Safenwil

Die hiesige Industriegeschichte wird regelrecht in Stücke gerissen

Bald gehören die Fabrikgebäude der ehemaligen Wibrusa der Vergangenheit an.

Bald gehören die Fabrikgebäude der ehemaligen Wibrusa der Vergangenheit an.

Auf dem Wibrusa-Areal laufen die Abbrucharbeiten wieder. Für die erste Etappe der Überbauung mit 150 Wohnungen sind Investoren gefunden.

Die grosse Ruine auf dem Striegel in Safenwil sticht ins Auge. Die Fabrikgebäude der 1997 stillgelegten Bettwarenfabrik Wibrusa sind ausgehöhlt, die Fensterscheiben entfernt. Im April 2016 ging es los mit den Abbrucharbeiten.

Dann folgte im Sommer ein Arbeitsstopp, weil Investoren fehlten. Seither steht der Komplex verwaist da und verlottert zusehends. Doch damit ist bald Schluss: Die Fabrikgebäude verschwinden endgültig – seit letzter Woche geht es mit dem Abbruch wieder voran. Am Werk ist die Flückiger AG. Der Rothrister Entsorgungsbetrieb macht die Gebäude dem Erdboden gleich.

«Wir haben verschiedene Investoren gesucht und gefunden. Ihre Wünsche, wie beispielsweise nach flächenmässig kleineren Wohnungen, gilt es zu berücksichtigen», erklärt Nerinvest-Projektleiter und Architekt Michael Röthlisberger die Abbruchpause von einem halben Jahr.

Weichen wird die alte Liegenschaft einer neuen Überbauung mit 150 Miet- und Eigentumswohnungen. Die im bernischen Ins domizilierte Nerinvest AG als Bauherrin errichtet für über 50 Millionen Franken (ohne Land) an der Striegel- und der Schnepfwinkelstrasse neun Mehrfamilienhäuser mit drei Wohngeschossen plus Attikageschoss.

48 Viereinhalbzimmer-, 60 Dreieinhalb-, 36 Zweieinhalb- und 6 Eineinhalbzimmerwohnungen sind geplant. Diese entstehen auf einer Bruttogeschossfläche von rund 13 800 Quadratmetern, was rund drei Fussballfeldern entspricht.

Langwierige Planung

Eigentlich sollte ein Teil der Überbauung schon bewohnt sein. Die Baubewilligung für die Überbauung ist seit März 2014 erteilt. Der Baustart hat sich von 2015 auf August 2016 verschoben –  laut Röthlisberger der aufwendigen Umplanung wegen.

Nun ist der Beginn auf März oder April fixiert. «Je nachdem, wie rasch der Unternehmer mit dem Abbruch vorankommt», sagt Röthlisberger und erklärt: «Es braucht seine Zeit, bis das letzte Stück Beton abgetragen ist.»

Asbestbelastung im Gebäude

Die Ausführungsplanung sei bei dieser Grossüberbauung anspruchsvoll und zeitintensiv. Für die Nerinvest AG als Generalunternehmerin an sich nichts Ungewöhnliches. In den letzten Jahren hat sie in verschiedenen Kantonen wie Bern, Basel-Landschaft, Freiburg, Solothurn und Waadt Projekte vor allem im Wohnungsbau realisiert.

«Vom Abbruch über die Entsorgung bis zur Wiederverwertung des Abbruchmaterials, wie beispielsweise des Betons, ist alles reglementiert», gibt Röthlisberger zu bedenken.

Dass das Wibrusa-Areal als belasteter Standort im Altlasten-Kataster vermerkt ist, weiss die Bauherrin seit Beginn. Untersuchungen zeigten neben verschiedenen Schadstoffen im Gebäude unter anderem eine Asbestbelastung auf.

«Die fachgerechte Entfernung dauerte länger als erwartet», sagt Röthlisberger. Das entsprechende Entsorgungskonzept hat der Kanton Aargau schon vor Jahren mit der Bewilligung des Baugesuchs erteilt.

Das Vorhaben stiess damals bei der öffentlichen Baugesuchsauflage im August/September 2012 aber nicht nur auf Begeisterung. Es gab Einsprachen von 25 Personen, die allesamt im Rahmen der Einspracheverhandlungen zurückgezogen wurden.

Die Bauherrschaft musste auf Verlangen des Gemeinderats Safenwil die Zufahrt sowie die Anzahl der oberirdischen Parkplätze anpassen. Aus Rücksicht auf die Anwohner wurde die Anzahl Zufahrten ab der Schnepfwinkelstrasse, von der her die neue Siedlung verkehrstechnisch erschlossen wird, reduziert.

Abstellen können die künftigen Bewohner ihre Fahrzeuge in der zweigeschossigen, unterirdischen Einstellhalle. Diese wird als Erstes in Angriff genommen. Darauf folgt der Bau von drei Gebäuden, die parallel zur Striegelstrasse stehen.

Die Ausrichtung ist durchdacht und gewollt, damit die vorderen Häuser zugunsten der dahinterliegenden Gebäude als Lärmabwehr dienen. Strassenseitig sind keine lärmempfindlichen Räume vorgesehen.

Die ersten drei Gebäude mit total 41 Eigentums- und Mietwohnungen sind voraussichtlich im Herbst 2018 bezugsbereit. Bis wann alle neun Häuser mit den gesamthaft 150 Wohnungen stehen, lässt Projektleiter Michael Röthlisberger offen.

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