Mitten in der Coronazeit
Der Neue in der «Herberge»: Er will das Teufenthaler Hotel zum Kulturlokal machen

Behzad Afshar will das Teufenthaler Hotel und Restaurant zum Kulturlokal machen.

Flurina Dünki
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Fürs Foto ohne Maske: Behzad Afshar, der neue Wirt des Hotels Herberge.

Fürs Foto ohne Maske: Behzad Afshar, der neue Wirt des Hotels Herberge.

Flurina Dünki

Jedem, der über den Teufenthaler «Herberge»-Kreisel fuhr, stach sie ins Auge, und das über Monate: Die Blache, die besagte, dass für das Hotel Herberge ein Käufer oder Pächter gesucht wird. Seit einer Weile ist die Blache weg. Eigentümer Christian P. Humbel hat einen neue Pächter gefunden: Behzad Afshar, 54 Jahre alt, wohnhaft in Oberkulm. Zusammen mit Businesspartner Jürgen Dürr hat er die Hotel Herberge Betriebs GmbH gegründet, die Betreiberin der «Herberge».

Mitten in der Coronazeit hat der gebürtige Iraner Afshar den Schritt gewagt, sich zum Restaurantführer und Hotelier zu machen. Die «Herberge» sei einzigartig, so etwas gebe es kantonsweit kein zweites Mal, sagt er. Er spricht von den Hotelzimmern mit den besonderen Namen «Trost und Burg», «Matter & Horn» oder «Hoch & Bretz». Eigentümer Humbel, ein Architekt, hat sich mit den 20 thematisch gestalteten Zimmern selbst verwirklicht, nachdem er die Liegenschaft 2004 gekauft hatte. Da hängt im einen Zimmer der Feder-Vorhang vor der Badewanne, im nächsten der Holzschlitten an der Decke, im dritten der Teppich mit mittelalterlichen Sujets an der Wand.

Café Shop Rendezvous in Unterkulm geführt

Das Hotel war seit Herbst 2019 nicht mehr in Betrieb, seit die Gruppe Aargau Hotels als Pächterin gekündigt hatte. Die dazugehörige Pizzeria war noch bis Frühling 2020 geöffnet.

Nun wollen die beiden alles wiedereröffnen. Gastroerfahrung hat Afshar reichlich. Denn wie alle Migranten musste auch er nach seiner Ankunft in der Schweiz vor über 30 Jahren unten einsteigen. Er arbeitete in mehreren Restaurants und Hotels seiner ersten Schweiz-Station Zürich, auch während der drei Jahre Studium, in denen er das Schweizer Diplom zu seinem in der Heimat erlernten Beruf nachholte. Dort hatte er ursprünglich Elektronik-Ingenieur gelernt.

Er war danach ein paar Jahre in der Mobiltelefonbranche angestellt, bevor er seine eigene Firma «Simatron» und eine Familie gründete. Der Traum vom Häuschen mit Umschwung brachte sie 2008 nach Gontenschwil.

Dann, nach 15 Jahren Gastro-­Absenz, eröffnete er auf dem Unterkulmer Zentrumsplatz 2013 den Café Shop Rendezvous, den er zwei Jahre lang führte. «Das Gastgewerbe ist meine Leidenschaft», sagt er dazu, als er hinter dem Tresen der «Herberge» die Kaffeemaschine einrichtet. Alles wäre bereit, um das Restaurant neu zu eröffnen. Die Hotelzimmer sind herausgeputzt, die Duvets wurden gerade frisch angeliefert. Nun muss nur noch das Virus von dannen ziehen. Der Wirt hofft auf eine Lockerung der Regeln per Ende Februar. Denn er hat ein klares Konzept, was in den Esssälen, dem Kulturkeller und der Vinothek der «Herberge» geboten werden soll. «Wir wollen nicht nur eine Beiz sein, sondern der Region Kultur bieten», sagt Afshar. Im Kulturkeller soll wieder Leben einkehren, «und zwar von der Lesung bis zum Tanzabend». Das gutbürgerliche Restaurant und die Pizzeria sollen sieben Tage die Woche geöffnet haben. Im ganzen Betrieb sind 5 bis 7 Personen angestellt. Die Hotelzimmer sind bereits buchbar. Seine Berechnungen machte der Wirt auf der Basis der Zahlen von Aargau Hotels, die gut aussehen. «Und ich hoffe, dass ich diese wieder erreichen kann.»