Menziken
Erster Gemeinderat geht wegen Abschaffung der Schulpflege: Mehraufwand ist nicht leistbar

Der Menziker Bildungsvorsteher Anton Bättig kann den Mehraufwand nicht mit seinem 100%-Job vereinbaren.

Flurina Dünki
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Gemeinderat Anton Bättig kämen 10% Mehrbelastung hinzu.

Gemeinderat Anton Bättig kämen 10% Mehrbelastung hinzu.

zvg

Ende Oktober 2020 hatte der Menziker Gemeinderat An- ton Bättig (parteilos) seinen Rücktritt angekündigt (AZ vom 22.10.2020). Dies auf den 31. März 2021 oder – falls am Wahltag, dem 7. März, niemand gewählt wird – auf den Zeitpunkt seiner Ersetzung. Kandidaten können sich bis am 20. Januar anmelden.

Einen Monat vor seiner Rücktrittsankündigung, am 27. September, hatten die Aargauer die Abschaffung der Schulpflege per Ende 2021 beschlossen. Der Abstimmungsausgang war der Auslöser seines Abtretens als Gemeinderat, wie er heute gegenüber der AZ sagt. Bättig ist unter anderem für Bildung zuständig, ein Ressort, das ab 2022 für alle entsprechenden Gemeinderäte zeit- und arbeitsintensiver wird. Denn in einem Jahr sind die heutigen Schulpflege-Aufgaben Sache des Gemeinderats. «Wie ich ausgerechnet habe, kämen zu meinem heutigen Gemeinderatspensum von 23 Prozent mindestens zehn Prozent für «Bildung» hinzu. Für die Umsetzung der Fusion mit Burg muss mit bis zu weiteren fünf Prozent gerechnet werden», sagt Bättig. Der 52-Jährige ist Ressourcenkoordinator bei der SBB in Olten. Eine Vollzeitstelle. «Ab und zu schon um 15 oder 16 Uhr Feierabend machen, ist in meinem Job leider nicht möglich», sagt er. Wegen der Vertraulichkeit der Daten, mit denen er zu tun hat, kann er ausserdem nicht wie andere auf dem Arbeits- oder Heimweg mit dem Laptop im Zug arbeiten. Zudem wären auch die neuen Präsenzzeiten ab 2022 ein Problem: «Gespräche mit Eltern und Schulleitern können nicht alle erst nach Feierabend um 19 oder 20 Uhr angesetzt werden.»

Mit der Übernahme der Schulpflege-Aufgaben kommt auf den entsprechenden Gemeinderat also nicht nur Mehraufwand, sondern auch ein hoher Anspruch an die zeitliche Flexibilität zu.

Als Menziker Bildungsvorstand werden auf Bättig nicht nur die Schulpflege-Aufgaben der Primarschule übertragen. Die Kreisschule aargauSüd erhält ab 2022 gemäss den Normen zu den neuen Führungsstruk- turen einen Vorstand (bisher Kreisschulpflege) und eine Abgeordnetenversammlung (bisher Kreisschulrat). Die Abge- ordnetenversammlung (mit Gemeinderäten geplant) könnte jedoch auch gestrichen werden. «Damit Menziken als Standort- gemeinde der Kreisschule gut vertreten würde, wäre die Einsitznahme des Gemeinderates in den Vorstand sozusagen eine Pflicht», sagt Bättig. Resultat: noch mehr Aufwand für das Ressort Bildung.

Pensumsreduktion ergäbe wieder neue Probleme

Er habe sich lange überlegt, ob er diesen Schritt gehen soll, sagt er. Bättig wurde 2017 in stiller Wahl ins Gremium gewählt. Schon zuvor war er äusserst aktiv in Menziken tätig. Etwa beim Unihockeyclub Lok Reinach, der katholischen Kirchenpflege und dem Jugendkeller Starlight. «Ich bereue meine Zeit im Gemeinderat keine Sekunde», sagt er. «Dieses Amt bringt jeden Menschen persönlich weiter. Man kommt mit so vielen Personen in Kontakt, auch auf kantonaler und Bundesebene – das ist nicht nur spannend, sondern schafft auch ein ausgedehntes Netzwerk.»

Aus Liebe zum Amt habe er sich auch mit einer Reduktion seines Berufspensums auf 80 Prozent auseinandergesetzt. «Mache ich aber diesen Schritt, so wäre ich finanziell auf das Amt als Gemeinderat und somit auf die Wiederwahl alle vier Jahre angewiesen, denn eine Wiedererhöhung des SBB-Pensums auf 100 Prozent wird mir nicht garantiert», sagt Bättig. Ein Druck, dem er sich nicht aussetzen will. «Ich habe mich damals aus Interesse zur Wahl gestellt und nicht wegen der Entschädigungssumme. Und das soll sich nicht ändern.»

Ob er bei anderen Gemeinderäten ähnliche Ängste hinsichtlich der Übertragung der Schulpflege-Aufgaben vermutet? «Meine Berechnungen von neu 33 Prozent Gemeinderatsarbeit basieren auf der Menziker Bevölkerung von 6500 Personen. Ein Bildungsvorsteher einer ähnlich grossen Gemeinde mit einem 100-Prozent-Job wird sich momentan vielleicht ebenfalls fragen, wie er 33 zusätzliche Prozente unter einen Hut bringt.