Urteil

«Besonders grausamer» Eritreer wird vom Bundesgericht abgewiesen

Er wird abgewiesen. Sein Vorgehen in der Tatnacht «geht weit über das für eine Tötung notwendige Mass hinaus und zeugt von grosser Entschlossenheit.

Er wird abgewiesen. Sein Vorgehen in der Tatnacht «geht weit über das für eine Tötung notwendige Mass hinaus und zeugt von grosser Entschlossenheit.

Das Bundesgericht kannte keine Gnade mit einem Flüchtling, der auf seine schwangere Frau eingestochen hatte. Ihr Überleben grenzt an ein Wunder.

Es ist ein besonders krasser Fall von häuslicher Gewalt, mit dem sich das Bundesgericht auseinandersetzen musste. Ein Eritreer, etwas über 40 Jahre alt, hatte vor drei Jahren in einer Aarauer Vorortgemeinde seine 14 Jahre jüngere Ehefrau und ihr ungeborenes Kind beinahe getötet – kaltblütig und grausam.

Passiert ist es im Mai 2017. Das Opfer war damals erst kurze Zeit in der Schweiz. Geheiratet hatte sie den Täter, der seit 2012 in der Schweiz lebt und anerkannter Flüchtling ist, ohne ihn zuvor je gesehen zu haben, 2015 in Addis Abeba (Äthiopien).

Offenbar war die Frau direkt nach ihrer Einreise schwanger geworden. Als der Beschuldigte hörte, sie sei in der 15. Woche, rechnete er nach – und wusste offenbar nicht, dass zur Berechnung nicht der Tag der Befruchtung, sondern der erste Tag der letzten Monatsblutung massgebend ist. So aber nahm er an, die Frau habe ihn kurz vor ihrer Einreise mit einem anderen Mann betrogen. Obwohl sie das immer wieder vehement abstritt – und obwohl später zweifelsfrei nachgewiesen wurde, dass der Täter der Kindsvater ist – glaubte er ihr nicht. Nach einem erneuten Streit darüber griff er sie an.

Ihr Überleben grenzt an ein Wunder

Mit einem Fleischmesser stach er ihr zuerst in den Unterleib; verletzte zwar die Eierstöcke, verfehlte aber die Gebärmutter mit seinem Kind darin. Mehrfach stach er mit der 13 Zentimeter langen Klinge auf Kopf und Oberkörper seine Frau ein, bevor das Messer in ihrem Nacken stecken blieb. Dann nahm er eine volle Whisky-Flasche und schlug sie ihr mehrmals gegen den Kopf, bevor er versuchte, sie mit einem Kissen zu ersticken. Als er glaubte, seine Frau sei tot, rief er deren Schwester an, bezeichnete das Opfer als «Abfall», das nun «gegangen» sei. Anschliessend verliess er die Wohnung. Erst, als er zurückkam und sich das Opfer noch regte, rief er die Polizei. Die Frau wurde notoperiert. Das sowohl sie als auch das Baby überlebten, «grenzt an ein Wunder», so das Bundesgericht.

Vor dem Bezirksgericht Aarau hatte er die Tat an sich nicht abgestritten, aber behauptet, er sei «vom Dämon besessen». Dieser sei während der Hochzeitsnacht in ihn gefahren, er habe den Stich im einen Hoden gut gespürt, sagte er vor Bezirksgericht. Dem Mann wurde für die Tatnacht von der Psychiaterin eine leicht verminderte Schuldfähigkeit und Steuerfähigkeit attestiert, er habe sich in einem Trance-Zustand befunden.

Es bleibt beim versuchten Mord

Das Bezirksgericht Aarau verurteilte den Eritreer wegen versuchten Mords und versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs zu 15 Jahren sowie 15 Jahren Landesverweis, der nach Ablauf der Gefängnisstrafe – je nach dannzumaliger politischer Situation im Herkunftsland – trotz Flüchtlingseigenschaft vollzogen werden kann. Das Obergericht bestätigte die Strafe. Beim Bundesgericht wollte der Eritreer nun erreichen, dass sein Verbrechen als versuchte Tötung statt als Mord angesehen und dass von der Landesverweisung abgesehen wird.

Doch die Bundesrichter wiesen ihn auf ganzer Linie ab. Sein Vorgehen in der Tatnacht «geht weit über das für eine Tötung notwendige Mass hinaus und zeugt von grosser Entschlossenheit. Es muss zudem als besonders niederträchtig, grausam und gefühlskalt bezeichnet werden». Die Rede ist von «ausserordentlicher Grausamkeit», «Kaltblütigkeit» und «besonderem Egoismus». Das Verhalten des Täters sei «in keiner Weise nachvollziehbar und steht in einem besonders krassen Missverhältnis zum Anlass der Tat», insbesondere, nachdem sich die Frau gar nichts zuschulden habe kommen lassen und der Seitensprung nur eingebildet war.

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