Reitnau
Abfallmenge mit Waage senken: Reitnau möchte Abfallkonzept nach Verursacherprinzip

Reitnau gehört zu den wenigen Gemeinden im Kanton Aargau, die noch keine verursachergerechte Kehrichtentsorgung haben. Das muss sich von Gesetzes wegen bis zum 1. Januar 2015 ändern. Die Gemeinde möchte Abfallkonzept nach Verursacherprinzip.

Raphael Nadler
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Der Abfall: Reitnau gehört zu den wenigen Gemeinden im Kanton Aargau, die noch keine verursachergerechte Kehrichtentsorgung haben.

Der Abfall: Reitnau gehört zu den wenigen Gemeinden im Kanton Aargau, die noch keine verursachergerechte Kehrichtentsorgung haben.

Erna Lang-Jonsdottir

Reitnau gehört zu den wenigen Gemeinden im Kanton Aargau, die noch keine verursachergerechte Kehrichtentsorgung haben. Das muss sich von Gesetzes wegen bis zum 1. Januar 2015 ändern.

Der Gemeinderat hat die beiden möglichen Systeme «Sackgebühr» und «Verrechnung nach Verursacherprinzip» studiert.

Er ist zur Überzeugung gekommen, dass «Verrechnung nach Verursacherprinzip» die bessere Lösung sei und erläuterte am Infoabend dessen Vor- und Nachteile. Über 120 Personen besuchten den Anlass in der Mehrzweckhalle.

Unterkulm: Verrechnung nach Verursacherprinzip

In der Region setzen alle Gemeinden, im Privatbereich, auf die Sackgebühr. «Der Siedlungsabfall ist so einfacher zu handhaben und es gibt keine Rechnungen im Nachhinein», sagt Peter Lienhard von der Gloor Transport AG, die in der Region den grössten Teil der Entsorgung erledigt. In Unterkulm gibt es für das System des Verursacherprinzips lobende Worte. «Wir haben null Probleme mit diesem System», sagt Bruno Kyburz, Leiter der technischen Dienste in Unterkulm. Die Gemeinde führte die Verrechnung des Abfalls nach Verursacherprinzip bereits 1998 ein. Die grösste Wohneinheit in Unterkulm umfasst 36 Wohnungen. «Jede davon hat einen eigenen Container», sagt Bruno Kyburz weiter. «Ich kann das System nur weiterempfehlen.» Interessierten zeigt er in Unterkulm, wie das System funktioniert. (ran)

Die 527 Haushalte in Reitnau produzieren 280 000 Kilo Siedlungsabfälle und Sperrgut pro Jahr. Das ergab eine Erhebung im Jahr 2012 und in den Monaten Januar bis August 2013.

Im Durchschnitt fällt bei einem Mehrpersonenhaushalt rund 600 Kilo Abfall an, bei einem Einpersonenhaushalt 250 Kilo. «Durch die Einführung des neuen Konzepts soll sich diese Menge senken», ist Gemeinderat Rolf Trösch überzeugt. «Wenn es an den Geldbeutel geht, wird mehr Abfall getrennt.»

Chip mit gespeicherter Adresse

Mit Statistiken aus anderen Gemeinden unterstreicht Simon Zeller, der zweite Referent des Abends, diese These.

Er ist von der Non-Profit-Organisation Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) und hat die Abfallbewirtschaftung von Reitnau unter die Lupe genommen.

«Momentan produziert Reitnau 70 Kilo Abfall pro Person mehr als Gemeinden derselben Grösse, die nach dem Verbraucherprinzip abrechnen», sagt Zeller.

Das neue System sieht vor, dass die Gemeinde jedem Haushalt einen 140-Liter- oder einen 240-Liter-Container zur Verfügung stellt. Dieser wird mit einem Chip versehen, in dem die Adresse gespeichert ist. Wird dieser Chip entfernt, ist er zerstört.

Wird der Container geleert, misst eine Waage das Gewicht des Abfalls und speichert diese Zahlen im Chip. Aufgrund dieser Infos werden die Rechnungen erstellt. Die Grundgebühren belaufen sich auf 135 Franken pro Haushalt.

Dazu kommt eine Andockgebühr pro Leerung von 50 Rappen plus 20 Rappen pro Kilo Abfall. Das macht laut Berechnungen der Gemeinde 268 Franken für einen Mehrfamilienhaushalt (bisher 286 Franken) und 194 Franken für einen Einpersonenhaushalt (167 Franken) pro Jahr.

Besitzer von 330-l- bis 1100-l-Containern können diese behalten. Sei bekommen von der Gemeinde einen Spezialchip.

Mit einem Aufpreis können auch abschliessbare Container bestellt werden. Das Grüngut kann weiterhin kostenlos auf der Sammelstelle abgegeben werden.

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