Schmiedrued

Generationenwechsel ohne Krach: Urs Loosli gibt sein Geschäft dem Sohn weiter

Urs Loosli (links) gab die Geschäftsführung am 1. Juli an Sohn Marco Loosli ab.

Urs Loosli (links) gab die Geschäftsführung am 1. Juli an Sohn Marco Loosli ab.

Die Geschäftsnachfolge der Schmiedrueder Loosli Bau AG war für Marco Loosli ein langwieriges Projekt. Er übernimmt in dritter Generation das Familiengeschäft.

Als Unternehmer Urs Loosli vor sieben Jahren nach einem Nachfolger für den Geschäftsführerposten seines Baugeschäfts suchte, wurde er in der Versicherungsbranche fündig. Dort arbeitete sein Sohn Marco als Versicherungsberater. Wie Vater Urs hatte er einst eine Maurerlehre absolviert, sich dann aber den Mörtel abgewischt und nach seiner Zweitausbildung das gebügelte Hemd angezogen.

Nun fragte ihn der Vater an, ob er das Schmiedrueder Baugeschäft in dritter Generation weiterführen wollte. Vater und Sohn setzten sich zusammen, Marco Loosli sagte Ja, er würde in die Fussstapfen des Vaters treten. Im Juli dieses Jahres übernahm er mit Bruder Ronald und Onkel Jörg (zu gleicher Beteiligung) die Geschäftsführung. Die Nachfolge war gesichert und das mit einem Familienmitglied – der Wunsch aller Unternehmer. Harmonische Fortführung auf sicher. Oder?

Aus Bauernhof wird Baugeschäft

Heute ist Urs Loosli 66, Marco Loosli 40 Jahre alt. Sie sitzen im Büro im zweiten Stock ihres 35-Mitarbeiter-Betriebs an der Schmiedrueder Matt. Das Loosli-Logo wird erst hinter einer dieser Kurven ersichtlich, die den Fahrer beim Brausen durch das Ruedertal zum Kontakt mit dem Bremspedal zwingen. Und obwohl nur für einen Augenblick sichtbar, gehört die Baufirma zu den gefragtesten Adressen für Auftraggeber der Branche. Vor 53 Jahren hatte sie Grossvater Ulrich Loosli gegründet.

Das Haus war ursprünglich ein Bauernhof, doch als der Grossvater, ein gelernter Maurer, immer mehr Aufträge erhielt, «haben die Mutter und wir sechs Geschwister gebauert, während er die Maureraufträge ausführte», sagt Vater Urs. Seine eigene Maurerlehre machte Urs Loosli gleich beim Vater und führte nach dessen frühem Tod zusammen mit Bruder Hansueli den Betrieb weiter. Die beiden Brüder wurden damals unverhofft und fast über Nacht zu Firmenchefs, als Ulrich Loosli mit 62 plötzlich verstarb. Hat Urs Loosli seinen eigenen Nachfolger deshalb frühzeitig bestimmt und auf die Rolle vorbereitet? «Vielleicht unbewusst», sagt er.

Der Generationenwechsel wird zur Diplomarbeit

Dass der Sohn die Geschäftsführung übernahm, sei ein Glücksfall gewesen, keine Frage, sagt Urs Loosli. Doch, sagt Sohn Marco, auch im Familienunternehmen würden Gefahren bei einem Generationenwechsel lauern. Grund für Marco Loosli, den Prozess gleich nach seinem Wiedereinstieg professionell anzugehen: Er machte den Generationenwechsel 2017 zum Thema der Diplomarbeit seiner Weiterbildung in Geschäftsführung Bau. «Wenn am Sitzungstisch alles Verwandte sitzen, fährt man dem anderen öfter mal ins Wort oder blockiert eine Idee, die man selber für unrealistisch hält», sagt Marco Loosli. Dies, weil die ganzen Höflichkeitsformen wegfielen.

Wie sich die Geschäftsleitungsmitglieder die nahe Zukunft genau vorstellten, welche Visionen sie hatten, war dem designierten Geschäftsführer nicht klar. «Es war aber wesentlich, dass ich wusste, wovon jeder sprach und was genau dem Einzelnen wichtig ist.» Beim Familienunternehmen würden sich Unstimmigkeiten nicht nur auf das Geschäft, sondern auf die persönlichen Beziehungen auswirken. «Das kann heikel werden», sagt Marco Loosli. In der Umgebung gebe es viele Beispiele von schiefgelaufenen Übergaben in verschiedenen Branchen.

Marco Loosli veranstaltete mehrere Workshops, um die Zukunftsvisionen und Prioritäten der Geschäftsleiter zu eruieren, und engagierte dazu einen externen Moderator. «Ich studierte die Protokolle der Workshops sehr lange», so Marco Loosli, «und verfasste unsere Ausrichtung für die nächsten fünf Jahre.»

Kann die Loosli AG also getrost in die Zukunft gehen? Marco Loosli schmunzelt: «Wir haben jetzt die Theorie auf Papier. Ob es in der Praxis klappt, werden wir sehen.»

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