Muhen

Dank den Kühen und Affen: Kinder kommen gerne in die Praxis – trotz Spritze

Sylwia Kubiak hat Anfang September in Muhen eine Kinderarztpraxis eröffnet.

Sylwia Kubiak hat Anfang September in Muhen eine Kinderarztpraxis eröffnet.

Mit der neuen Kinderarztpraxis will Sylwia Kubiak eine grosse Angebotslücke im Suhrental stopfen. Die Ärztin arbeitet schon lange mit Kinder – Ferien sind nicht so ihr Ding.

In Muhen gibts jetzt auch einen afrikanischen Dschungel. Nilpferde, Löwen, Elefanten, Affen – im Suhrental. Nein, natürlich nicht lebendig, sondern an den Wänden der neuen Kinderarztpraxis in Muhen.

Inhaberin Sylwia Kubiak hat neben dem Dschungelzimmer auch ein Bauernhofzimmer und eines für Jugendliche eingerichtet. Letzteres ist ruhiger, ein Wolkenbild hängt an der Wand. «Mir war wichtig, dass sich die Kinder und Jugendlichen hier wohlfühlen, trotz des Arztbesuches», sagt sie.

Dass Sylwia Kubiak im Suhrental eine Nische bedient, ist ihr bewusst. Kinderarzt gab es bisher keinen im Tal, auch Hausärzte gibt es nur eine Handvoll, in manchen Gemeinden gibt es überhaupt keinen Hausarzt. «Wir Kinderärzte sind Mangelware», sagt sie, «Arbeit ist für alle da, es gibt keinen Konkurrenzdruck.»

Am 1. September hat sie die Praxis in Muhen eröffnet und schon jetzt viele Patienten. Täglich nimmt sie neue, kleine Patienten auf. Sie kann sich auch vorstellen, später einen zweiten Kinderarzt oder eine Kinderärztin in ihren Räumen aufzunehmen. Platz hat sie in ihrer neuen Praxis in Muhen nämlich genug. Die Praxis befindet sich in den ehemaligen Räumlichkeiten der «Flückiger Zahnärzte», die an die Hauptstrasse 87 gezügelt sind.

Seit elf Jahren arbeitet die gebürtige Polin als Kinderärztin, seit drei Jahren ist sie in der Schweiz, war angestellt in Oberentfelden. Mit ihrer eigenen Praxis konnte sie sich einen Traum erfüllen. «Hier kann ich selbst bestimmen, wie lange ich für die Patienten da sein will», sagt sie.

Sie begleitet die Kinder über Jahre

Sylwia Kubiak spricht hochdeutsch, am Schweizerdeutsch arbeitet sie noch. Einige Ausdrücke wie «es Törmli boue» oder «Guetzli» kann sie aber schon in einwandfreiem Schweizerdeutsch sagen. Dass sie liebt, was sie tut – sie spricht von einer Berufung – merkt man spätestens dann, wenn sie von «meinen Kindern» spricht.

So nennt sie ihre kleinen Patienten, eigene Kinder haben sie und ihr Mann, Christoph Kubiak, keine. Die kleinen Patienten sind ihr das Wichtigste: «Es ist wunderschön, wenn man sie über Jahre hinweg begleiten und sehen kann, wie sie erwachsen werden.»

Seit sie fünfzehn Jahre alt ist, will Sylwia Kubiak Kinderärztin werden. Warum weiss sie nicht genau. Vielleicht, weil sie oft zu ihren zwei jüngeren Brüdern geschaut hat. Vielleicht, weil sie selbst als Kind oft beim Arzt war, anfällig auf Krankheiten. Ihren Berufswunsch hat sie seitdem nie aus den Augen verloren – auch wenn der Beruf viele, oft auch tragische Seiten mit sich bringt.

Sylwia Kubiak spricht von ihrer Zeit auf der Kinder-Onkologie, wird erst nachdenklich, erzählt dann. «Man lernt, mit den schweren Schicksalsschlägen von Krebs-Patienten umzugehen, versucht, die Kinder zu begleiten und ihnen den Umgang mit ihrer Krankheit so erträglich wie möglich zu machen.»

Am Ziel angekommen

In Muhen ist sie nun am Ziel angekommen. Hier möchte sie bleiben. Im Nachbardorf Hirschthal hat sie sich zusammen mit ihrem Mann eine Wohnung gekauft. Pendeln mag sie nicht so. «Das liegt vor allem daran, dass ich mich nicht gerne verspäte. Ich bin pflichtbewusst», sagt sie.

Auch lange Ferien sind nicht so ihr Ding. Mehr als zehn Tage am Stück war sie noch nie weg, denn das, was sie zu Hause tut, macht sie zu gerne. «Es ist schön, wenn die Kinder gerne in meine Praxis kommen, obwohl ich ihnen eine Spritze verpasse», sagt sie. In Erinnerung bleibt ihr ein kleiner Junge, der noch kaum sprechen konnte, aber «Kubiak» bereits einwandfrei über die Lippen brachte. Noch heute kommt Sylwia Kubiak ins Schwärmen, wenn sie von diesem kleinen Jungen erzählt.

Damit sie trotzdem mal ganz abschalten, wieder zu sich selbst finden kann, unternimmt sie mit ihrem Mann Wanderungen in den Schweizer Bergen und geniesst die Landschaft im Suhrental. Oder sie liest an kühlen Abenden gerne ein Buch – am liebsten Thriller, in denen Blut fliesst.

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