Gontenschwil
Ein Brand, Goldgräber und eine Heilquelle: So abenteuerlich ist die Geschichte des Kurhotels Bad Schwarzenberg

Heute vor 85 Jahren zerstörte ein Brand das beliebte Kurhotel Bad Schwarzenberg in Gontenschwil weitestgehend. Nicht nur deswegen ist die Geschichte des «Bads» alt und abenteuerlich. Wirtin Fabienne Böll-Roth erzählt.

Katja Schlegel
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Drei Generationen Wirte-Familie Roth: Fabienne und Flavio Böll-Roth mit Sohn Arthur haben vor drei Jahren den Gasthof «Bad Schwarzenberg» von Rita und Dieter Roth übernommen. Die Eltern hatten das Haus davor knapp 40 Jahre lang geführt.

Drei Generationen Wirte-Familie Roth: Fabienne und Flavio Böll-Roth mit Sohn Arthur haben vor drei Jahren den Gasthof «Bad Schwarzenberg» von Rita und Dieter Roth übernommen. Die Eltern hatten das Haus davor knapp 40 Jahre lang geführt.

Katja Schlegel

Manchmal, da wünscht sie sich, dass die alten Mauern reden könnten. Dass sie ihr von den Menschen berichten würden, die hier zur Kur kamen. «In all den Jahrzehnten müssen sich hier wunderbare Geschichten abgespielt haben», sagt Fabienne Böll-Roth (30) und lacht.

Seit drei Jahren wirtet siel mit ihrem Mann Flavio (32) im Gasthof Bad Schwarzenberg oberhalb von Gontenschwil. Sie ist hier aufgewachsen, ihre Eltern Rita und Dieter Roth (68 und 73) haben das «Bad» knapp 40 Jahre lang geführt. Die Roths haben ihm zu neuem altem Glanz verholfen.

Fabienne Böll wäre als gelernte Köchin und Hotelière die Welt offen gestanden. Sie arbeitete unter anderem während vier Saisons bei Spitzenkoch Armin Amrein im Walserhof in Klosters, durfte gar bei Starkoch Anton Mosimann (er kochte unter anderem das Hochzeitsmenu von Kate und Prinz William) in London ein Praktikum absolvieren. Doch Fabienne Böll zog es zurück nach Gontenschwil. «Dieses Haus muss man pflegen, seine Geschichte aufrechterhalten. Ich fühle mich dazu verpflichtet.» Und mit Ehemann Flavio, einem gelernten Metzger, habe sie dazu den perfekten Partner gefunden.

Bis zu 600 Personen täglich wegen des Wassers

Die Geschichte des «Bads» ist alt und abenteuerlich. Ausgerechnet jetzt sind die runden Jahre zahlreich: 1640 sollen Goldgräber die Mineralwasserquelle entdeckt haben. Ab 1930 tranken die Patienten des Kantonsspitals Aarau das Mineralwasser, später auch die in Menziken. Seit 1990 gehören das Restaurant und die Quelle der Familie Roth. Dieter Roth hatte das «Bad» ab 1973 gepachtet. Nicht zufällig; Vater Kurt Roth, der Buchser «Braui»-Wirt, hatte die Mineralquelle davor jahrelang geführt.

Die vor 380 Jahren gefundene Heilquelle, sie hatte Gontenschwil glänzende Zeiten beschert. Schon damals, anno 1640, wurde die heilende Wirkung gelobt, unter anderem im Geschichtswerk «Theatrum Europaeum». Bis zu 600 Personen sollen jeden Tag gekommen sein, um vom Heilwasser zu trinken. In einem alten Lied heisst es, das Schwarzenberger Wasser habe bei «Gallenkrämpfen, Podagra (Fussgicht), Herzensschwäche, Übelkeiten, Krätze, Bleichsucht und Chiragra (Gichtknoten an den Händen)» geholfen.

Ab 1800 mauserte sich Bad Schwarzenberg zum Kurort. Geplagte und Kranke, viele aus dem Raum Basel und aus dem Elsass, liessen sich hier nach einem Bad im aufgewärmten Quellwasser schröpfen. Nebst sogenannten «Badekästen» wurden auch Schlafmöglichkeiten sowie eine Gastwirtschaft eingerichtet.

Es sollte Brandstiftung gewesen sein

Derweil wurde das Heilwasser bis nach Bayern, in den Schwarzwald und ins Elsass verkauft. Der finanzielle Erfolg führte dazu, dass sich die Anlage zu einem fast schon mondänen Kurort mit rund 40 Betten entwickelte, bis ständige Besitzerwechsel ab 1919 den Niedergang des Hauses einläuteten. Ein Brand zog schliesslich einen Schlussstrich unter die Geschichte des Kurhotels.

Dieser Brand, er jährt sich auch, und zwar genau heute: Am 11.November 1935, um 3.15 Uhr brach das Feuer aus und zerstörte das Kurhaus weitestgehend. Mit drei handbetriebenen Saugspritzen hatte die Gontenschwiler Feuerwehr keine Chance, das Feuer einzudämmen. Nur dank der Aarauer Feuerwehr, die um 5 Uhr mit mehreren Schläuchen eintraf, konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden. Der alte Teil des Hotels konnte so gerettet werden. Ein Anbau und der neue Hotelteil wurden vollständig zerstört.

Bei dieser Postkarte (um 1900) hat der Maler etwas übertrieben, so mondän hat das Kurhotel nie ausgesehen. Die Grundzüge aber stimmen. (Bild: Aus «Ortsgeschichte Gontenschwil»)

Bei dieser Postkarte (um 1900) hat der Maler etwas übertrieben, so mondän hat das Kurhotel nie ausgesehen. Die Grundzüge aber stimmen. (Bild: Aus «Ortsgeschichte Gontenschwil»)

Katja Schlegel

Es sollte Brandstiftung gewesen sein, so das eindeutige Ergebnis der Untersuchungen. Eine Täterschaft aber wurde nie ermittelt. Es dauerte nicht lange, da fing die Gerüchteküche an zu brodeln. Da waren nicht nur die schlechte finanzielle Lage des Wirts und die hohe Versicherungssumme, sondern auch die Ernsthaftigkeit, mit der die Löscharbeiten ausgeführt worden seien. So ist im Bericht des Versicherungsamtes festgehalten, dass das Klavier vom Saal auf den Vorplatz getragen worden sei, wo einer darauf gespielt habe, während sich die anderen am Wein gütlich taten. Eine Geschichte, die auch Fabienne Böll gern erzählt.

Früher fürs Wasser bekannt, heute für die Küche

Der Brand besiegelte das Schicksal des Kurhauses Bad Schwarzenberg. Die Käufer der Brandruine beschränkten sich darauf, den alten Gebäudeteil als Restaurant aufzubauen. Im alten Badhaus wurde die Abfüllanlage für das Mineralwasser eingerichtet.

1990 wurde auch die geschlossen. Heute versorgt die Quelle das Gasthaus, fliesst in allen Leitungen und wird als stilles oder mit Kohlensäure versetztes Mineralwasser angeboten. Jeden Morgen holen die Bölls eine Harasse Quellwasser aus dem Reservoir.

Das «Bad Schwarzenberg» hat bis heute einen klingenden Namen, auch wenn die Erinnerung der Leute an die aus dem Spital bekannten Bügelflaschen langsam verblasst. Heute ist das Haus vor allem für seine gute Küche bekannt. «Aber noch immer fragen Gäste nach der Geschichte mit der Quelle und den Goldgräbern», sagt Fabienne Böll. Und sie erzählt sie gerne. «Ich bin stolz darauf, an einem solchen Ort zu sein und die Geschichte am Leben zu erhalten.»

Quelle

Ortsgeschichte Gontenschwil von Rolf Bolliger und Markus Widmer-Dean, 2012