Oberentfelden
«Die Handorgel gehört zu mir»: Akkordeon-Orchester geht auf Weltreise

Peter Weingartner
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«Mein Mami hat auch Handorgel gespielt», sagt Marina Dennler. Im Bild mit Björn Hächler und Ida Gyger (r).

«Mein Mami hat auch Handorgel gespielt», sagt Marina Dennler. Im Bild mit Björn Hächler und Ida Gyger (r).

wpo

«Mein Lieblingsstück ist ‹Sunny Funny›», sagt die neunjährige Marina Dennler aus Oberentfelden und ergänzt: «Mein Mami hat auch Handorgel gespielt, und mir gefällts.» Sie ist, zusammen mit ihrer gleichaltrigen Freundin Ida Gyger, die jüngste Akkordeonistin im Akkordeon-Orchester Oberentfelden-Schöftland.

Morgen Samstag sitzen die beiden erstmals auf der Bühne der Turnhalle Dorf in Oberentfelden. Dabei haben sie erst im Sommer zu spielen angefangen. Sie machen in der Nachwuchsabteilung mit. Ida: «Ich habe mich zuerst fürs Klavier interessiert, mich aber nach dem Schnuppertag der Musikschule Oberentfelden fürs Akkordeon entschieden.»

«Nach der Pubertät besteht die Chance, dass sie bleiben»

Das freut Präsidentin Brigitte Siegenthaler, denn wie die meisten Vereine hat auch ihr Verein mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen: «Wenn wir sie durch die Pubertät dabei behalten können, besteht die Chance, dass sie bleiben.» Der Verein bemüht sich um die Jungen: Minigolf, Billard spielen; Einbezug beim Konzert. So soll die Schwelle zum Übertritt zu den «Grossen» möglichst niedrig gehalten werden.

Nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit fusioniert

Der Oberentfelder Verein wurde 1933 gegründet, damals noch als Handharmonikaverein. «Seit 1970 spielen wir mit dem Schöftler Verein zusammen», sagt die Präsidentin. Die Fusion vor fünf Jahren zu einem Verein war eine logische Konsequenz aus fast 50 Jahren Zusammenarbeit. Die Vereine wurden kleiner – die Überalterung ist ein Thema. Zudem: Ein Verein statt zwei kann den Aufwand minimieren; es braucht auch nur noch einen Vorstand.

«Auch die falschen Töne kommen von Herzen»

Eine, die durchgehalten hat, ist die 27-jährige Chantal Urech. Seit bald 15 Jahren ist sie dabei und reist für die Proben aus Lenzburg an: «Das Akkordeon ist ein sehr vielfältig einsetzbares Instrument.» Alle dächten bei der Handorgel an Ländlermusik, doch das Repertoire zeigt anderes. «Wir spielen querbeet, das macht Spass», sagt sie.

Der lebende Beweis für (beinahe) lebenslangen Spass mit dem Akkordeon ist Ursula Rösch: «Die Handorgel gehört zu mir. Ich bin mit ihr aufgewachsen und nun 65 Jahre dabei.» Dass das Repertoire auch Modernes beinhaltet, findet sie positiv: «Nur so können wir die Jungen behalten.» Sie schätzt den Zusammenhalt im Verein mit Mitgliedern zwischen 17 und 78, der – ohne den Nachwuchs – 24 Personen umfasst und unter der musikalischen Leitung von Jörg Gurtner steht. Die Männer sind mit sieben in der Minderheit. Sie hätten es gut, sagt Ursula Rösch und lacht: «Auch die falschen Töne kommen von Herzen.»

«Das Publikum soll mitsummen können»

Das Konzertprogramm bringt durchwegs bekannte Melodien. «Das Publikum soll mitsummen können», sagt Brigitte Siegenthaler. Und rhythmisch mitwippen, wie Marina, wenn sie nicht im Einsatz an den Knöpfen ist. Da ist alles drin, von Marsch und Polka bis zum Rock’ n’ Roll. Vom Wildcat Blues bis zu Musical- und Filmmelodien, von Lolly Pop bis zum Schlager. Auch ein Tango fehlt nicht auf dieser musikalischen Weltreise.

«Auf Weltreise» heisst nämlich das Motto des Konzertprogramms von morgen Samstag. Es beginnt um 20 Uhr in der Turnhalle Dorf Oberentfelden. Ab 18.30 Uhr wird ein Nachtessen serviert. Vorverkauf: https://res.seatlion.com/13651.

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