Unterkulm

Balletttänzerin Sina Friedli will für die Grünen in den Grossen Rat

Tänzerin Sina Friedli kandidiert für die Grünen des Bezirks Kulm.

Tänzerin Sina Friedli kandidiert für die Grünen des Bezirks Kulm.

Die 27-jährige Sina Friedli aus Unterkulm kandidiert für die Grossratswahlen für die Grünen Bezirk Kulm. Der Lockdown der vergangenen Monate sei für sie als Balletttänzerin eine Katastrophe gewesen. Daher engagiere sie sich politisch.

Viele ziehen in die Ferne, um ihren Traum zu leben. Lassen die Orte ihrer Kindheit zurück, das Elternhaus. Brechen auf zu Neuem, Aufregenderem. Zurück kommt nur, wer gescheitert ist, sagt man.

Stimmt nicht. Nicht für Sina Friedli. Jung war sie, als sie fortging aus Unterkulm, 13 Jahre alt. Fort von der Familie, nach Zürich ins Ballett-Internat. Sie wollte tanzen, das sture Mädchen, mehr als alles andere. Seit dem Tag, an dem sie Tschaikowskis «Nussknacker» gesehen hatte, war es um sie geschehen. Das war keine Phase, wie alle immer glaubten, das war ihr Traum. Aber ihr Daheim, das hat sie nie ganz verlassen.

Auch heute, mit 27 Jahren, mit einer Ausbildung als Klassische Tänzerin und Auftritten wie beispielsweise als tänzerische Solistin im Opernhaus Zürich in der Oper «Manon», wohnt sie wieder ganz in Unterkulm. Und nicht nur das. Sie fühlt sich mit dem Bezirk Kulm so verwurzelt, dass sie ihn im Grossen Rat vertreten möchte. Auf der Liste der Grünen.

Eine Alternative für die jungen Stimmbürger

Das politische Interesse kommt nicht von ungefähr. Auf der gleichen Liste findet sich Sinas Mutter, Christa Debrunner; ihr Cousin Alois Debrunner sitzt im Aarauer als SP-Einwohnerrat. Dass sie tatsächlich auch gewählt wird, solche Chancen rechnet sie sich kaum aus. Sina Friedli ist auf dem vierten Listenplatz, hinter Severin Lüscher (bisher), Magi Keller und Elias Dahms. Und doch hat sie sich mit Überzeugung auf die Liste setzen lassen. Mit der Überzeugung, etwas zum politischen Geschehen im Aargau beizutragen, mit der Überzeugung, insbesondere der jungen Stimmbürger im Bezirk Kulm eine Alternative bieten zu wollen.

Und zu können. Als Stimme gegen den Politikverdruss, wider die Klischees und die tiefe Wahlbeteiligung, die sie so ärgert. «Politik muss nicht männlich und über 50 sein», sagt sie. «Politik ist auch jung, und weiblich, sie ist weltoffen – auch in einem konservativen Bezirk wie Kulm. Das will ich all den jungen Wahlmuffeln im Tal zeigen.» Warum ausgerechnet sie? Sie lacht; ein breites, herzliches Lachen. «Es braucht immer eine, die den ersten Schritt tut.»

Der Lockdown war für die Tänzerin Sina Friedli eine Katastrophe.

Der Lockdown war für die Tänzerin Sina Friedli eine Katastrophe.

Dass Sina Friedli sich nun politisch engagiert, hat viel mit den Ereignissen der letzten Monate zu tun. Mit dem Frauenstreik im Juni 2019, der sie enorm bestärkt habe im Wunsch, politisch etwas zu bewirken. Und dann natürlich Corona. Der Lockdown. Für sie als Tänzerin eine Katastrophe. Die Engagements blieben aus, von einem Tag auf den andern, das Einkommen auch, das Ringen mit den Behörden um ein Ersatzeinkommen war mühsam. «Ich bin durch alle Raster gefallen, wie wohl viele Kunstschaffende», sagt sie zerknirscht.

Ein Umstand, den sie unbedingt verbessern will: «Wir müssen noch einmal über das bedingungslose Grundeinkommen reden, unbedingt. Es kann nicht sein, dass sich so etwas wiederholt und Arbeitnehmende ohne klassischen Bürojob mit solchen Existenzängsten leben müssen.»

Während des Lockdowns hat Sina Friedli auch ihre Heimat neu entdeckt. «Meine Verbundenheit zu Unterkulm und dem Wynental waren immer gross. Dieser Flecken ist mein ruhiger Hafen mitten in der lebendigen, weiten Tanzwelt. Der Ort, an dem ich einfach Sina sein kann.» In den letzten Monaten habe sie ihn wiederentdeckt, in seiner ganzen natürlichen Pracht. «Ich will dieser Region eine Stimme im Kanton geben. Eine grüne, weibliche, junge Stimme.»

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