Wynental

Gerichtspräsident erzählt von Kriminalfall aus dem Jahr 1843

Gerichtspräsident Christian Märki in Teufenthal.

Gerichtspräsident Christian Märki in Teufenthal.

Das Erzähltal 2016 ging «zu de Lüüt», unter anderem nach Teufenthal und Unterkulm. Dort gaben Gerichtspräsident Christian Märki und Fallschirmspringer Pascal Müller Geschichten zum Besten.

19 Veranstaltungen haben von Freitag bis Sonntag in die Dörfer des Wynentals geladen, ja bis Beinwil am See und jenseits der Kantonsgrenze nach Pfeffikon. Seit 2009 werden am Bettagswochenende unter der Affiche «Erzähltal» Geschichten erzählt.

So dieses Jahr auch im Teufenthaler Dorftreff, wo am Freitagabend Christian Märki eine Lesung hält. Der Kulmer Gerichtspräsident hört in seiner Tätigkeit wohl manche Geschichte; im Dorftreff erzählt er eine, einen wahren Krimi sozusagen. Und einen mit Lokalbezug, ausgegraben im Amtsblatt des Jahres 1843. Es ist die Geschichte des Teufenthalers Jakob Mauch, der als 17-Jähriger beim Lehrer Fehlmann durch die offene Türe eingedrungen ist und 21 Fünffrankenthaler entwendet hat. Der halbe Jahreslohn eines Hilfslehrers.

Er erhält dafür die Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus – nur ein Jahr, da ihm das Alter, die vernachlässigte Erziehung, aber auch das reumütige Geständnis zu Gute gehalten werden.

Gelernt hat er offenbar wenig daraus, denn drei Jahre später entfernt er ein Bodenbrett im alten Kloster Königsfelden, damals ein Gefängnis, und seilt sich ab, um der erneuten Gefangenschaft zu entkommen. Da stellen sich ihm drei Landjäger in den Weg.

Die Akten beschreiben eine wirre Verfolgungsjagd mit akribischer Beschreibung der Verletzungen: Mit einem Messer will Mauch sich den Weg in die Freiheit bahnen, doch ein Stein streckt ihn nieder. Erneut hat er Glück: Die Landjäger – von denen einer an den Folgen der Messerverletzung stirbt – sagen widersprüchlich aus. Acht Jahre Kettenstrafe, so lautet das Urteil; ein Tötungsvorsatz hält das Gericht für nicht gegeben.

Bei einem Becher Most wird im Teufenthaler Dorftreff weiter diskutiert, alte Geschichten erwachen zum Leben. Wie sollte der 17-Jährige für die Untersuchungs- und Gefangenschaftskosten aufkommen? «Die werden wohl abgeschrieben worden sein», sagt Christian Märki. Wie auch heute in drei Vierteln der Fälle.»

37,5 Stunden im freien Fall

Aus seinem Leben als Fallschirmspringer, militärisch und zivil, erzählt am Samstagnachmittag der 32-jährige Pascal Müller aus Unterkulm. Vor allem das harte Selektionsverfahren imponiert den rund 30 Personen im Unterkulmer Gemeindesaal. Sie lassen sich hineinziehen in eine Welt, wo die Luft dünn werden kann, und die zahlreichen Fragen zeugen von echtem Interesse. «Man wird physischem und psychischem Stress ausgesetzt, da man unter Druck funktionieren muss», sagt Müller.

Fallschirmspringer Pascal Müller in Unterkulm

Fallschirmspringer Pascal Müller in Unterkulm

Die Zahlen beeindrucken: 40 bis 60 Kilo Material muss ein Fallschirmspringer im Militär mit sich tragen können. Mit ein Grund, wieso jährlich von 300 bis 400 Anmeldungen lediglich eine Hand voll das Selektionsverfahren bestehen. Samt Offiziersausbildung dauerte die Ausbildung 59 Wochen.

Pascal Müller hat an nationalen und internationalen Wettkämpfen mehrfach Medaillen gewonnen. Er macht im Formationsspringen mit: «Ich bin ein Mannschaftssportler.» Fotos und Filme – teils mit Kopfkamera im Windkanal – lassen staunen. Risiken? Materialfehler gebe es kaum, sagt er, der 37,5 Stunden im freien Fall und den Windkanal eingerechnet mehr als einen Monat im Fallen und Schweben verbracht hat.

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