Grossratswahlen

Er möchte es allen recht machen — Exot in den Reihen der FDP-Elite

Andreas Fetscher mit seinem Lieblingspferd Tamiro, einem echten «Eidgenoss».

Andreas Fetscher mit seinem Lieblingspferd Tamiro, einem echten «Eidgenoss».

«Rütihof»-Wirt Andreas Fetscher (41) kandidiert für den Grossen Rat. Er sieht sich in der Rolle des Vermittlers.

Beide Hände im Hosensack; das sieht man bei Andreas Fetscher nie. Dazu gibt es, viel zu viel zu tun. Nur die Faust im Sack, die macht er manchmal. Zumindest sinnbildlich. Und ebendiese Faust ist es, welche die Liste der Grossratskandidaten der FDP Bezirk Aarau etwas anders aussehen lässt.

Andreas Fetscher (41) ist der «Rütihof»-Wirt, dem Wirtshaus auf der Krete zwischen Gränichen und Muhen. Der gelernte Koch (im «Schützen» in Aarau) und Hotelfachmann führt den «Rütihof» mit seiner Frau Andrea in zweiter Generation, vor 15 Jahren ist er in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Heute ist das Gasthaus auch Hotel, Waldseilgarten und Genusswerkstatt, ein Ausflugsziel für Familien, Firmenbelegschaften und Hochzeitsgesellschaften. Fetscher ist Arbeitgeber von coronabedingt aktuell noch 44 Angestellten. Dazu kommen rund fünf Hektaren Landwirtschaftsland und Wald, die er bewirtschaftet. Und dann sind da noch die Publikumslieblinge, die rund 40 Tiere. Allen voran die sechs Pferde; Schweizer Warmblüter, sogenannte «Eidgenossen», Fetschers Lieblinge. Auch das kommt nicht von ungefähr: Fetscher ist Chef Einsatz eines Armeetierbataillons mit 600 Angehörigen und fast genauso vielen Pferden und Hunden. Rund 40 Diensttage leistet er im Jahr.

«Als Gastgeber bin ich immer der Vermittler»

Fetscher tanzt aus der Reihe der Aarauer FDP-Elite, aus der Reihe der Rechtsanwälte, Portfoliomanager und Betriebswirte. Und doch ist er hier parteipolitisch genau am richtigen Ort: «Ich mag keine Extreme», sagt er. Es liege in seinem Naturell, eine vermittelnde Rolle einzunehmen. «Als Gastgeber bin ich immer der Vermittler. Stets auf der Suche nach dem Konsens, mit dem alle Beteiligten leben können. Aber durchaus auch hart in der Sache.» Fetscher grinst.

Sein Schritt in die Politik ist ein logischer. Nicht nur, weil man zwangsläufig angefragt werde, wenn man sich – wie er – im örtlichen Gewerbeverein und in verschiedenen Kommissionen einsetzt. «Ich bin seit je her ein politischer Mensch, weil ich Tag für Tag von politischen Entscheiden betroffen bin», sagt er. Das fange beim Gasthaus mit den Lebensmittelverordnungen an, mit den Rechten und Pflichten als Arbeitgeber und selbstständiger Unternehmer, und gehe weiter bei den Tieren oder bei baulichen Veränderungen auf dem Areal. «Politik betrifft uns alle im Alltag, ob man will oder nicht. Und man kann nicht nur die Faust im Sack machen, man muss auch etwas tun.»

Da drängt sich gar die Frage auf, weshalb er nicht schon längst für ein politisches Amt kandidiert hat. Fetscher überlegt kurz. «Als Wirt ist es nicht nur einfach, sich politisch zu positionieren. Man will ja keine Gäste vergraulen.» Da ist er wieder, der Vermittler, der es allen recht machen will. Fetscher nickt. Gleichzeitig zeichne ihn das Wirte-Sein ja auch aus. «Man kennt meinen Rucksack, man weiss, wie breit ich aufgestellt bin. Als Wirt bin ich nicht bloss Wirt.»

Er will fürs Wynental beim Thema Verkehr ansetzen

Andreas Fetscher steht auf der Liste auf Platz 9, noch vor dem Aarauer Stadtpräsidenten Hanspeter Hilfiker. Das sei der alphabetischen Ordnung geschuldet, sagt Fetscher und lacht. Die Chancen, dass er gewählt werde, erachtet er als gering. Trotz seiner Bekanntheit und seinem Wohnort Gränichen, trotz Exotenbonus.

Sollte er denn doch gewählt werden, so wäre sein erstes Handlungsfeld gesetzt: Verkehr. Ein Thema, das Gränichen plagt. Ein Thema, bei dem aus Fetschers Sicht in den letzten Jahren viel falsch gelaufen ist, bei dem er die Vehemenz seitens Wynental vermisst hat. «Wenn man sich als Hiesiger beim Kanton nicht starkmacht, bleibt man eine Randnotiz. Und dann darf man nicht klönen, man werde benachteiligt.»

An politischen Themen dürfte es ihm also nicht fehlen. Und an Zeit? Die will Andreas Fetscher sich nehmen; genauso wie er sie als Arbeitgeber denjenigen Angestellten gibt, die sich ihrerseits engagieren wollen. «Wir leben in einem Milizsystem. Und das braucht nun einmal Menschen mit Zeit.»

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