Schöftland

«Gelästert wird bei mir nicht»: Diese Grossratskandidatin ist ein politisierender Ein-Frau-Betrieb

War Gemeinderätin und will jetzt in den Grossen Rat: Martina Bolliger (38).

War Gemeinderätin und will jetzt in den Grossen Rat: Martina Bolliger (38).

Die Schöftler Coiffeuse Martina Bolliger (38) kandidiert auf dem zweiten Listenplatz der EDU Kulm für den Grossen Rat.

«In der Politik müssen mehr Leute mitreden, die wissen, wo die Probleme des Fussvolks sind», sagt Martina Bolliger. Ausnahmsweise sitzt die 38-jährige Schöftlerin selber auf Coiffeurstuhl ihres Salons, als sie der AZ ihre Grossratskandidatur erklärt.

Ausnahmsweise, denn Pause machen liegt an Arbeitstagen für den geschäftigen Ein-Frau-Betrieb kaum drin. «Akademiker trauen uns das Politisieren nicht immer zu und Leute, die selber von der unteren Mittelschicht kommen, trauen es sich selbst nicht zu.» Dabei habe die Politik viel mehr solche Repräsentanten nötig.

Jahrelang Mitglied im Gemeinderat Kirchleerau

Martina Bolliger ist der Worte nicht verlegen. Sie ist die Coiffeuse, die mit der Kundin auf dem Stuhl gerne Gespräche führt, während die Haarspitzen der Schere zum Opfer fallen. Dies unter Einhaltung ihrer eisernen Regel: «Gelästert wird bei mir nicht. Mein Salon ist nicht der Ort, um über Menschen oder deren Arbeit herzuziehen.»

Gehe es um Politik, dann auf sachlicher Ebene. So nutzte sie – bis April diesen Jahres war sie Kirchleerber Gemeinderätin – die Gunst der Stunde, wenn sie Experten für ihr Departement Schule und Soziales auf dem Coiffeurstuhl hatte, um sie nach Meinung und Erfahrungen zu fragen, «um ein umfangreiches Gesamtbild zu erhalten.» Als Gemeinderätin habe man budgetmässig sehr wenig Spielraum – «da musste ich sicher sein, dass ich die richtigen Schwerpunkte setze.»

Seit drei Jahren führt sie ihren eigenen Salon «Hairvorragend Coiffure Martina» im Schöftler Zentrum. Der Anstoss, sich doch in Kirchleerau für einen Gemeinderatssitz zur Wahl zu stellen, kam 2013 von einer Kundin. Damals war sie gerade dabei, nach Kirchleerau zu ziehen. Sie wurde gewählt, erzielte bei der Gesamterneuerungswahl 2017 das zweitbeste Ergebnis und trat dieses Jahr zurück, weil sie von Kirchleerau nach Schöftland zog.

«Bei der Einwanderung müssen wir aufpassen»

Während der Gemeinderatszeit vom Polit-Käfer infiziert, will sie jetzt Kantonalpolitik machen. Für die Grossratswahlen am 18. Oktober ist ihr Name auf dem zweiten Listenplatz der EDU Kulm hinter Grossrat Rolf Haller. Als sie in die Kirchleerber Exekutive gewählt wurde, war sie noch parteilos. Inzwischen habe sie die Partei gefunden, mit der sie sich identifizieren könne, sagt sie. Die EDU entspreche ihrem Denken, einer Mischung zwischen dem SVP-Gedankengut ihrer Familie und ihrer christlichen Ideologie, wegen der sie auch Mitglied einer Freikirche ist.

Auf Gemeindeebene habe sie gerne politisiert, «aber verändern kann man im Kantonsparlament mehr», sagt sie. Verändern soll sich ihrer Meinung nach etwas an der Einwanderungspolitik. «Mit der Einwanderung müssen wir aufpassen.» Mit 25 Prozent ausländischer Bevölkerung sei die Schmerzgrenze erreicht. Wie lässt sich das mit christlicher Nächstenliebe vereinbaren? «Indem wir uns um die wirklich Bedürftigen kümmern, die schon hier sind und unsere Hilfe brauchen», so Martina Bolliger, «aber sie müssen lernen, nach unseren werten Gesetzen zu leben, diese auch zu akzeptieren und mitzutragen.»

Zur eigenen Meinung stehen. «Ich politisiere bürgerlich rechts, dafür stehe ich auch gerade.» Sie wolle aber Politik für alle Menschen machen, «ganz gleich, wofür sie stehen.» Denselben Vorsatz setzt sie sich bei der Zusammenarbeit mit anderen Politikern. «Wenn gute Politiker zusammenarbeiten, kommen sie auch zu einer guten Lösung, egal, welche Gesinnung sie haben.»

Meistgesehen

Artboard 1