Oberkulm

Auch seltene Bäume sollen spriessen können

Gemeindeförster Urs Wunderlin ist sichtlich stolz auf seine jungen Nussbäume.

Gemeindeförster Urs Wunderlin ist sichtlich stolz auf seine jungen Nussbäume.

Förster Urs Wunderlin verjüngt den Wald der Ortsbürgergemeinde Oberkulm. Dafür erhält er sogar Subventionen vom Kanton. Pro Hektare lässt der Kanton 140 Franken springen.

Urs Wunderlin misst mit Zeigefinger und Daumen den Abstand zwischen zwei Astkränzen. «So viel ist diese Weisstanne im vergangenen Jahr gewachsen», erklärt der Gemeindeförster stolz. Diese 20 Zentimeter stünden exemplarisch für den Erfolg der Vereinbarung zur Verjüngung des Waldes zwischen der Ortsbürgergemeinde Oberkulm und dem Kanton Aargau. Einer Mitteilung des Gemeinderats zufolge hat sich die erste Periode von 2008 bis 2011 bewährt. Deshalb hat nun der Gemeinderat auch eine entsprechende Vereinbarung für den Zeitraum von 2012 bis 2015 unterzeichnet.

Die Weisstanne steht im Waldteil «Einschlag» bei Oberkulm. Mit ihren zehn Jahren ist sie noch kaum grösser als der Förster selbst. Dasselbe gilt für die zahlreichen weiteren Jungwüchse in diesem Waldstück: Hagenbuchen, Eichen, Rottannen. Nur vereinzelt ragen ausgewachsene Buchen über den Jungbaumteppich empor. Dies hat Konzept: «Hätten wir zu viele ältere Bäume stehen lassen, hätte dies das Wachstum der Jungbäume gebremst», so der Gemeindeförster. «Die Jungbäume brauchen genügend Licht, um wachsen zu können.»

Entschädigung vom Kanton

Von den 220 Hektaren Waldfläche der Gemeinde Oberkulm sind über 16 Prozent als Jungwaldfläche kartografiert. Mit der Vereinbarung hat sich die Ortsbürgergemeinde dazu verpflichtet, die Jungwaldfläche speziell zu pflegen. Dafür erhält sie vom Kanton jährlich eine Entschädigung von 140 Franken pro Hektare. «Diese Kompensation ermöglicht es, dass unser Forstbetrieb trotz Ökologie ökonomisch ist», erklärt Urs Wunderlin. «Gäbe es diese Zahlungen nicht, könnten wir wohl nicht so viel in die Jungwaldpflege investieren.» Denn das einträgliche Geschäft sei der Verkauf von Bäumen im Alter von 120 bis 150 Jahren und nicht die Pflege junger Triebe.

Im Geländewagen fahren wir in den Waldteil «Rotel». Auf einer Fläche von 30 Aren stehen im Abstand von fünf Metern mannshohe Triebe, sorgfältig in Gitternetzhüllen eingepackt. Der Schutz dient gegen Wildverbiss und gegen Schäden, die der Rehbock durch das «Fegen» seiner Hörner an den jungen Stämmen verursachen kann.

«Die Krähen haben mich auf die Idee gebracht, hier Nussbäume zu pflanzen», sagt Urs Wunderlin und zeigt auf ein stattliches Exemplar am Waldrand. Die Nüsse, die die Krähen im Gebiet fallen lassen, bringen immer wieder neue Triebe hervor. «Dies hat mir gezeigt, dass die Bedingungen zur Pflanzung von Nussbäumen hier gut sein müssen.»

Krankheiten vorbeugen

Schön, doch worin liegt eigentlich der Nutzen der Verjüngung? Reguliert sich der Wald denn nicht von selbst? «Im Prinzip schon», gesteht Wunderlin ein, doch würde dies auf Kosten der Artenvielfalt geschehen. Gerade der Nussbaum brauche sehr viel Licht und würde ohne spezifische Förderung im Waldesinnern von dickstämmigeren Bäumen verdrängt. Ausserdem gelte: Je vielfältiger die Waldzusammensetzung, desto weniger anfällig sei dieser für Krankheiten.

Dies weiss auch der Kanton. Deshalb zahlt er für die Gründung von Jungbeständen mit wertvollen Baumarten eine zusätzliche einmalige Entschädigung. Für Nuss- und Kirschbäume sind dies pro Hektare 8000 Franken, für Eichenbestände sogar 30 000 Franken.

Die Subventionen haben Urs Wunderlin im Jahr 2009 dazu bewogen, im «Beidel» auf einer halben Hektare Eichen anzupflanzen. Vom Nutzen für die Natur ist er überzeugt: «Auf Eichen findet besonders viel Leben statt», erklärt er. Die zahlreichen Spechtlöcher an ausgewachsenen Eichen böten Unterschlupf für viele Käfer, Insekten und Vögel. Ausserdem setze die Klimaerwärmung der Eiche im Vergleich zu anderen Baumarten am wenigsten zu.

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