Reinach AG

Die Moschee, die aus allen Nähten platzt

Am Tag der offenen Moscheen der Aargauer Muslime sprach der Imam in Reinach über Sorgen und Pläne der albanischen Gemeinschaft.

Noch bis Dienstag liegt das Baugesuch für das Kulturzentrum Tulipan des Vereins Albanische Gemeinschaft Reinach mit rund 300 Mitgliedern auf. Das neue Zentrum ist noch Zukunftsmusik. Am Samstag zeigte der Verein seine bisherigen Räumlichkeiten an der Reinacher Hauptstrasse, wo albanische Muslime zusammensitzen und religiöse Feiern wie das Freitagsgebet abhalten.

Der Tag der offenen Moschee bot zudem Gelegenheit, dem stillen Nachmittagsgebet beizuwohnen, bevor die Besucher in der Cafeteria bei feinen, selbst gemachten Desserts zuschlagen durften.

Ein Neubau mit integrativer Funktion

Wenn man den geplanten Neubau an der Mattenstrasse in Reinach vereinfachend Moschee nennt, fühlen sich die Vereinsoberen nicht ganz richtig verstanden. Kulturzentrum, so stehts auch in der Auflage. «Es umfasst drei Teile», sagt Liridon Racaj, im Verein für die Medienarbeit zuständig: «Öffentliche Kindertagesstätte, wo Deutsch gesprochen wird, öffentliches Restaurant, Mehrzweckhalle.» Dieser letzte Teil wird als Gebetsraum genutzt, kann aber auch zu anderen Zusammenkünften wie Hochzeiten, Verlobungen oder bei Todesfällen gemietet werden. Am Tag der offenen Moschee-Türen konnte man die Pläne sehen.

«Für das Freitagsgebet ist unser heutiger Gebetsraum zu klein», sagt Vereinspräsident Azir Jusufi. 250 Quadratmeter mit Cafeteria. «Wir müssen oft improvisieren; der Gang wird mitbenutzt.» Besonders an arbeitsfreien Feiertagen reiche der Platz nicht aus. Deshalb könnten Männer und Frauen das Freitagsgebet auch nicht gleichzeitig abhalten.

Gast-Imam Bekim Alimi aus Wil SG – er spricht, im Gegensatz zum vereinseigenen Imam, sehr gut Deutsch – lässt die Gäste die Schuhe ausziehen, bevor es in den Gebetsraum geht. Der Muezzin ruft über ein hallendes Mikrofon zum Gebet. Der Imam blickt in die Geschichte der islamischen Gotteshäuser zurück und zeigt die architektonischen Unterschiede auf. Je nach Region hat man sich unterschiedlich an der bestehenden Kultur orientiert.

Eine Gebetsstätte wie jene in Reinach sei etwas zwischen einfachem Gebetsraum, wie es sie an Flughäfen gibt, und grossen Moscheen mit Kuppel, Turm, Gebetsraum, Frauenstammtischraum: «Ein Versammlungsort, wo man miteinander redet, etwas trinkt, und dann die Gemeinschaftsgebete macht.» Er weist auf die Bedeutung von Maria und Jesus auch im Islam hin und erklärt die drei Hauptelemente im Gebetsraum: Gebetsnische, eine Art Kanzel, von der der Imam am Freitagsgebet Aktuelles aus der Gemeinde erörtert, und ein Rednerpult, von dem aus er seinen Vortrag hält.

Frauen und Männer beten noch getrennt

Einen Eindruck von den drei Komponenten des Gebets – geistliche Konzentration, körperliche Bewegungen, Koran-Rezitation – erhalten die Besucher beim stillen Nachmittagsgebet, einem von fünf täglichen Gebeten. Vorab die Körperarbeit beeindruckt: Fitnesstraining im Gotteshaus. Warum fehlen die Frauen? Eine Frage des Platzes am aktuellen Standort. Im neuen Mehrzwecksaal könnten beide Geschlechter im selben Raum beten: die Männer vorne, die Frauen hinten. Der Grund, so Bekim Alimi, sei in den körperlichen Bewegungen und deren Konsequenzen fürs Auge zu sehen: vom Stehen bis zum Knien, Kopf auf dem Teppich. Und bevor es ans Süsse geht, zitiert der Imam noch die Sura 49, Vers 13, ein passendes Motto auch für den Tag der offenen Moschee: «Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen lernt.»

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