Bottenwil
Brunnenmeister schaut, dass nicht alle gleichzeitig ihr Bassin füllen

Wenn die Becken der Badi gefüllt werden, muss Hans-Peter Rüfenacht als Brunnenmeister von Bottenwil den Wasserbezug koordinieren. Er muss verhindern, dass die Wasserversorgung im Dorf nicht zusammenbricht.

Christine Fürst
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Hans-Peter Rüfenacht überprüft den Wasserstandsschreiber.

Hans-Peter Rüfenacht überprüft den Wasserstandsschreiber.

Christine Fürst

Das Wasser schiesst in den Brunnen an der Grenze zum Kanton Luzern. Es fliesst ununterbrochen, hat seinen eigenen Trott und lässt sich nicht beirren. Auf einer zerbeulten, rostigen Tafel neben dem Brunnen steht: «Waschen von Autos verboten.» Was früher noch öfter getan wurde, geschehe heute nicht mehr oft. Darüber ist Hans-Peter Rüfenacht froh, denn das Wasser ist guter Qualität.

Es gibt kein Wasserhütefest

Am Sonntag, 12. Mai, wird die Badi in Bottenwil wieder öffnen. Doch das traditionelle Wasserhütefest vor der Eröffnung fällt ins Wasser. Grund dafür ist das schlechte Wetter in den letzten Jahren und die folglich sinkenden Besucherzahlen. Das Wasserhütefest ist entstanden, weil das Wasser einst aus unerklärlichen Gründen nach dem Auffüllen wieder abgelaufen war. Deshalb wurde das Wasser jeweils bis zur Eröffnung gehütet. Der Vorstand des Badivereins will den Traditionsanlass ans Saisonende verschieben und nennt ihn nun Wasserablass. (cfü)

Rüfenacht ist seit 12 Jahren der Bottenwiler Brunnenmeister. Es ist seine Aufgabe, die Wasserversorgung von Bottenwil regelmässig zu kontrollieren. Zudem wird die Wasserqualität dreimal im Jahr überprüft, einmal findet eine Inspektion statt.

Mit dem Frühling und den warmen Temperaturen beginnt für Hans-Peter Rüfenacht auch die Koordination des Wasserbezugs. «Nur mit einem geregelten Verbrauch kann der Kollaps der Wasserversorgung verhindert werden», stand Anfang Frühling im Bottenwiler Bulletin.

Doch was hat dies zu bedeuten? «Wir haben in Bottenwil nur Quellwasser, dieses fliesst mit rund 300 Litern pro Minute», sagt Rüfenacht. Weil die Bottenwiler Badi jedoch am Sonntag öffnen wird (siehe Box), wurden über zehn bis vierzehn Tage rund 80 Liter pro Minute für das Füllen der Becken abgezweigt.

Diese Tatsache sei eigentlich noch kein Problem. Würden aber alle Besitzer von Schwimmbassins in dieser Zeit auch ihre Pools füllen, würde die Wasserversorgung von Bottenwil prekär werden.

«Wenn das Wetter am vergangenen Wochenende sehr schön gewesen wäre, wäre es zum Problem geworden», sagt der Brunnenmeister. In Bottenwil gäbe es über 15 Schwimmbassins, die meisten davon fix eingebaut.

Doch immer mehr kommen die schnell aufstellbaren Gummibassins dazu, für deren Füllen es ebenfalls viele Liter Wasser braucht. Deshalb ist Rüfenacht darauf angewiesen, dass die Pool-Besitzer melden, wann sie ihren Pool aufzufüllen gedenken. In rund der Hälfte der Fälle klappe die Koordination.

Bis jetzt sei es noch nie zu einem Kollaps der Wasserversorgung gekommen. «Einmal haben wir ein Leck in einer Leitung in einem leerstehenden Haus sehr spät entdeckt», sagt Rüfenacht, doch auch damals stiess die Versorgung nicht an ihre Grenzen.

Und Löschwasserreserven hat die Gemeinde immer, denn diese können nicht ohne Bewilligung angezapft werden. Sie müssen entweder vom Brunnenmeister oder von der Feuerwehr ausgelöst werden. «Aber in den Reservoirs ist zum Löschen immer viel mehr Wasser als die geforderten Reserven vorhanden», sagt Rüfenacht.

In diesen Tagen geht Rüfenacht deshalb fast jeden Morgen ins Gemeindehaus. Dort überprüft er im Keller den Wasserstandsschreiber. Denn dieser zeichnet auf, in welchem Reservoir wie viel Wasser ist und wohin Wasser gepumpt werden muss. So ist für Rüfenacht schnell ersichtlich, wenn plötzlich viel mehr Wasser als normal gebraucht wird. Und eines zeigt der Schreiber: Wasser ist momentan genug da.

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