Oberkulm
Bald stehen die Mühlen in Oberkulm still

Louis Jucker ist seit über vierzig Jahren Silochef. Ende April wird die Futtermittelproduktion in Oberkulm eingestellt.

Janine Gloor
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Mühlen in Oberkulm
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Noch diesen Monat kann Louis Jucker die Mühle mit Getreide füttern.
Das Urdinkelkorn wird mit einer speziellen Maschine «entspelzt».
Vieles im Gebäude erinnert an vergangene Zeiten.

Mühlen in Oberkulm

Janine Gloor

Im Gebäude der Genossenschaftsmühle ist es laut, die Maschinen laufen auf Hochtouren. Die alten Mauern und das Getreide verströmen einen heimeligen Geruch.

Louis Jucker huscht geschickt zwischen den Maschinen hin und her, betätigt hier einen Hebel, öffnet da eine Klappe und schaut prüfend in den mit Getreide gefüllten Bauch einer Mühle.

Emsig verrichten die Maschinen ihren Dienst, doch es liegt eine melancholische Stimmung in der Luft. Die Tage der Getreidemühle in Oberkulm sind gezählt. Ende April wird die Futtermittelproduktion eingestellt, Mehl wird schon seit 2008 keines mehr gemahlen.

Die Genossenschaftsmühle ist 1918 in einer eingegangenen Kupferblechwalze entstanden. 1970 wurde das Gebäude um ein 32 Meter hohes Getreidesilo erweitert. In den besten Zeiten der Mühle wurden hier pro Jahr 1000 Tonnen Getreide verarbeitet.

Heute sind es noch 150. Den Maschinen ist ihr Alter anzusehen. Es sind Konstruktionen aus Holz und Metall, manche waren schon vor Louis Juckers Zeit hier. Noch funktionieren sie einwandfrei, doch um die Produktion so fortsetzen zu können, müsste in die Instandhaltung investiert werden.

«Das lohnt sich halt bei einer Maschine mit Baujahr 1965 nicht», sagt Jucker. Er ist seit über 40 Jahren hauptberuflich als Silochef in der Mühle tätig. Den Posten hat er von seinem Vater übernommen und dieser von seinem Vater.

Im zweiten Stock der Mühle ist es weniger laut, dafür zittert hier der Boden. Jucker befördert mit dem Warenlift Getreidesäcke nach oben und füllt den Inhalt in einen grossen Trichter. Bei der Berufswahl vor 50 Jahren hatte er zunächst nicht vor, sein Leben wie der Vater in der Genossenschaftsmühle zu verbringen.

Als die Glas Trösch 1965 einen Standort in Oberkulm gründete, überlegte sich Jucker, bei der Firma anzuheuern. Doch die Krankheit des Vaters machte seine Pläne zunichte und führte ihn in dessen Fusstapfen. «Im Nachhinein bin ich froh, dass ich damals nicht Glasmonteur geworden bin. Ich habe es hier viel schöner gehabt, als wenn ich ständig auf verschiedenen Baustellen hätte arbeiten müssen. Mir gefällt dieser abwechslungsreiche Beruf und der Kontakt zu den Menschen.»

Auf einem Stehpult führt Jucker Buch über die Zusammensetzung der Futtermischungen, die gerade hergestellt werden. Gewisse Vorgaben müssen eingehalten und kontrolliert werden. Dass dies alles schon sehr bald Geschichte sein wird, ist für Jucker nicht ganz einfach. «Es mag mi scho chli», sagt er.

Getreideannahme bleibt

Die einzige Mühle, die nicht verstummen wird, steht im Untergeschoss. Es ist eine Röllmühle, die das Urdinkelkorn von seiner Hülle trennt. Dieser Vorgang heisst «entspelzen» und wird für die Oberkulmer Urdinkelsorten Rotkorn und Ostro auch zukünftig in der Genossenschaftsmühle durchgeführt. Auch andere Getreidesorten können weiterhin angeliefert werden, ganz still wird es in der Mühle also nicht. Für die Bauern im Wynental bleibt sie die wichtigste Getreideannahmestelle. Die für die Getreideannahme nötigen Maschinen wie Waage, Filteranlage und Lifte sind weiterhin in Betrieb und werden von Jucker als Silochef geführt.

Da kommt Kundschaft in die Mühle. Ein Bauer ist mit dem Traktor vorgefahren und lässt sich von Jucker aus einem der metallenen Silos vor der Mühle Futter in seinen Anhänger abfüllen. Auf die Frage, ob er es bereue, dass die Mühle stillgelegt wird, zuckt er mit den Schultern. «Doch, es gibt schon solche, die noch sehr daran hängen», meint er mit einem Seitenblick zu Jucker. Dieser lächelt nur. Man merkt, dass auch er die Entwicklung bedauert. Doch er gibt sich realistisch: «Die Zeiten ändern sich. Es muss halt weitergehen.» Schon heute ist Jucker neben der Arbeit als Silochef im nebenstehenden Agrarcenter tätig, in zwei Jahren wird er pensioniert.

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