«Ich bin mir keiner Verfehlung bewusst», sagt der 69-jährige Kioskbetreiber im Wynental, nennen wir ihn Albert. Dabei hat er in den Jahren 2016 und 2017 einem damals 12-Jährigen wöchentlich ein- bis zweimal Zigaretten verkauft.

Der Bub sei oft rauchend bei seinem Kiosk herumgelungert, erzählt der Mann im Kurzärmelshirt und sockenlos in offenen Schuhen gestern Vormittag dem Kulmer Gerichtspräsidenten Christian Märki.

Damit will er sagen: Der war ja schon Raucher. «Hätte ich ihm die Zigaretten verweigert, wäre er nach Reinach gegangen», meint Albert. Über sein Alter habe er sich keine Gedanken gemacht. «Das wäre aber Ihre Pflicht gewesen», sagt Märki. «Sache der Eltern», sagt Albert.

Mütter erstatten Anzeige

Just die Eltern, genauer gesagt die Mütter von drei Buben mit Jahrgängen zwischen 2003 und 2005, denen Albert neben Zigaretten auch Dosenbier verkauft haben soll, brachten den Fall mit ihrer Anzeige vor etwa einem Jahr ins Rollen. Vom Bierverkauf will Albert gar nichts wissen.

An jenen Sonntagmorgen Mitte Oktober 2017, Ende der Schulferien, erinnert er sich schon. «Sieben besoffene Jugendliche verlangten Alcopops», sagt er. Dabei führe er solche Getränke nicht. Ein «Tohuwabohu» hätten sie in seinem Kiosk veranstaltet und Sachen gekauft wie Red Bull.

Später seien vier von ihnen wiedergekommen; nachher hätten zwei Bierdosen gefehlt. «Sie müssen sie geklaut haben», sagt Albert; verkauft habe er kein Bier. Ja, und den Vorplatz verkotzt hätten sie auch.

«Feldschlösschen» in Dosen

Das Protokoll der Konfrontationseinvernahme – Albert und einer der Buben wurden befragt – hat Albert unterschrieben. Darin ist vom Verkauf von 5 bis 7 Feldschlösschen-Dosen, Halbliter, die Rede.

Gewehrt gegen die Anschuldigungen hat er sich damals nicht. Er fühlt sich «versecklet»: «Eine solche Dreistigkeit habe ich in meinem Leben noch nie erlebt.» Was Albert nun erstmals erzählt, hält Christian Märki für eine «nachgeschobene Schutzbehauptung».

Sorgfaltspflicht verletzt

Der Gerichtspräsident verurteilt Albert wegen Übertretungen des Gastgewerbegesetzes und des Gesundheitsgesetzes zu einer Busse von 200 Franken. Es gehöre zur Sorgfaltspflicht, sich des Alters von Kunden, die Alkohol oder Tabakwaren kaufen, zu vergewissern. Zumal Albert ja selber von Buben gesprochen habe. Mindestens Fahrlässigkeit sei gegeben.

Die Busse falle, den wirtschaftlichen Verhältnissen Alberts, der von AHV und Zusatzrente lebe, eher tief aus, führt Christian Märki aus. Das Kioskgeschäft bringe ihm nichts ein, doch die beiden Angestellten könne Albert bezahlen, hat er zu Beginn der Verhandlung zu Protokoll gegeben. Hätte er im Januar 2018 den Strafbefehl mit der Busse akzeptiert, wärs bei den 200 Franken geblieben. Nun kommen noch Verfahrenskosten von 2150 Franken dazu.