Unterkulm

Der Alltag einer Coiffeuse – ein Profi gibt Einblick

Im Alter von 25 Jahren übernahm Micèle Hennig den Salon «Coiffure Peter».

Die 29-jährige Michèle Hennig aus Unterkulm erzählt am Donnerstagabend an der traditionellen Kulturveranstaltung «Erzähltal» von verschiedenen Aspekten ihres Berufes.

«Ich bin gleich bei Ihnen», sagt Michèle Hennig (29) und putzt emsig das Waschbecken mit einem schwarzen Lappen. Dann wischt sie die Haare von der soeben verabschiedeten Kundin weg, ehe die Geschäftsfrau mit einer Tasse «Willkommenstee» die Journalistin begrüsst: «Entschuldigen Sie und herzlich willkommen.» Hennig setzt sich in den Friseursessel nebenan.

Im Coiffeursalon «Coiffure Peter» in Unterkulm werden schon seit über 100 Jahren Haare gewaschen, geschnitten und frisiert. 2015 übernahm Michèle Hennig den Salon inklusive Mitarbeitern.

Seit über acht Jahren ist sie selbstständig. «In unserer Familie sind alle selbstständige Geschäftsleute», erklärt Hennig den frühen Schritt eines eigenen Geschäfts. Das sei für sie nichts Aussergewöhnliches.

Coiffeure machen Menschen glücklich

«Begeistert» sei sie von ihrem Beruf und ihre Kunden seien es von ihr. Deshalb wurde Michèle Hennig von der Unterkulmer Gemeinderätin Corinne Läupi fürs Erzähltal angefragt. In der Tat: Wenn die junge Frau über ihren Beruf, über die Coiffeur-Ausbildung, über Trends und ihre Kunden spricht, dann ist die Leidenschaft, mit der sie ihren Beruf ausübt, spürbar.

Deshalb hat sie sich auch sofort bereit erklärt, heute Abend in der Aula des Unterkulmer Bezirksschulhauses über sich, ihren Beruf und ihre Leidenschaft im Coiffeur-Alltag zu sprechen.

Den Beruf erlernte die verheiratete Hundebesitzerin, weil die Cousine ihres Vaters ein eigenes Coiffeurgeschäft hatte. «Und ich fand sie immer mega cool», so die Coiffeuse. Für sie war es die richtige Wahl.

Schon während ihrer Ausbildung hat Michèle Hennig an Wettkämpfen mitgemacht, und während fast fünf Jahren war sie Teil der Schweizer Coiffeuren-Nationalmannschaften.

Die Begeisterung für den Beruf, mit der Hennig als Lernende ihre Ausbildung absolviert hat, sei bei jungen Leuten heute oft nicht mehr vorhanden. «Wir suchen schon das zweite Jahr eine Lernende oder einen Lernenden», so die Geschäftsinhaberin. 50 Prozent der Lehrstellen in der Coiffeurbranche würden durchschnittlich nicht mehr besetzt werden.

Hennig erklärt es sich damit, dass der Weg über die Berufslehre ins Studium einfacher geworden ist. «Da machen viele lieber das KV.» Am Lohn alleine könne es in ihren Augen nicht liegen, der sei in den letzten Jahren erhöht worden. «Das Schönste ist es doch, wenn man Leute glücklich machen kann», sagt Hennig. In ihrem Beruf sei das bestenfalls zehn bis zwölf Mal am Tag möglich.

Keine Zeit für eine politische Karriere

Die junge Frau engagiert sich für ihren Beruf. Sie ist im Vorstand der aargauischen Sektion von «Coiffure Suisse» und im OK der Berufsschau in Wettingen. Aber auch sonst ist sie aktiv: im Gewerbeverein Kulm oder bei der IG Bahntunnel-Kulm.

«Coiffure Peter» ist direkt von der WSB-Eigentrassierung und der Sanierung der Kantonsstrasse – dem sogenannten Böhlerknoten – betroffen. Deshalb setze sie sich für einen Tunnel ein. «Ich bin enttäuscht, dass diese Möglichkeit nicht einmal geprüft wird.»

Auch den Schritt in die Politik habe sie sich schon einmal überlegt. Aber: «Dafür habe ich schlichtweg keine Zeit.» Ihr Fokus liege beim Geschäft, das sei ihr wichtig.

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Autor

Melanie Eichenberger

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