbach war nicht einfach Lehrer. Er war Mitglied in der Musikschulkommission, in zwei Baukommissionen, hat Skilager, Musik- und Sportanlässe organisiert, war in jüngeren Jahren Schulsportleiter für Fussball und Kleinkaliber- und Luftgewehrschiessen und zuletzt auch Materialverwalter. Legendär sind seine Projektwochen, in denen er mit Leidenschaft den Schülern das Schachspielen beigebracht hat. In den Achtzigerjahren war er ausserdem während sieben Jahren Rektor der Schule Schöftland und damit verantwortlich für alle Stufen vom Kindergarten bis zur Sekundarschule – neben dem vollen Pensum als Lehrer. «Das hat mir einen tiefen Einblick in die Strukturen der Schule und der Gemeinde erlaubt», sagt Aeschbach.

Velo und Fussball klug vereint

Seit den Sommerferien ist er im Ruhestand. Ins berühmte Loch nach der Pensionierung ist er bisher nicht gefallen. Er fährt jetzt noch mehr Velo als früher. «Irgendwann musste ich mich zwischen dem Fussball und dem Velo entscheiden». Das Velo war ihm wichtiger. Doch er verbindet die beiden Sportarten auf so ungewöhnliche wie kluge Weise. Als leidenschaftlicher Fan des FC Aarau fährt er mit dem Rad von zu Hause aus an Fussballspiele in der halben Schweiz. Er war schon in Neuenburg, in Zürich, Luzern, Delémont. Am liebsten aber fährt er nach Basel. Nicht etwa, weil der FCB der spannendste Gegner des FCA ist, sondern weil ihm die Strecke mit dem Velo am besten gefällt.«Besonders schön ist es über den Oberen oder den Unteren Hauenstein.» Für den Heimweg nehme er dann jeweils den Zug, fügt er schmunzelnd an.

Mit ganzem Herzen Lehrer

Familie Aeschbach wohnt seit 25 Jahren in einem Haus am Schöftler Waldrand am Fusse des Böhlers. Die zwei Kinder sind längst ausgeflogen. Tochter Mirjam arbeitet als psychologische Therapeutin im Kanton Schwyz, Sohn Silvan studiert in Basel Psychologie. Die eigenen Kinder waren nicht beim Vater in der Klasse, haben aber geholfen, die Schule auch aus der Perspektive der Eltern zu erleben.

Seine Frau Ursula ist ebenfalls Lehrerin in Schöftland. Mehrere Jahre haben die beiden Tür an Tür unterrichtet. Ursula ist ein paar Jahre jünger als ihr Mann und noch berufstätig. Markus Aeschbach hat dafür jetzt einen grösseren Teil des Haushalts übernommen. Er kauft ein, macht den Abwasch und kocht sehr gerne. Ab und zu wird er in der Schule Stellvertretungen übernehmen. Vieles hat sich in den vierzig Jahren verändert. Aeschbach ist mit ganzem Herzen Lehrer geblieben. «Im Mittelpunkt sollten die Kinder stehen – die Kinder als vollwertige Menschen. Auch die Eltern und die Lehrer sollte man als Menschen ernst nehmen. Das geht heute vor lauter Papierkrieg oft vergessen.»

Viele schöne Momente

In seinen vierzig Jahren an der Schule Schöftland hat er etwa 400 Schülern eine gute Ausbildung und eine Bildung zu vollwertigen Menschen ermöglicht. Der traurigste Moment in Aeschbachs Karriere war, als ein Schüler an Leukämie gestorben ist. «Das war ein harter Moment», sagt er nachdenklich und schweigt eine Weile.

«Den allergrössten Teil meiner Zeit an der Schule habe ich positiv in Erinnerung. Es gab so viele schöne Momente und Erlebnisse.» Einmal hatte Aeschbach für einen Tag einen prominenten Schüler. Der weltberühmte Pianist Vladimir Ashkenazy gab seinen Sohn Dimitri in Aeschbachs Obhut. «Ashkenazy wohnt in der Nähe von Luzern. Als er einmal ein Konzert in Schöftland gab, schickte er Dimitri einen Tag zu uns in die Schule.» Heute ist Dimitri Ashkenazy als Klarinettist selbst weltberühmt und gefeiert. Wer weiss, vielleicht hat Markus Aeschbach mit seiner feinfühligen Art ein Stück zu seinem Erfolg beigetragen.