Wynental

Gärtchendenken verhindert Kreisschulprojekt

Auf dem Pausenplatz der Bezirksschule Reinach vergnügen sich die Schüler.

Auf dem Pausenplatz der Bezirksschule Reinach vergnügen sich die Schüler.

Das Projekt «Schaffung einer Kreisschule» wurde abgebrochen – weil Lehrer und Schulbehörden nicht mitmachen wollten.

Die Bemühungen, die beiden Kreisschulen Homberg und Mittleres Wynental unter einer gemeinsamen Führung zu vereinen, sind gescheitert – zumindest fürs Erste. Das gab der Gemeindeverband aargauSüd impuls, unter dessen Patronat das Projekt «Schaffung einer Kreisschule» stand, gestern bekannt. Das Vorhaben wurde abgebrochen, nachdem sich «aus ersten schwarzen Wolken eine Gewitterfront gebildet hat», wie Verbandspräsident Martin Widmer sagt.

Rückblick: Die Schulen im Wynental wollten sich auf die Zukunft vorbereiten. Dazu gehört nicht nur die Umsetzung der neuen kantonalen Richtlinien, wonach Bezirksschulen ab Schuljahr 2021/22 in mindestens sechs Abteilungen zu führen sind, sondern auch die Anpassung der Schule an eine zunehmend kulturell durchmischte Gesellschaft. Man wollte den eigenen Bildungsraum gestalten, «bevor der Kanton das Zepter übernimmt», wie die interne Projektleiterin, Renate Gautschy, bei Projektstart sagte. Das war Ende 2014.

Stolperstein Schulkultur

Man war mit Rückenwind gestartet. Abklärungen im Vorfeld hatten ein positives Echo ausgelöst. Doch schon bald zogen die besagten Wolken auf. Es gab Verzögerungen. Die unterschiedlichen Schulkulturen auf einen Nenner zu bringen, entpuppte sich als Herkulesaufgabe. An ihr und «an der Skepsis der Lehrerschaft und der Schulbehörden», wie Martin Widmer sagte, ist das Projekt schliesslich gescheitert.

Auf der strategischen Ebene wurden die gesetzten Ziele erreicht: Die Machbarkeit konnte ausgewiesen werden, die Grundlagen zur Schaffung einer Kreisschule sind weitestgehend erarbeitet, die Schulgeldharmonisierung möglich. Die eine Kreisschule könnte gemäss Bericht der Steuergruppe auf das Schuljahr 2018/19 realisiert werden. Könnte.

«Die Machbarkeit ist gegeben, aber es besteht im Moment keine Not für eine Umsetzung – besonders für die grössere Schule nicht», sagt Renate Gautschy. «Man will an der Kleinräumigkeit festhalten, so lange es geht.» An eine Zusammenlegung der Gärtchen sei vorerst nicht zu denken. Warum? «Aus Angst vor Veränderungen», so Gautschy. Die Enttäuschung ist der Projektleiterin anzusehen. «Es ist uns nicht gelungen, diese Ängste zu beseitigen.» Dabei sei es noch nicht einmal darum gegangen, was man künftig in den Gärten anpflanze, «wir sind schon beim Anheben des Zauns gescheitert.»

Zwar hat die Studie gemäss Gautschy deutlich gemacht, dass eine starke Bezirksschule im Tal Sinn macht. Voraussetzung für die Umsetzung sei aber, dass nicht nur der Kapitän, sondern auch die Mannschaft mit an Bord sei. Sprich, ohne die Unterstützung von Lehrerschaft und Schulbehörden will man das Schiff nicht auf die raue See hinaus steuern. Auch nicht mit politischem Druck. Das hatte die Steuergruppe beschlossen und gegenüber den betroffenen Gemeinden kommuniziert. «Wir waren von Anfang an paritätisch, also als gleichberechtigte Partner, unterwegs», sagt Gautschy, deshalb habe man das Vorhaben nicht allein auf politischer Ebene weiterziehen wollen.

Fakt ist: Das Projekt ist beendet. Die betroffenen Gemeinden hatten bis gestern Zeit, Stellung zu nehmen. Gemäss Herbert Huber, Geschäftsführer von aargauSüd impuls, waren acht von neun Gemeinden mit dem Entscheid einverstanden. Einzig für Zetzwil war die Argumentation für den Abbruch nicht ausreichend. Die Gemeinde sprach sich für eine Fortsetzung aus. Auch Gontenschwil will, dass das Erarbeitete in ein Folgeprojekt einfliessen kann. So bald wird sich aber wohl keins ergeben, denn das Motto der Schulen ist gemäss Gautschy klar: Die Unterlagen sind parat, jetzt wird zugewartet, bis der Gesetzgeber auf die Umsetzung pocht.

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