Schöftland
Der neue Landmaschinen-Chef ist eine Frau

Die Schöftler Firma Lüscher Landtechnik AG hat einen Generationenwechsel vollzogen.

Flurina Dünki
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Jeannine Fritschi-Lüscher, 39, vor einem Haflinger mit Vater Jean-Pierre, 70.

Jeannine Fritschi-Lüscher, 39, vor einem Haflinger mit Vater Jean-Pierre, 70.

Flurina Dünki

Jeannine Fritschi-Lüscher bewegt sich wie selbstverständlich zwischen den schweren Maschinen der Werkstatt durch: Lindner- und Steyr-Traktoren, Rapid-Mähmaschinen, Stihl-Motorsägen. Seit Kindesbeinen ein gewohnter Anblick für die 39-Jährige. Schon als sie im Primarschulalter war, nahm Vater Jean-Pierre Lüscher sie ins Geschäft seiner «Lüscher Landtechnik AG» in Schöftland mit. «Manchmal durfte ich an diesen Samstagen Anrufe entgegennehmen und habe meinem Vater Telefonnotizen gemacht», sagt Fritschi.

Anfang Jahr hat Jean-Pierre Lüscher mit 70 Jahren seiner Tochter die Geschäftsführung übertragen. Nach zwei Generationen in Männerhänden geht die Führung der Lüscher Landtechnik AG nun an eine Frau über. Mit schwerem Gerät hat die neue Firmenleiterin praktisch schon ihre ganze Karriere zu tun. Berührungsängste zu Bau- und Landmaschinen hatte sie nach der Kindheit in der Werkstatt keine.

Haflinger in Blau

Als ausgebildete Kauffrau arbeitete sie zehn Jahre lang bei der Avesco in Langenthal, dem Unternehmen, das etwa die Caterpillar-Bagger vertreibt. Sie hat eine Affinität für die Branche, denn die Lüschersche Leidenschaft für spezielle Gefährte ist von Grossvater Hans und Vater Jean-Pierre auf die dritte Generation übergesprungen. Wie ihr Vater hat Jeannine Fritschi eine Vorliebe für die historischen Gebirgs-Militärfahrzeuge 4x4-Steyr-Puch Haflinger, die ab den 1960er-Jahren die gleichnamige Pferderasse als Alpentransportmittel der Armee ablösten.

Heute ist Lüscher Landtechnik schweizweit die einzige Anlaufstelle für Reparaturen des ehemaligen Militärgefährts, das sich zum Kult-Oldtimer gewandelt hat. Während ihr Vater gleich mehrere Haflinger in der Garage stehen hat, begnügt sich Jeannine Fritschi mit einem. Dessen Militär-Grün hat sie mit blauer Farbe überstrichen, die vier Sitze mit beigefarbenem Stoff bezogen. So chic kommt der blau-beige Haflinger daher, dass er bei der Oldie-Ausfahrt einem Mustang Konkurrenz machen könnte. Vater und Tochter stecken auch bereits in der Vorbereitung für das jährliche Haflinger-Treffen in Holziken, für das am 23. Juni Fans aus allen Landesteilen samt nostalgischem Fahruntersatz ins Suhrental kommen werden.

Schmuck-Rasenmäher-Abend

Eigentlich hatte Jeannine Fritschi noch nicht vor, ins Familienunternehmen einzusteigen, als sie 2016 die Buchhaltung der Firma übernahm. Der Vater wollte kürzertreten. «Aber es kam ganz anders», sagt sie, und schaut vom Bürofenster im ersten Stock runter auf den Ausstellungsraum, wo Motorsägen, Rasenmäher und Laubbläser für Kunden bereitstehen. Sie übernahm immer mehr Aufgaben und stieg im Frühling 2017 ganz ins Geschäft ein.

Jeannine Fritschi-Lüscher hat im Januar 2019 das Geschäft Lüscher Landtechnik AG von ihrem Vater Jean-Pierre Lüscher übernommen.

Jeannine Fritschi-Lüscher hat im Januar 2019 das Geschäft Lüscher Landtechnik AG von ihrem Vater Jean-Pierre Lüscher übernommen.

Flurina Dünki

Ideen dazu, wie sie die Firma mit zehn Mitarbeitenden in die Zukunft führen will, hat Jeannine Fritschi viele. Da wäre etwa die an Schmuck-Partys angelehnte Idee, einen Schmuck- und Rasenmäher- Abend nur für Frauen zu organisieren. Die Husqvarna-Mähroboter gehören zu Lüschers gefragtesten Produkten. Neben dem Showroom ist gar einzig für die Mähroboter eine Reparaturwerkstatt eingerichtet.

Von selbst läuft nichts, sagt Jeannine Fritschi. Nur mit Qualität, und diese reiche von der Beratung über das passende Produkt bis zur korrekten Wartung, könne man sich gegenüber Billig-Anbietern im Markt behaupten. In Zukunft, so hofft die neue Chefin, würden sich die Kunden durch die Klimadebatte vom kurzlebigen Produkt abwenden, das nicht zuletzt deshalb auf dem Müll lande, weil schon nach wenigen Jahren keine Ersatzteile mehr produziert würden.

*Haflinger-Fahrzeug

Es ist nach dem gleichnamigen Pferd benannt, weil es als Gebirgsfahrzeug der Armee die Haflinger-Armeepferde ablöste. Es wurde von 1959 bis 1974 in Österreich produziert. Heute ist der Haflinger ein Liebhaberobjekt. Jean-Pierre Lüscher konnte einst das Ersatzteillager erwerben. Seine Reparaturwerkstatt für Haflinger ist die einzige in der Schweiz. Auch die neue Geschäftsführerin Jeannine Fritschi-Lüscher ist Fan der Haflinger. Ihr Fahrzeug hat sie blau angestrichen und die Sitze beige überzogen.

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