Reinach

Das Warschauer Ghetto im Schneggli: 80-Jähriger fertigte Bilder gegen das Vergessen an

Werner Schwab hat Siebdrucke von Fotos des Ersten und Zweiten Weltkriegs angefertigt.

Werner Schwab hat Siebdrucke von Fotos des Ersten und Zweiten Weltkriegs angefertigt.

In der neuen Ausstellung des Reinacher Museums Schneggli dreht sich alles um die Werke des 80-jährigen Reinacher Werner Schwab. Über zehn Jahre lang fertigte er Bilder gegen das Vergessen an. Die Schrecken des Krieges werden dadurch eindrücklich präsent.

Der Bube mit der Schirmmütze hält die Hände in die Höhe. Hinter ihm steht ein SS-Mann mit Maschinenpistole. Das Bild des Kindes, aufgenommen bei der Räumung des Warschauer Ghettos ist weltberühmt. Wer die neue Ausstellung des Reinacher Museums Schneggli besucht, wird es sofort wiedererkennen. «Um das Bild reproduzieren zu dürfen, habe ich eine Spezialgenehmigung von Keystone erhalten», sagt Künstler Werner Schwab, der alle 57 Bilder, die im Schneggli über zwei Stockwerke ausgestellt sind, von einer Foto-Vorlage als Siebdrucke reproduziert hat.

«Den Krieg als das darstellen, was er ist»

Der 80-jährige gebürtige Berner, der 1973 nach Reinach kam, wollte mit seinen Drucken «den Krieg als das darstellen, was er ist», wie er anlässlich der Vernissage sagte. Nicht berühmte Generäle, nicht Politiker spielen auf seinen Bildern die Hauptrolle, sondern Zivilistinnen und einfache Soldaten. Auch besteht die Mehrheit der Vorlagen nicht aus weltbekannten Fotos wie jenes des Warschauer Buben. Die wichtigste Bilderquelle ist jenes Buch, das er von seinem Vater bekam und dieser wiederum vom Grossvater. Der Arzt Paul Niehans dokumentiert darin seine «15 Monate im Kampfgebiet der Dolomiten».

Töpfer Schwab arbeitete bei der Lebenshilfe

Das Buch sei weitergegeben worden, damit die Schrecken eines Krieges nicht vergessen gehen. «Dem Betrachter soll aufgezeigt werden, dass Krieg nie eine Lösung ist», sagte Bruno Rudolf, Vizeammann und Schützenkollege von Schwab, in seiner Eröffnungsrede über das Ziel des Künstlers.

Schwab, der ursprünglich eine Töpferlehre absolviert hatte und später in Reinach in der Stiftung Lebenshilfe tätig war, machte sich den Siebdruck als Hobby und baute sich nach seiner Pensionierung in Fahrwangen eine Werkstatt auf. Die ausgestellten Drucke repräsentieren die Arbeit von zehn Jahren. Mit Hilfe einer (kastengrossen) Repro-Kamera fertigte er Bilder wie das der russischen Frau vor ihrem brennenden Haus, des Gesichts des toten Soldaten oder der französischen Mutter mit ihrem Kind vor dem zerbombten Haus im Stufendruck-Verfahren an.

«Mit jeder Stufe wurden die Umrisse klarer, die Sujets besser erkennbar, bis ich schliesslich das Endprodukt hatte», so Schwab. Besonders bei Nahaufnahmen leidender oder toter Menschen seien diese Schritte vom Verschwommenen zum Klaren ans Gemüt gegangen. «Jetzt riss di zäme», habe er sich dann gesagt, denn diese Bilder seien ein wichtiges Zeugnis für die Nachwelt.

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