Kirchleerau

Gemeindeschreiber Rolf Lüscher kommt nach 15 Jahren zurück zu den Wurzeln

Rolf Lüscher, Gemeindeschreiber von Kirchleerau: "Die Jahre in der Privatwirtschaft waren sehr lehrreich und täten manch einem andern auch gut."

Rolf Lüscher, Gemeindeschreiber von Kirchleerau: "Die Jahre in der Privatwirtschaft waren sehr lehrreich und täten manch einem andern auch gut."

Acht Jahre lang war Rolf Lüscher Gemeindeschreiber-Stellvertreter in Moosleerau. Jahre später wird er nun Gemeindeschreiber - im Nachbarort Kirchleerau.

Wenn Rolf Lüscher an seinem neuen Arbeitsplatz aus dem Fenster schaut, dann sieht er nach Moosleerau, wo er aufgewachsen ist. Dort hat er aber nicht nur die Schulen besucht, nein, in Moosleerau auf der Gemeindeverwaltung hat er auch seine Lehre absolviert. «Das war eine gute Zeit», blickt der 44-Jährige zurück. «Damals hatten wir auf der Zentralverwaltung Einblick in alle Bereiche.» Nach der Lehre blieb Rolf Lüscher noch weitere acht Jahre als Gemeindeschreiber-Stellvertreter auf der Gemeinde in seinem Wohnort. Heute lebt er in der Nähe von Sursee und ist froh, etwas mehr Distanz zu haben.

Kurz vor dem Millennium liess er sich zum PC-Supporter ausbilden und wechselte in die Privatwirtschaft. Während über sechs Jahren arbeitete er bei den Lagerhäusern Aarau in der Informatikabteilung. «Die Jahre in der Privatwirtschaft waren sehr lehrreich und täten manch einem andern auch gut», ist Rolf Lüscher überzeugt. 2006 nutzte er die Möglichkeit, als Leiter die Einwohnerkontrolle und das Amt des militärischen Sektionschefs der Stadt Olten zu übernehmen.

Die Arbeit im mehrköpfigen Team machte ihm Spass und würde es immer noch, wäre in der Verwaltung der Dreitannenstadt nicht plötzlich der dicke Rotstift angesetzt worden. Das immer rauere Klima bewog ihn, sich umzuschauen. Er meldete sich Anfang Oktober 2015 auf ein Chiffre-Inserat, aus dessen Beschreibung er herauslas, dass es sich um die Gemeindeschreiberstelle in Kirchleerau handeln könnte. Und tatsächlich. Er bewarb sich, durchlief mehrere Vorstellungsrunden und Assessments und bekam die Stelle.

«Nach 15 Jahren in Grossbetrieben ist die Arbeit in Kirchleerau eine Umstellung», sagt Rolf Lüscher. Was es erleichtere, sei die Tatsache, dass er die Gemeinde und einen Grossteil der Leute ja schon kenne, «das ist wie ein Nachhausekommen».

Schnellere Entscheidungen

Als grössten Unterschied zur Verwaltung in Olten nennt er die Prozesse. «Hier sind die Wege viel kürzer und es wird schneller entschieden», sagt Rolf Lüscher. Auch könne er an seiner neuen Wirkungsstätte mehr Einfluss nehmen. Das Schreiben von Sitzungsprotokollen habe er schnell wieder im Griff gehabt.

Sein Arbeitstisch im Büro ist sauber aufgeräumt. Aktenberge muss er zurzeit keine abarbeiten. Auf die Herausforderungen für Kirchleerau angesprochen, gibt er eine Antwort, die nicht erstaunt: Die Finanzen. In der Gemeinde stehen teure Sanierungen an der Kanalisation, an den Quellleitungen und am Teerplatz beim Schulhaus an. Dafür hat die Bevölkerung an der letzten Gmeind total rund 780 000 Franken gesprochen. «Ein happiger Betrag für so eine kleine Gemeinde», betont Rolf Lüscher. Auch das neue Finanz- und Lastenausgleichsgesetz macht Kirchleerau zu schaffen. «Auch wenn wir – so wie andere Gemeinden auch – das Referendum dagegen ergriffen haben, so werden wir ziemlich sicher nicht um eine Steuerfusserhöhung herumkommen», ist der neue Gemeindeschreiber überzeugt. «Wie viele Prozente es sein werden, weiss ich noch nicht.»

Das grosse Loch, das momentan vor der Gemeindeverwaltung klafft, gibt kein Hallen- oder Freibad, sondern die im November 2014 von der Gmeind bewilligte neue Holzschnitzelheizung mit Fernwärmenetz. Diese wird die Gemeinde 1,3 Millionen Franken kosten und ersetzt die über 30-jährige Ölheizung für die Schule, die Turnhalle und die Verwaltung. «Wir hoffen, dass wir noch andere Gebäude an das Fernwärmenetz anschliessen können und diese uns helfen, die Kosten zu minimieren», sagt Rolf Lüscher.

Sein Rückblick auf die ersten viereinhalb Monate in Kirchleerau fällt positiv aus. «Ich wurde gut aufgenommen und habe mich gut eingearbeitet», sagt der am kommenden Wochenende 45 Jahre alt werdende Familienvater. Lüscher schätzt den direkten Draht zur Bevölkerung und stellt dieser in Kirchleerau auch bereits gute Noten aus: «Die Leute auf dem Land sind weniger gehetzt, sind pragmatischer und lassen mehr den gesunden Menschenverstand walten.» Rolf Lüscher gehört keinem Verein an und verbringt seine Freizeit am liebsten mit der Familie. Momentan ist er oft mit Reparieren beschäftigt, entweder die Spielsachen seines Sohnes oder eines seiner Modellautos, «denn ich liebe alles, was vier Räder hat und sich fernsteuern lässt».

Nicht besorgt wegen Asylwesen

Das Thema Asyl bereitet Rolf Lüscher und der Gemeinde momentan kein Kopfzerbrechen. «Es läuft erfreulich gut», sagt er erleichtert in Bezug auf die 15 jungen Männer aus Afghanistan. «Uns hilft es sehr, dass die Chrischona-Gemeinde in verschiedenen Bereichen aktiv mitwirkt und wir ein Haus haben, in dem der Kanton bis zu 22 Personen unterbringen kann.» Sollte der Besitzer die Liegenschaft später einem andern Zweck zuführen, sind Rolf Lüscher und sein Team gefordert. Beunruhigen tut ihn das momentan nicht, er hat schon für andere Probleme Lösungen gefunden.

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