«Es gibt ihn doch noch, den Osterhasen», schreibt die Reitnauerin Susi Frey in einem Leserbrief an die az und gibt ihrer Freude über eine gelungene Überraschung Ausdruck: «Es muss ihn ja geben – denn wer sonst würde mir auf den Ostermorgen einen feinen Butterzopf samt Schoggi-Eili in den Briefkasten legen?»

Die Ostertage sind vorbei. Die schöne nachbarschaftliche Geste wirkt nach. Was in Reitnau offensichtlich auch ohne äusseren Impuls noch möglich ist, soll andernorts mit einem regionalen Aktionstag wieder angestossen werden: der Nachbarschaftsgedanke.

1999 in Paris ins Leben gerufen kam die Idee eines Nachbarschaftstages um die Jahrtausendwende auch in die Schweiz. Zu Beginn machten vor allem die grösseren Städte mit. Als erste Region im Kanton Aargau ist heuer auch das Wynental dabei. Die Verbandsgemeinden von aargauSüd, das sind Birrwil, Burg, Gontenschwil, Leimbach, Menziken, Oberkulm, Reinach, Teufenthal, Unterkulm und Zetzwil, haben sich zum Ziel gesetzt, das soziale Zusammenleben und damit auch das nachbarschaftliche Miteinander zu fördern. Gemeinsam rufen sie deshalb am 19. Mai den «Tag der Nachbarn» aus.

«Jeder kann etwas beitragen»

«Die Idee eines Nachbarschaftstages passt gut zu den Zielen, die sich die Region im Rahmen von ‹Impuls – Zusammenleben aargauSüd› gesetzt hat», sagt Natalie Ammann, im Projekt als Leiterin mit Schwerpunkt Integration und Freiwilligenarbeit tätig. Deshalb habe man sich gerne beteiligt, als «benevol», die nationale Dachorganisation für Freiwilligenarbeit, eine Pilotregion gesucht habe. Ein solcher nachbarschaftlicher Denkanstoss mache auch in ländlicheren Regionen Sinn, so Ammann weiter. «Wie in den Städten hat man auch auf dem Land immer weniger Anlass, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen.»

Hier setzt die Idee des Nachbarschaftstags an – unkompliziert und niederschwellig. «Jeder kann etwas beitragen, indem er etwas veranstaltet», so Ammann. Das müsse auch nicht gleich eine Grillparty sein. Ein Schwatz über den Gartenzaun, ein Blümchen im Treppenhaus, eine Einladung zu Kafi und Gipfeli. «Die Idee ist einfach, den Tag zum Anlass zu nehmen, auf die Nachbarn zuzugehen.»

Vorgefertigte Einladungskarten

Um die Hemmschwelle herabzusetzen, wurde ein Flyer gedruckt, der in alle Haushaltungen verteilt wird und in den Geschäften der Region aufliegt. Die vorgedruckte Rückseite kann gleich als Einladungskarte verwendet werden. Wer keine Idee für ein nachbarschaftliches Treffen hat, findet Anregungen sowie Infos zum Hintergrund des Aktionstages auf der Website von «Impuls – Zusammenleben aargauSüd». «Ich bin selber gespannt, wie die Aktion ankommt», sagt Martin Heiz, Gesamtprojektleiter von «Impuls – Zusammenleben aargauSüd und Reinacher Gemeindeammann. «Ich wünsche mir, dass die Leute ein Aha-Erlebnis haben und sich überlegen, wann sie denn das letzte Mal mit dem Nachbarn geredet haben.»

Um den Projekterfolg messbar zu machen und gleichzeitig Anreiz für eine Teilnahme zu schaffen, haben die Verantwortlichen einen Foto-Wettbewerb lanciert. Unter den Bildern der Nachbarschaftsfeste wird je eine Gratis-Miete in der Waldhütte der Wohngemeinde verlost. «Dort kann man dann das nächste Fest in Angriff nehmen», sagt Martin Heiz und ergänzt scherzhaft: «Der gute Wille zählt, nicht der Durchführungstag. Wir würden also auch ein Foto vom Samstag akzeptieren.»