Wynental
AargauSüd impuls: Der Gemeindeverband wird zunehmend gefordert

AargauSüd impuls zieht nach fünf Jahren Bilanz – die Aufgaben nehmen zu, man muss priorisieren.

Rahel Plüss
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Als Vorzeigeprojekt ging aus dem «runden Tisch» etwa der erfolgreiche Bauzonenabtausch zwischen Menziken und Oberkulm für den Erweiterungsbau der Firma Glas Trösch hervor.

Als Vorzeigeprojekt ging aus dem «runden Tisch» etwa der erfolgreiche Bauzonenabtausch zwischen Menziken und Oberkulm für den Erweiterungsbau der Firma Glas Trösch hervor.

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Ein Kulturverein? Oder vielleicht ein Tourismusbüro? Offenbar kursieren in der Bevölkerung unterschiedlichste Vorstellungen, was aargauSüd impuls genau ist und macht (vgl. Interview). «Das liegt daran, dass nicht all unsere Projekte so plakativ sind wie etwa das ‹Erzähltal›», sagt Präsident Martin Widmer.
Das soziokulturelle Projekt mit den gelben Punkten, das am Bettagswochenende jeweils Hunderte Interessierte zu verschiedenen Anlässen in die Gemeinden lockt, ist aus Sicht des Präsidenten «ein Leuchtturmprojekt», also eine Erfolgsgeschichte mit Ausstrahlung. «Aber das ‹Erzähltal› gehört sicher nicht zu unseren Kernaufgaben, aargauSüd impuls hat das Projekt seinerzeit angestossen, mittlerweile ist es über Sponsoring selbsttragend.»

Was aber sind die Kernaufgaben des Gemeindeverbands, der in seiner heutigen Form seit fünf Jahren existiert? Welche Projekte haben sich bewährt, welche weniger? Diesen Fragen haben sich in den vergangenen Wochen der Vorstand und die Geschäftsstelle von aargauSüd impuls gestellt. Minuziös. Ehrlich. Schwarz auf Weiss.
Angeregt hatte diese Leistungsanalyse die Geschäftsprüfungskommission (GPK), allen voran der ehemalige Grossrat Ruedi Weber aus Menziken. Er findet, jetzt sei «der richtige Zeitpunkt für einen Marschhalt.» Es gehe nicht darum, die Arbeit bestimmter Personen in der Vergangenheit zu kritisieren, vielmehr solle diese Rückschau «eine ehrliche Grundlage für die Zielsetzungen der Folgejahre bilden.»

Weit gefächertes Aufgabenfeld

Ein bisschen geschwitzt hat der Vorstand schon, ob der gestellten Aufgabe. Aber die Mühen lohnten sich, meint der Präsident Martin Widmer. In militärischer Manier (als ehemaliger Regimentskommandant der Luftwaffe habe er beste Erfahrungen damit gemacht) hat er Aussagen, Erkenntnisse und Konsequenzen für die verschiedenen Bereiche formuliert und einander gegenübergestellt. Eine tabellarische Kurzfassung jahrelanger Verbandsarbeit gewissermassen.

Angefangen bei Alter, Bildung, Energie, Kultur, Medien bis Politik, Raumplanung, Schutz der Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr sind die Themen von aargauSüd impuls weit gefächert. Ein Beispiel für eine «weniger publikumswirksame, aber zentrale Aufgabe des Regionalverbands», wie Martin Widmer sagt, ist der «runde Tisch». Diese Treffen, die dazu dienen, die regionale Abstimmung zwischen den Gemeinden zu gewährleisten, haben seit 2011 sieben Mal stattgefunden.
In diversen Stellungnahmen habe man die Interessen der Gemeinden präzisiert, kommuniziert und vertreten – unter anderem zum kantonalen Richtplan oder zur Baugesetzrevision. Als Vorzeigeprojekt ging aus dem «runden Tisch» etwa der erfolgreiche Bauzonenabtausch zwischen Menziken und Oberkulm für den Erweiterungsbau der Firma Glas Trösch hervor.

Zwischen 2011 und 2015 hat aargauSüd impuls über 30 kantonale und eidgenössische Vernehmlassungen ausgearbeitet und den Verbandsgemeinden zur Verfügung gestellt. Da die regionale Abstimmung von kommunalen Planungen im Baugesetz gefordert ist, werde man weiterhin an den «runden Tischen» festhalten. Ein konkretes Projekt, das 2016 in Angriff genommen wird, ist die Erarbeitung eines regionalen Raumkonzepts, das zum Ziel hat, die Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit der Region zu steigern.

Aufgaben nehmen stetig zu

Eine wichtige Erkenntnis aus der Rückschau ist, dass die immer umfangreicheren Aufgaben von Gemeinden und Kanton den Verband zunehmend fordern. Martin Widmer formuliert es so: «Die rasant steigenden Aufgaben machten in den vergangenen fünf Jahren nicht nur eine Pensenerhöhung auf der Geschäftsstelle, sondern auch eine zweimalige Erhöhung der Gemeindebeiträge notwendig.» Gestartet war man im Jahr 2011 mit einem Beitrag von 4.50 Franken pro Einwohner, 2013 hatte man auf 5 und 2014 auf 6 Franken erhöht. Damit stehen bei gut 30 000 Einwohnern im Verbandsgebiet rund 180 000 Franken zur Verfügung.

«Wir wollen die 6 Franken vorderhand beibehalten», so Martin Widmer. Eine Konzentration auf das Wesentliche sei deshalb unabdingbar. Das ist auch erklärtes Ziel von Geschäftsführer Herbert Huber. Er will aber nicht nur Wesentliches von Wünschbarem trennen, sondern auch Projekte und regionale Aufgaben künftig nach dem Verursacherprinzip budgetneutral verrechnen. Zudem will aargauSüd impuls vermehrt Leistungsanträge an den Kanton stellen und fordern, dass dieser neue Aufträge – beispielsweise im Zusammenhang mit der Asyl- und Flüchtlingsproblematik – künftig mitfinanziert.

Nachgefragt: Herbert Huber ist seit knapp zwei Jahren Geschäftsführer von aargauSüd impuls

Herr Huber, nicht jedermann weiss, was aargauSüd impuls macht. Wie erleben Sie das?
Herbert Huber: Trotz starker Medienpräsenz werden wir von nicht sehr interessierten Personen immer noch stark als Kulturorganisation wahrgenommen. In persönlichen Gesprächen mit Bürgern, sogar mit Nationalpolitikern, erfahre ich dies und korrigiere die oft fehlende Information mit Fakten über unsere vielfältigen Aufgabenbereiche in Raumplanung, Verkehr und Wirtschaftsförderung – oder ich verweise auf unsere Website.

Woran liegt das?
Das traditionelle, jährliche «Erzähltal-Wochenende» mit den «gelben Punkten» strahlt als Leuchtturmprojekt erfreulich stark in allen Gemeinden unserer Region.

Was hat die Leistungsanalyse gebracht?
Wie der Name sagt, liegt nach fünf Jahren eine offene und transparente Analyse der erbrachten Leistungen auf dem Tisch. Stärken und Schwächen, Erfolge aber auch Misserfolge sind klar erkennbar und dienen einer verbindlichen Standortbestimmung unseres Regionalplanungsverbandes seit seiner Gründung.

Welches ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus der Leistungsanalyse für Sie als Geschäftsführer?
Künftige Projekte und regionale Aufgaben müssen zwingend separat und somit budgetneutral geführt und verrechnet werden – nur so kann ein ehrlicher Erfolgsfaktor ausgewiesen werden.

Was wollen Sie ändern?
Die Rechnungslegung 2016 mit Bilanz und Erfolgsrechnung öffentlich und transparent im zukünftigen Geschäftsbericht ausweisen, mich auf das Wesentliche im Interesse der Verbandsgemeinden und der Wirtschaft zu konzentrieren und Wünschbares klar zu definieren um die Kosten im Griff zu halten.


Leistungsanalyse: Die Zusammenfassung der Tätigkeiten von aargauSüd impuls ist Bestandteil des Geschäftsberichts 2015 und für jedermann via Website einsehbar.

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