Oberkulm

Diese Uhrenärztin bietet auch Hausbesuche an

Das Armband ist kaputt: Jacqueline Vogt (l.) bei ihrem Besuch im Alterszentrum «Mittleres Wynental» in Oberkulm. Chris Iseli

Das Armband ist kaputt: Jacqueline Vogt (l.) bei ihrem Besuch im Alterszentrum «Mittleres Wynental» in Oberkulm. Chris Iseli

Jacqueline Vogt bietet neu einen mobilen Uhren-Batterie- und Band-Wechsel-Service an. Sie besucht dafür auch Alterszentren.

«Guten Morgen Frau Lüscher, was kann ich für Sie tun?», begrüsst Jacqueline Vogt eine ältere Dame am Rollator. Es ist morgens um neun an einem kalten Januarmorgen im Alterszentrum «Mittleres Wynental» in Oberkulm. In der Cafeteria sind noch fast keine Plätze besetzt. Das Metallband an Frau Lüschers Armbanduhr ist kaputt. Jacqueline Vogt ist extra dafür gekommen: Neben ihrem Bijouterie-Laden in Unterkulm bietet sie neu einen mobilen Uhren-Batterie- und Band-Wechsel-Service an.

Jeweils montags und dienstags besucht Jacqueline Vogt das Alterszentrum in Oberkulm, mittwochs und donnerstags jenes in Gränichen. Die Präsenzzeit ist jeweils eine Stunde, anschliessend besteht die Möglichkeit von Hausbesuchen. Die Idee sei aber nicht, dass nur Altersheim-Bewohner ihre Armbanduhren vorbeibringen können: «Jeder kann vorbeikommen, das Altersheim ist nur der Standort», erläutert Vogt.

Frau Lüscher hätte gerne, dass das Metallband geflickt wird. «Das kann ich leider nicht machen, aber ich kann Ihnen ein neues bestellen», erklärt Jacqueline Vogt geduldig. «Eigentlich repariere ich nur Lederbänder, mache aber auch Ausnahmen», sagt sie später.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Der mobile Service steckt noch in der Pilotphase. «Ich mach mal bis Mitte März, dann blicke ich zurück und entscheide, ob ich weitermache», erklärt Vogt. Das Weitermachen macht sie vom finanziellen Erfolg abhängig: «Es muss sich lohnen.» Ob es das tut, wird sich zeigen. Jacqueline Vogt ist überzeugt von ihrer Idee: «Man muss mit der Zeit gehen. Ich besuche meine Kunden neu im privaten Rahmen und kann mich ihnen so individueller widmen.»

Das Bijouterie-Geschäft aufgebaut haben Jacqueline Vogts Eltern, als sie vor 35 Jahren ins Wynental gezogen sind. Der Vater ist gelernter Uhrenmacher, für die Tochter war es stets nur eine Freizeitaktivität. Dann, vor acht Jahren hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und einen Laden an der Unterkulmer Hauptstrasse eröffnet. Extra für das neue Projekt schliesst sie diesen jeweils am Vormittag, damit sie sich ganz ihrem mobilen Service zuwenden kann. «Die Leute können ihre Uhren vorbeibringen und ich wechsle die Batterie oder das Band aus», erläutert Vogt. Auf dem viereckigen Tisch in der Cafeteria steht eine kleine, goldene Standuhr.

«Das hat jemand falsch verstanden, der Fokus liegt auf Armbanduhren», sagt Vogt schmunzelnd. «Aber wenn jemand eine solche Uhr vorbeibringt, repariere ich auch diese.» Komplett vor Ort findet der mobile Service dann aber nicht statt. Jacqueline Vogt nimmt die Uhren mit in ihr Geschäft in Unterkulm. «Dort habe ich all meine Utensilien und einen geeigneteren Tisch als in den Cafeterien», begründet sie ihren Entscheid. Bei Batterien und Lederarmbändern würde die Reparatur einen Tag dauern.

Entstanden ist das Projekt spontan. «Ich überlege mir ständig neue Sachen, die ich umsetzen könnte. Denn, von nichts kommt nichts», weiss Vogt und schwärmt dabei bereits von ihrem nächsten Projekt: einem mobilen Schmuck-Verkaufsstand.

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