Mobilfunk

Abstimmung über 5G-Antenne: Schafft Uerkheim den Anschluss an die Handy-Welt?

Am 15. März stimmen die Uerkner über die 5G-Antenne auf dem Schulhausdach ab. (Symbolbild)

Am 15. März stimmen die Uerkner über die 5G-Antenne auf dem Schulhausdach ab. (Symbolbild)

Zehn Tage vor der Abstimmung trafen sich Befürworter und Gegner der Handy-Antenne auf dem Schulhaus.

Wird Uerkheim weiterhin Funklöcher haben? Schaden die Strahlen der geplanten Mobilfunkantenne auf dem Schulhaus Hübeli den Kindern unten auf dem Pausenplatz? Für Befürworter wie Gegner des von der Swisscom gewünschten Standorts der 5G-Antenne steht am 15. März viel auf dem Spiel.

Dann stimmen die Uerkner an der Urne darüber ab, ob der Gemeinderat den entsprechenden Vertrag mit der Swisscom abschliessen darf. Ob endlich das ganze Dorf inklusive Hinterwil Handy- und Internetempfang hat. Oder wie es die Gegner ausdrücken würden: Ob der Standort Schulhausdach in Stein ­gemeisselt wird und sich die Bevölkerung mit der Situation abfinden muss.

Entsprechend emotional wird der Abstimmungskampf im Dorf geführt. Für den 22-jährigen Cédric Rüegger vom Referendumskomitee haben die hochkochenden Emotionen auch damit zu tun, dass den Fragen und Ängsten der Bewohner an der Informationsveranstaltung zu wenig Raum gegeben worden war. Für Dienstagabend hatte er deshalb alle Uerkner und Uerknerinnen zum Meinungsaustausch bei Kaffee und Kuchen in den Gemeindesaal geladen (AZ vom 29.2.).

Unentschlossene kamen nicht zum Gesprächsabend

Gekommen waren knapp 20 Personen – eine kleine Zahl für ein Dorf mit gut 1300 Einwohnern, das in einem wichtigen Abstimmungskampf steckt. In einem, der gemäss vielen entscheidend für die Gesundheit der Schulkinder ist. Praktisch gar keinen Gebrauch vom Diskussionsabend hatten jene Uerkner gemacht, die noch unentschlossen sind, was sie stimmen sollen. Von den Anwesenden gehörten etwa zwei Drittel dem Pro-­Antennen-Lager an – von dessen Vertretern die Veranstaltung organisiert wurde – und ein Drittel dem gegnerischen Lager.

Diskutiert wurde angeregt und anständig. Die Ängste und Sorgen der Gegner wurden ebenso geduldig angehört wie die Argumente der Befürworter. Zu Letzteren gehört auch alt Gemeindeammann Markus Gabriel, der am Dienstag mitdiskutierte. Das Schulhausdach ist für ihn der ideale Standort für die Swisscom-Antenne: «Wir brauchen ein flächendeckendes Mobilfunknetz im Dorf», meint er, «es gibt mehrere Gebiete, die keinen Empfang haben.» Für potenzielle Neuzuzüger wirke schlechter Mobilfunkempfang zudem abschreckend.

Mehrere statt einer Mobilfunkantenne?

Ähnlich klang es von der 18-jährigen Sarah Rüegger, der Schwester des Gastgebers: «An 5G führt kein Weg vorbei, jedes technische Gerät soll ja eines Tages an das Internet der Dinge angeschlossen werden. Wenn wir da nicht mitmachen, werden wir abgehängt.»

Für Boris Lanz (65) aus dem Gegenlager klingt das Argument, dass von keinem anderen Standort aus das ganze Dorf abgedeckt würde, schwach. «Weshalb kann denn nur eine einzige Antenne aufgestellt werden? Weshalb nicht zwei?» Ein Nein an der Urne gebe Uerkheim die Gelegenheit, nach «intelligenten Standorten» zu suchen. Also solche, die Abdeckung garantierten und bei denen sich alle Bewohner wohlfühlten.

Ein Ausnahmeexemplar am Dienstagabend war der 86-jährige Hans Gugelmann, der in den Gemeindesaal gekommen war, «um zu sehen, wie die allgemeine Meinung ist». Er besitzt kein Handy und surft auch nicht im Internet. «Aber ich werde Ja stimmen. Denn man merkt, das alles kommt ja doch eines Tages.»

Der Ausgang der Abstimmung ist ungewiss: Mit 99 zu 66 Stimmen lehnte die Winter­gmeind das Geschäft klar ab. Als das Referendumskomitee um den 22-jährigen Zimmermann Cédric Rüegger auf Unterschriftensammlung ging, kamen jedoch im Nu 110 Unterschriften zusammen.

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