Holziken

Die Schule bangt um den gemeinsamen Kindergarten mit der Schürmatt

Zwei Kinder im Kindergarten Schürmatt. Die Schiebetür trennt den heilpädogischen Kindergarten vom regulären.

Zwei Kinder im Kindergarten Schürmatt. Die Schiebetür trennt den heilpädogischen Kindergarten vom regulären.

Der Kanton Aargau gesteht Fehler in der Berechnung der Lehrerpensen ein. Die Schule solle aber «ihr Konzept überdenken».

Die Holziker Gemeindenachrichten liessen diese Woche aufhorchen: Bei der Planung für das kommende Schuljahr erhalte die Schule «rund 20 Lektionen weniger als ursprünglich mal angekündigt», die beiden kleinen Kindergartenabteilungen müssten deshalb zu einer grossen zusammengefügt werden. Damit würde die seit 15 Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der Stiftung Schürmatt erschwert oder gar verunmöglicht. Schulleiter Richard Suter sagt: «Bei dieser neuen Ressourcierung gehören wir zu den Verlieren.»

Über den ganzen Kanton werden auf das nächste Schuljahr hin die Pensen für die Anstellung der Lehrpersonen neu verteilt. Neu erhält eine Schule entsprechend ihrer Anzahl Schüler die Stellenprozente zugesprochen, wobei gemäss dem Kanton örtlich unterschiedliche sprachliche und soziale Gegebenheiten mitberücksichtigt werden und kleine Schulen wie Holziken einen Zuschlag auf die Schülerpauschalen erhalten. Richard Suter befürchtet aber dennoch, dass die aktuell 23 Holziker Kindergartenkinder nicht ausreichen, um zwei kleine Klassen zu führen, damit die 12 Kinder der heilpädagogischen Abteilung der Schürmatt in einer der beiden Klassen untergebracht werden können. Die überschaubare Grösse sei für einen gemischten Unterricht mit Kindern der Regel- und der Sonderschule zwingend nötig.

«15 Jahre Zusammenarbeit würden bachab gespült»

Beim Bau der neuen Schule vor drei Jahren habe die Gemeinde die Infrastruktur des Kindergarten eigens dafür ausgerichtet: Zwischen den beiden Kindergartenschulräumen in Holziken gibt es heute eine Schiebetüre, dank der je nach Bedarf die Kinder zwischenzeitlich in zwei Gruppen unterteilt werden können. Im integrativen Unterricht können Kinder mit etwa einer leichten Behinderung gewisse Teile des normalen Kindergartenalltags mitgestalten, bei anderen ist eine Trennung eher angebracht. Dafür wären aber auch zwei Lehrpersonen nötig. Fürs neue Schuljahr seien gemäss Richard Suter in Holziken aber nur 100 statt wie bisher 160 Stellenprozente für den Kindergarten vorgesehen.

Endgültig entschieden ist nichts. Sollte es aber keine Änderung in den zugesprochenen Lehrerpensen geben, müsste Holziken den Vertrag mit der Stiftung Schürmatt künden, so Richard Suter. Das wolle die Schule aber keineswegs. «15 Jahre Aufbau- und erfolgreiche Zusammenarbeit würden bachab gespült», sagt er. Der Kanton habe ein Interesse, Sonderschulkinder in den Regelunterricht zu integrieren, «das braucht aber entsprechend finanzielle Ressourcen». Auch könnte die Schürmatt nicht einfach woanders mit ihren Kindern hingehen. «Wir haben die ideale Bauweise», sagt Richard Suter. Die 12 Schürmatt-Kinder aus dem gesamten Wynen- und Suhrental hätten in Holziken heute auch ihren Mittagstisch.

Den einzigen Fehler gab es ausgerechnet in Holziken

Nachgefragt beim Kanton relativiert sich die Situation jedoch. «Der Schule Holziken stehen im neuen Schuljahr vergleichbar viele Lektionen zur Verfügung wie bisher», sagt Urs Wilhelm, Projektleiter beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS). Geschehen sei aber ein Fehler bei der provisorischen Berechnung der Lehrerpensen, die jede Schule im Kanton im letzten Sommer erhalten hat. Holziken bekam dadurch mehr Pensen in Aussicht gestellt. «Der einzige Fehler im ganzen Kanton ist ausgerechnet in Holziken passiert.» Der Gemeinde wurde eine um 20 Lektionen höhere Schülerpauschale für das Schuljahr 2020/21 mitgeteilt. «Als wir den Fehler gemerkt haben, haben wir sofort mit Holziken Kontakt aufgenommen», sagt Urs Wilhelm. Deshalb auch die Formulierung von Schulleiter Richard Suter in den Holziker Gemeindenachrichten, es gäben weniger Lektionen «als ursprünglich mal angekündigt».

Im November sassen Vertreter des BKS, der Stiftung Schürmatt und die Schulleiter von Holziken und Gontenschwil zusammen, das auch einen kooperativen Kindergarten führt. Dort habe der Kanton gemäss Urs Wilhelm die Schulen und die Stiftung darum gebeten, ihr Konzept zu überdenken. Ziel des kooperativen Kindergartens sei es ja Voraussetzungen zu schaffen, damit die Schürmatt-Kinder eines Tages in die Regelschule gehen können. «Es lohnt sich, Konzepte von vor über zehn Jahren zu hinterfragen», sagt er. Für eine Lösung sei er zuversichtlich. «Wir gehen nicht davon aus, dass die Zusammenarbeit mit der Schürmatt in Holziken gefährdet ist.» Am 5. Mai will die Schule Holziken öffentlich über die neue Struktur orientieren. (dvi)

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