Der Gemeindeverband aargauSüd impuls ist für die regionale Koordination in Planungsfragen zuständig und zugleich Träger von regionalen Projekten. Martin Widmer, Oberkulm, leitet als Präsident den Verband, welchem 12 Gemeinden mit knapp 30 000 Einwohnern angehören.

Herr Widmer wie erlebten Sie das erste Jahr als Präsident?

Martin Widmer: Bereits in der Einarbeitungsphase konnte ich feststellen, wie mein Vorgänger mit viel Energie den neuen Verband aargauSüd impuls vorantrieb. Nach einer kurzen Einführung habe ich mich sofort den pendenten Projekten zugewandt. Ich war überrascht von der Themenvielfalt und der Arbeit, die in nächster Zeit vom Verband zu bewältigen ist.

Braucht es aargauSüd? Viele Gemeinde betonen immer wieder ihre Selbstständigkeit.

Die Aufgaben, welche auf die Gemeinden und auf die Region zukommen, werden stets umfassender und schwieriger. Bereits als Gemeindeammann in Oberkulm erlebte ich als positiv, wenn die Behörden über die Gemeindegrenze hinausblickten.

Und dafür braucht es aargauSüd?

Es ist von Vorteil, wenn in der Region übergeordnet – natürlich ohne Beschlussfähigkeit – ein koordinierendes Organ im Einsatz ist. Wir sind auch in Kontakt mit dem Kanton. Wir haben gegenwärtig drei Vernehmlassungen pendent, bei denen wir die Koordination übernehmen. Das sind Arbeiten, die vorher der Repla übernommen hat.

Sie haben Lobbyisten in Aarau?

Es ist unser Anliegen, in engem Kontakt mit den neun Grossräten aus dem Bezirk zu sein, weil sie unseren Anliegen für Region im Parlament vertreten können.

Wird der Verband von den Gemeinden nicht als Störfaktor wahrgenommen?

Damit müssen wir ab und zu rechnen. Es gibt Gemeinden, die sagen, bei uns funktionierts, was will sich aargauSüd da einmischen. Für mich ist «Störfaktor» eine Herausforderung, denn ich bin für jede Kritik offen. Das letzte Wort haben immer die Gemeinden. Wir wollen und dürfen dieses nicht bevormunden.

Welchen Beitrag können Sie denn konkret leisten?

Wir haben zum Ziel, die Partnerschaft unter den Gemeinden, die Vernetzung zu fördern. Denn noch einmal, Entscheidungsbefugnisse hat unser Gremium keine.

Regionalisierung ist ein Thema. Wo hat Ihr Verband konkret auf das Geschehen Einfluss genommen?

Das aktuellste Beispiel ist die Spitex. Da haben wir letzte Woche (az vom 18.1.) eine Vision zur Regionalisierung vorgestellt. Die Spitex kommt im Zuge der Bevölkerungsentwicklung langsam an ihre Grenzen. Die Umsetzung des Pflegegesetzes und immer mehr Auflagen zwingen uns, nach gemeinsamen, regionalen Lösungen zu suchen.

aargauSüd will sich auch um wirtschaftliche Belange kümmern, wo zum Beispiel?

Zurzeit betreuen wir drei NRP Projekte (Neue Regionalpolitik des Bundes), welche von Bund und Kanton finanziell unterstützt werden. Eines dieser NRP-Projekte ist der Lehrbetriebsverbund. Lehrbetriebe sind unsere Zukunft, wenn wir vermeiden wollen, dass die jungen Leute zur Ausbildung abwandern.

Wie genau?

Die Lehrbetriebe arbeiten zusammen, tauschen Erfahrungen und Wissen aus. Im oberen Wynental läuft das bereits recht gut. Jetzt sind wir dabei, das mittlere Wynental ins Boot zu holen. Auch das ist eine Koordinationsaufgabe für unseren Verband.

Welches ist das aktuellste Projekt?

Im Bildungsbereich hat aargauSüd von den Gemeinden den Auftrag erhalten, die Oberstufenstandorte im Wynental zu untersuchen und Vorschläge für die Zusammenarbeit bis hin zu einem Zusammenschluss zu machen. Da werden wir im Herbst einen Schritt weiter sein und die Öffentlichkeit informieren.

Was braucht die Region eigentlich?

Wir wollen eine Musterregion sein für die regionale Zusammenarbeit. Da denken wir an die Gemeinden, an die Unternehmen, an die Institutionen und nicht zuletzt an unsere Bevölkerung.

Wie drücken Sie das ganz knapp aus?

Der Leitsatz soll nicht heissen, wir sind starke Oberkulmer oder Reinacher, sondern: «Wir wollen eine starke Region sein». Das Wynental hat viel zu bieten. Wir haben interessante Betriebe im Tal, die ihre Produkte weltweit vertreiben. Wir haben schöne Wohnlagen und sind verkehrsmässig mit dem öV gut erschlossen.

Zum Schluss: Herr Widmer, gibt es aargauSüd impuls in zehn Jahren noch?

Das hoffe ich sehr. Klar, wir wissen heute nicht, wie die Gemeindestruktur in zehn Jahren aussieht. Die Aufgaben, die wir betreuen und koordinieren werden aber nicht weniger. Deshalb brauchen wir ein Koordinationsorgan für die Region, deshalb braucht es aargauSüd impuls.