Hirschthal

Die Dorf-Verschönerung beginnt: Vom Hochstudhaus zum Mehrfamilienhaus

Neben der Holzikerstrasse ist heute noch eine Wiese. Bald könnte hier eine Siedlung mit 32 Wohnungen stehen.

Neben der Holzikerstrasse ist heute noch eine Wiese. Bald könnte hier eine Siedlung mit 32 Wohnungen stehen.

In Hirschthal wird das Hochstudhaus im Rahmen einer Überbauung rückgebaut. Das Zentrum wird somit aufgewertet.

Zwar ist das Hirschthaler Hochstudhaus gemäss Experten ein «baugeschichtlich interessantes Kulturobjekt», das einen «auffällig ortsbaulichen Akzent» setzt. So die Bauanalyse, die ein Holzbauarchitekt verfasst hat. Doch schon seit geraumer Zeit ist das Hauptmerkmal des 216-jährigen Gebäudes das verlotterte Äussere – Zeichen seines langsamen Dahinsiechens.

Jetzt sind seine Tage definitiv gezählt. An seine Stelle soll eines von vier Mehrfamilienhäusern kommen. Die restlichen drei kommen daneben zu stehen, auf die Wiese entlang der Holzikerstrasse. Das zeigt das Baugesuch, das aufliegt. Hirschthal hat vor kurzem das Einwendungsverfahren seiner Bau- und Nutzungsordnung gestartet, die Überbauung basiert daher noch auf der alten BNO. Jedoch finden die baulichen Auflagen des Testplanprojekts «Collier» hinsichtlich Zentrumscharakter an das Ersatzgebäude des Hochstudhauses bereits Anwendung.

In den Hochstudhaus- Ersatzbau kommt Gewerbe

Für 15,6 Millionen Franken möchte der Grundeigentümer Alfred Dietiker insgesamt 32 Wohnungen, drei Gewerberäume und eine Tiefgarage mit 60 Abstellplätzen erstellen. Die Gebäude sind dreistöckig plus Dachgeschoss. Eine grosse Gewerbefläche ist im Gebäude neben der Lindengasse gegenüber Pfiffner Messwandler vorgesehen, die anderen beiden im Ersatzbau des Hochstudhauses. 14 der Wohnungen haben 4,5 Zimmer, neun haben 3,5 Zimmer und weitere neun 2,5 Zimmer. Quer durch die Siedlung (Ost-West) verläuft ein Weg, der die Häuser miteinander verbindet. Um das Haus, das neben dem Lindenplatz zu stehen kommt, wird Platz freigelassen, auf dem eine lange Betonsitzbank, ein Brunnen, Bäume und Stauden hinkommen. Zum Lindenplatz hin öffnet sich der Platz als – praktische und ästhetische – Verbindung zum Dorfzentrum.

Das Gebäude, das an den Platz des Hochstudhauses kommt, muss besondere Auflagen erfüllen. Es liegt an der zentralen Kreuzung von Holziker- und Hauptstrasse, dem «Eingangstor» zum Dorfzentrum von Hirschthal. Zwar werden die Gebäude abgerissen, die die Kreuzung einst prägten – auch das ehemalige Restaurant Frohsinn kommt weg – weil sie heute verlottert sind. Das Testplanungsprojekt «Collier» sieht in Zentrumsnähe aber Ersatzbauten vor, die der Ästhetik eines Dorfzentrums entsprechen.

Der Ausbau der Bahn verdrängt das Lotterhaus

In den Baugesuchsunterlagen wird denn auch von einem «adäquaten und passenden» Ersatzbau gesprochen, der neben dem WSB-Gleis geplant ist. Es wird grau-weiss verputzt, während die anderen drei Gebäude Fas­sadenpalletten in braun und grau erhalten. Die Bahn gab im Übrigen auch den Takt an, bis wann das Hochstudhaus und die Scheune nebenan rückzubauen sind. Die Haltestelle Hirschthal wird bis spätestens 2025 umgebaut, um den längeren Zügen der WSB (Aargau Verkehr) und behindertenfreundlichen Normen gerecht zu werden (AZ vom 31.12.2019). Das Hochstudhaus steht diesem Ausbau im Wege und muss weichen.

Die Frage: «Verrücken oder Abbrechen» war für den Grundstückbesitzer nach der Evaluation durch Experten beantwortet: Einen Rück- und Neuaufbau des Hochstudhauses schätzen diese auf 850000 Franken. Das Gebäude ist heute einsturzgefährdet, es weist Verwitterungs- und Feuchtigkeitsschäden sowie Wurmbefall auf.

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