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Eine 120-jährige Geschichte geht zu Ende: Das Aus für das «Chulmer Blättli»

Das «Chulmer Blättli» hatte seine treuen Fans. (Symbolbild)

Das «Chulmer Blättli» hatte seine treuen Fans. (Symbolbild)

Die kleine Wochenzeitung stellt ihr Erscheinen ein. Die Nachfolge übernimmt das monatlich erscheinende «Dorfheftli».

Es brauchte ein gutes Stück Heimatverbundenheit, wer den «Anzeiger von Kulm» abonniert: Das Abo kostete zuletzt jährlich 75 Franken – für wöchentlich ein paar wenige Seiten gedruckte News aus dem mittleren Wynental, aus dem Gemeinden Teufenthal sowie Unter- und Oberkulm. Aber «Chulmer Blättli» hatte seine treuen Fans. Nach der Jahrtausendwende lag die Auflage noch bei 1500. 2011 brauchte es schon einen Sondereffort um über der für die damaligen Posttarife wichtigen Schwelle von 1000 festen Abonnenten zu bleiben. Und jetzt geht dann eine 120-jährige Zeitungsgeschichte zu Ende: Der «Anzeiger von Kulm» stellt Ende 2020 sein Erscheinen ein.

Die Geschichte des «Chulmer Blättli» war eng verknüpft mit dem auf Teilzeitbasis arbeitenden Alleinredaktor Klaus Tepper. Er war 40 Jahre lang für seine Zeitung (Tepper war Mitbesitzer) unterwegs. Tepper ist im Januar gestorben.

Seit Frühling gibts den «Wynentaler»weniger oft

Ende 2001, als im Suhren- und Ruedertal für «Euses Blättli» eine Lösung gesucht werden musste, fand man diese beim heute 150-jährigen «Wynentaler Blatt» (Menziken). Es übernahm das «Schöftler Blättli». Eigentlich wäre es logisch gewesen, wenn der «Wynentaler» auch beim «Chulmer Blättli» helfend eingesprungen wäre. Aber der «Wynentaler» hat seine besten Zeiten hinter sich. Seine Auflage ist in den letzten Jahren stark gesunken, wegen Corona erscheint die Zeitung seit dem Frühling nur noch einmal wöchentlich (vorher zwei Mal).

Wie fest auch die Anzeiger unter dem Strukturwandel und den aktuell schwierigen Zeiten zu leiden haben, zeigt ein aktueller Brief des «Landanzeigers» (Aarau, Suhren- und unteres Wynental). Die Leser werden, wie schon in der Vergangenheit, aufgefordert, für die Gratiszeitung einen Zustellbeitrag von 35 Franken zu zahlen. Im ersten Abschnitt des «Jetzt erst recht!»- Schreibens ist Corona ein Thema: «Wir haben rund 50 Prozent unseres Inseratumsatzes verloren.»

«Dorfheftli» künftig mit Auflage von 22000

Im Fall des «Anzeiger von Kulm» springt jetzt das «Dorfheftli» in die Bresche. Das Magazin von Herausgeber Heinz Barth (Reinach) wird ab Januar mit je separaten Ausgaben in Teufenthal, Unter- und Oberkulm erscheinen. Im Kleinformat, jeweils einmal pro Monat. Das «Dorfheftli» ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. Es ist mittlerweile in dreizehn Aargauer Gemeinden ein Erfolgsprodukt. Das Vordringen in das Mittlere Wynental bedeutet für das Team von Barth einen Quantensprung. Die Auflage wird von aktuell 16964 (amtlich beglaubigt) auf 22'000 steigen. Im oberen Wynen- und im Seetal ist nur noch Birrwil ein weisser Fleck.

Wegen der lediglich monatlichen Erscheinungsweise kommt das «Dorfheflti» als amtlicher Anzeiger nicht in Frage. Die drei Gemeinden Teufenthal, Unter- und Oberkulm haben heute alle neben dem «Chulmer Blättli» noch einen anderen amtlichen Anzeiger. Veränderungen sind aber nicht ausgeschlossen. Wie politisch brisant diese sein können, zeigte sich 2019 in Teufenthal, als der «Landanzeiger» zur Diskussion stand.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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