Reinach

Braune Wyna: Baufirma leitet verunreinigtes Wasser in den Bach

Die Wyna ist unterhalb der ARA in Reinach teilweise braun gefärbt.

Die Wyna ist unterhalb der ARA in Reinach teilweise braun gefärbt.

Unterhalb der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Reinach ist die Wyna teilweise braun gefärbt. Verantwortlich dafür ist Baustellenabwasser, das in den Bach geleitet wurde. Die Kantonspolizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Frühlingserwachen an der Wyna, die ersten Büsche stehen im Blust, die Vögel singen um die Wette. Doch das harmonische Bild trügt. Etwas stimmt hier nicht. Unterhalb der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Reinach ist der Bach braun gefärbt, zumindest teilweise. Wo die Brühe herkommt, ist einfach zu eruieren. Aus einer Baustellengrube bei der ARA führen zwei dicke Schläuche über die Böschung hinab, aus ihnen sprudelt lehmigbraunes Wasser. Ist das zulässig?

«Auf keinen Fall», sagt Werner Hofer, Leiter Schadensdienst bei der Abteilung für Umwelt des Kantons Aargau. Es gebe klare Richtlinien, was in ein Gewässer eingeleitet werden dürfe und was nicht. Wenn man bei einem Gewässer durch eine Einleitung eine solch massive visuelle Veränderung feststelle, handle es sich in jedem Fall um eine Gewässerverschmutzung – ungeachtet der Auswirkungen, die das verschmutzte Wasser tatsächlich auf den Bach hat.

Wasserproben werden untersucht

Welchen Schaden die braune Sauce angerichtet hat, werden Untersuchungen zeigen. Denn das Vorkommnis vom Dienstagnachmittag an der Wyna hat die Kantonspolizei auf den Plan gerufen. Der Tatbestand wurde erfasst, Wasserproben entnommen, die Verantwortlichen ermittelt. Das bestätigt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau auf Anfrage der AZ. Mehr will er zu den laufenden Untersuchungen nicht sagen. Bei der ausführenden Baufirma war bis Redaktionsschluss niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Aus zwei dicken Schläuchen wurde am Dienstagnachmittag von der Baustelle bei der ARA Reinach verunreinigtes Wasser in die Wyna eingeleitet.

Aus zwei dicken Schläuchen wurde am Dienstagnachmittag von der Baustelle bei der ARA Reinach verunreinigtes Wasser in die Wyna eingeleitet.

Die Wasserproben werden nun im Labor der Abteilung für Umwelt untersucht und ausgewertet. Der entsprechende Bericht geht zurück an die Polizei und dann zusammen mit den Informationen aus den Einvernahmen und der Tatbestandsaufnahme zur juristischen Prüfung an die Staatsanwaltschaft – das ordentliche Vorgehen in solchen Fällen.

Rund einmal im Monat hat es der Schadensdienst der Abteilung für Umwelt mit einem solchen oder ähnlichen Vorkommnis wie hier in Reinach zu tun. Meist sind es Privatpersonen, Spaziergänger oder Fischer, die eine Beobachtung melden. «Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, damit solche Delikte aufgedeckt werden können», so Hofer. «Auch wenn man als Laie unsicher ist, ob wirklich ein Vergehen vorliegt, sollte man solche Beobachtungen der Polizei melden.» Der Pikettdienst der Abteilung für Umwelt werde in der Folge eingeschaltet.

Was aber ist das Problem, wenn verschmutztes Abwasser in ein Gewässer gelangt? «Bei einem kleineren Bach können sich die Feststoffe auf dem Gewässergrund absetzen und die Sohle abdichten – mit tödlichen Folgen für Kleinlebewesen oder Fische», erklärt Hofer. Wenn sich im Abwasser zusätzlich alkalischen Rückstände – beispielsweise vom Betonieren – befänden, könne dies den pH-Wert des Gewässers negativ beeinflussen – ebenfalls mit tödlichem Ausgang für Fische oder den Fischlaich.

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