Schöftland

Buchhandlung schliesst ihre Kunden ein

Inge Marchese und Martina Bissegger ergötzen sich an Kinderbüchern.

Inge Marchese und Martina Bissegger ergötzen sich an Kinderbüchern.

Eingeschlossen und doch befreit: Die Buchhandlung «Aleph & Tau» schliesst ihre Kunden abends für drei Stunden ein. Mitarbeiter von Gastrosocial schmökern in Büchern und leeren eine angefangene Weinflasche.

Drei Stunden eingeschlossen werden, das freiwillig – und erst noch 35 Franken dafür bezahlen? Es kommt auf den Ort an. In einer Buchhandlung kann das höchst entspannend und anregend sein, wie ein Abend in der Buchhandlung «Aleph & Tau» in Schöftland gezeigt hat.

«Wir sind bereits zum zweiten Mal da», sagt Hanspeter Büchler. Er ist mit einer Gruppe von vier Frauen von Gastrosocial in Aarau hier, der Pensionskasse der Beschäftigten in der Gastronomie. Die innerbetriebliche Gesundheitsförderung hat sich «Gesundzeit» zum Motto gemacht. Und da gehe es nicht nur um Sport, sondern auch ums Soziale und darum, sich Zeit für sich zu nehmen, sagt Büchler.

Mehr als eine Buchhandlung

«Man fragt sich, warum Helene Fischer schon eine Biografie schreiben muss», schüttelt Büchler den Kopf. Er hat sich ins Buch «Lassen Sie ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt» vertieft und dann bei den Biografien geschmökert. Nach einem ersten kurzen Rundgang setzt man sich zum Apéro ins Untergeschoss, ins Vincafé. Da steht Süsses und Salziges bereit. Und natürlich Flüssiges. Eine angebrochene Flasche Rotwein darf geleert werden.

Herunterfahren vom Alltag. Man redet über den Bestatter, diskutiert übers Lesen auf elektronischen Geräten. «Ein Buch ist Buch», sagt Martina Bissegger. «Wenn ich ein Buch aussuchen würde, würdest du es mir vorlesen?», fragt Inge Marchese Hanspeter. «Fifty shades of…», sagt der, und das Gelächter ist gross. Das Gästebuch, eins vor dem WC, eins auf der Theke, ist voll des Lobes für das Angebot: «Wie ein emotionelles Schlaraffenland», ist da zu lesen, oder «Für Bücherwürmer ein gefundenes Fressen».

Kann man nicht auch tagsüber in Buchhandlungen schmökern? «Hier fragt niemand: Kann ich helfen?», sagt Inge. Sie ist zum dritten Mal hier, während Caterina La Rocca aus Neugier zum ersten Mal dabei ist. Da ist nicht nur Gelegenheit, Neues zu entdecken; die Besucherinnen geben einander Tipps.

Man redet über Lieblingsautoren, Sparks oder Mankell, und entdeckt den neuen Krimi von Ina Haller: «Der Metzger von Aarau». «Gibts auch einen Krimi aus dem Ruedertal?», fragt Martina. Sie hat alle Allmen-Bücher von Martin Suter gelesen, nicht zu dick, eines auf einer langen Busfahrt. Der neue Suter soll auch gut sein. Und dann vertieft sie sich in einen Campingführer.

Immer donnerstags und freitags

Hanspeter schmökert intensiv in Kochbüchern, während die Frauen sich an Kinderbüchern ergötzen. Die Bilder von «Mama Muh geht schwimmen» lösen Heiterkeit aus. Wann er sie bekoche, wollen die Frauen später von Hanspeter wissen. Der winkt ab, er brauche zuerst eine neue Küche. Maria Patané macht noch ein Erinnerungsfoto, und die drei Stunden sind um.

Hanspeter geht mit drei Kochbüchern und dem Buch «Lassen Sie ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt», einer Gebrauchsanweisung für den Kopf, nach Hause. Einige der Frauen schlagen ebenfalls zu, als um zehn Uhr Elisabeth Müller zurückkommt. Es hat sich auch für die Buchhandlung gelohnt. Jeden Donnerstag und Freitag kann man sich – mindestens zwei Personen – einschliessen lassen und geniessen. Seit gut fünf Jahren. Viele kämen wieder, sagt die Buchhändlerin.

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