Schöftland
Der Pfarrer Beat Müller ist nah am Puls der Jugend

Ab März hat die evangelische Kirchgemeinde mit dem 31-jährigen Beat Müller einen neuen Pfarrer in der Gemeinde. Neben Predigten und Seelsorge ist der Schwerpunkt von Pfarrer Müllers Arbeit aber die Betreuung von Jugendlichen und Familien.

Henrik Furrer
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«Ich glaube, dass jeder Mensch aufseine eigene Art und Weise spirituell ist», sagt Pfarrer Beat Müller. hfu

«Ich glaube, dass jeder Mensch aufseine eigene Art und Weise spirituell ist», sagt Pfarrer Beat Müller. hfu

Henrik Furrer

Nebelschwaden umhüllen den Kirchturm des reformierten Gotteshauses in Schöftland. Die Spitze ist kaum zu sehen. Eine friedvolle Ruhe liegt über dem Kirchengelände. Keine Menschenseele ist zu sehen. Die frühmorgendliche Stille wird jäh unterbrochen von acht Glockenschlägen. Lange noch hallen sie in den Ohren nach, bis erneut Ruhe einkehrt. Unmittelbar neben der Kirche liegt das Pfarrhaus – das neue Zuhause vom frisch ordinierten Pfarrer Beat Müller. Eben erst ist er mit seiner Frau eingezogen. «Es ist alles noch etwas unaufgeräumt», meint Müller schmunzelnd.

Nach seinem Theologie-Studium und dem obligatorischen einjährigen Vikariat, einer Art Praktikum in einer Kirche, tritt Beat Müller am 1. März sein Amt als neuer Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Schöftland an. Neben Schöftland zählen auch Bottenwil, Hirschthal, Holziken und Staffelbach zur Kirchgemeinde.

Glaube als Jugendlicher entdeckt

Was bewegt einen jungen Mann heutzutage, sich für den Pfarrerberuf zu entscheiden? «Ich habe meine persönliche spirituelle Ader als Jugendlicher entdeckt», sagt Müller. «Damals habe ich begonnen, mir Gedanken über Gott und den Sinn des Lebens zu machen.» Dass ich aber tatsächlich einmal Pfarrer werden würde, hätte ich damals ehrlich gesagt nicht gedacht.» In seinem letzten Jahr an der Neuen Kantonsschule Aarau, als er das Ergänzungsfach Religion besuchte, sei dann seine Entscheidung für das Studium der Theologie gereift. «Ich fand es faszinierend, den Glauben sowohl von der spirituellen als auch von der wissenschaftlichen Seite zu betrachten.»

Aufgewachsen ist Beat Müller in Boniswil im Seetal – in einem durchschnittlichen Schweizer Haushalt, wie er sagt. Mit seinem Vater, einem ausgebildeten Sekundarlehrer, diskutiert Müller gerne und ausführlich über Fragen des Glaubens. «Die Diskussionen mit ihm sind eine Herausforderung und Bereicherung für mich.» Beat Müller persönlich lebe seine Spiritualität in der Religion und dem Glauben an Gott aus. Ihm ist aber auch bewusst, dass es nicht jedem so geht. Natürlich sei nicht jeder Mensch religiös, sagt Müller. «Ich glaube aber, dass jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise spirituell ist. In jedem Menschen schlummert irgendwo die Sehnsucht nach einem Kontakt zum Übernatürlichen oder einem Schöpfer.»

Auffällig oft schleichen sich englische Wörter in Pfarrer Müllers Erzählungen ein. Als er sich einmal selbst dabei ertappt, fragt er: «Wie sagt man das schon wieder auf deutsch? Ach ja, Vorstellungsgespräch.» Dann lacht er und meint: «Das kommt davon, wenn man viereinhalb Monate lang nur Englisch spricht.» Erst vor ein paar Tagen ist er von einer Weltreise mit seiner Frau zurückgekehrt. Das frisch verheiratete Paar hat die USA, Australien und Neuseeland bereist. «Eine grossartige Erfahrung», sagt Müller.

Schwerpunkt Jugendarbeit

Neben Predigten und Seelsorge ist der Schwerpunkt von Pfarrer Müllers Arbeit in der reformierten Kirchgemeinde die Betreuung von Jugendlichen und Familien. Dies war einer der Hauptgründe für seine Bewerbung in Schöftland. «Ich arbeite sehr gerne mit jungen Leuten zusammen. Ich mag ihre gradlinige und unverfrorene Art.» Die heutige Jugend mit dem Thema Religion zu konfrontieren sei eine grosse Herausforderung, der er sich gerne stelle. «Wenn man die Anliegen der Jugendlichen ernst nimmt und ihnen auf der gleichen Ebene begegnet, dann sind sie auch offen», meint Müller. «Ich denke, dass ich mich gut in Jugendlichen hineinversetzen kann.» Natürlich sei auch eine jugendgerechte Sprache entscheidend. «Ich kann in Unterhaltungen mit Jugendlichen nicht die gleiche Ausdrucksweise wählen, wie bei einer Predigt vor der Kirchgemeinde», sagt Müller. Selbstverständlich freue er sich nicht nur auf die Jugendarbeit, sondern auch auf seine Predigten und die diversen sozialen Tätigkeiten in der Kirchgemeinde. «Ich bin einfach gerne unter Menschen, egal, ob jung oder alt. Und ich rede auch sehr gerne, wie man merkt», fügt er schmunzelnd an.

In seiner Freizeit zieht es Pfarrer Müller meist in die Natur. Als Jugendlicher habe man ihn im Seetal oft beim Angeln und Kanufahren auf dem Hallwilersee angetroffen. Beim Wandern mit seiner Familie hat er ausserdem schon früh die Schweizer Bergwelt entdecken dürfen. Seine Passion für die Berge begleitet ihn bis heute, sei es bei Skitouren oder beim Klettern. In den Bergen könne er so richtig abschalten und die Seele baumeln lassen, meint Müller. «Manchmal kommen mir da auch tolle Inspirationen angesichts der wunderschönen Schöpfung Gottes.»