Wer Tipps für Ausflüge im Aargau geben will, muss den Kanton kennen. Das weiss Aargau Tourismus, weshalb die Organisation ihre Front-Desk-Mitarbeiter jährlich auf eine Weiterbildung ausser Haus einlädt. «Tourismus aktiv erleben» nennt sich das, und jedes Jahr ist eine andere Region an der Reihe. Dieses Mal ging es in den Süden, ins oftmals unterschätzte Wynental. Die AZ war mit dabei.

Es war gleichzeitig das Debüt des Regionalbüros Aargau Süd, das erst seit 2018 Mitglied beim Dachverband ist. Präsident Martin Widmer und Geschäftsführer Herbert Huber freuten sich sichtlich, ihren Kolleginnen und Kollegen die Region zeigen zu dürfen. Viele der Angestellten der verschiedenen Tourismusbüros hatte es noch nie ins Wynental verschlagen, wie sie selber eingestanden.

Start der Reise war Leimbach. Im alten Bus der Pfadi Rymenzburg (Reinach-Menziken-Burg), einem bananenfarbenen Saurer mit Jahrgang 1949, ging es zuerst nach Menziken. Ziel war die ehemalige Chrischona-Kapelle, heute Heimat des Tabak- & Zigarren-Museums. «Welcome to Tobaccoland», begrüsste uns Monika Villiger.

Zigarren-Erbin Monika Villiger begeisterte im Tabakmuseum mit zahlreichen Anekdoten aus der Firmengeschichte.

Zigarren-Erbin Monika Villiger begeisterte im Tabakmuseum mit zahlreichen Anekdoten aus der Firmengeschichte.

Mit viel Schalk und voller Anekdoten erzählte die Schwester von alt Bundesrat Kaspar Villiger und Zigarrenfabrikant Heinrich Villiger von der reichen Geschichte des Familienbetriebs. Davon, dass das Wynental während des Bürgerkriegs Millionen von Zigaretten und Zigarren in die USA exportierte und damit zum «Stumpenland» schlechthin wurde. «Ohne den Tabak wären die Menschen hier vermutlich verhungert», unterstrich sie die Bedeutung der Industrie für die Region.

«Touristisch haben wir nicht so viel zu bieten»

Danach führte die Reise bergauf. Das Wetter war schön, Busfahrer Walter Holliger öffnete das Dach. Zweiter Halt war der Homberg, hoch über dem Hallwilersee. «Der höchste Berg im Kanton, der ausschliesslich auf Aargauer Boden steht», erklärte Herbert Huber.

Der 767 Meter hohe Homberg ist der einzige wirkliche Touristenmagnet des Wynentals. «Es stimmt, touristisch haben wir nicht so viel zu bieten wie andere Gebiete», sagte Huber. Was aber nicht weiter schlimm sei: «Zum Wandern oder Radfahren ist es wunderschön. Und es gibt sehr viele Einheimische, die etwas zu erzählen haben.»

Letzteres stellte Hansruedi Merz unter Beweis. Der Jagdaufseher ist über 90 Jahre alt und hat sein ganzes Leben in Leimbach verbracht. Auf dem letzten Stopp des Ausflugs führte er durch das Strohdachhaus, in dem einst seine Grosseltern lebten.

Merz hätte noch problemlos zwei Stunden erzählen können, doch die Zeit drängte, einige mussten ihren Zug erwischen. «Ich hoffe, dass es den einen oder anderen mal wieder hierher verschlägt», sagte Huber zum Schluss. Schliesslich wissen die Touristiker jetzt: Im Aargauer Süden gibt es eben doch mehr als nur Kaimane und den Hallwilersee.