Bezirksschule

Gontenschwiler Lehrer frustriert nach Blitzeinigung im Bez-Streit – sie fühlen sich übergangen

Gontenschwil fürchtet den Verlust der Oberstufe: Schulhaus Husmatt.

Gontenschwil fürchtet den Verlust der Oberstufe: Schulhaus Husmatt.

Die Oberstufe in Gontenschwil sieht sich als «Bauernopfer» der ausgehandelten Schullösung im Wynental.

Am Rande der Blitzeinigung im Bez-Streit ist bereits das erste Donnergrollen zu vernehmen. Die Ammänner der Region haben sich im Beisein von Bildungsdirektor Alex Hürzeler getroffen und eine erste Stossrichtung ausgehandelt. Sie haben den Eindruck vermittelt, das Gewitter sei nun vorüber, man beginne von vorne. Dem Vernehmen nach hat jedoch bereits die erste Information über mögliche Konsequenzen in Schulhäusern Irritationen ausgelöst. Diesmal gehts nicht um die Bez. Schafft man eine gemeinsame Oberstufen-Kreisschule, sind auch die übrigen Oberstufenstandorte (Sekundar- und Realschule) im Tal betroffen. Zum Beispiel Gontenschwil.

Die Gemeindeammänner im Tal haben Ja gesagt zu zwei Bezirksschulstandorten. Menziken verliert dadurch seine Bez. Im Gegenzug wurde der Oberwynentaler Gemeinde versprochen, im gleichen Umfang Sekundarschüler zu bekommen.

Das führt zu Verlagerungen, die über die Gemeindegrenzen von Reinach und Menziken hinausgehen. In welchem Umfang diese stattfinden und welche Gemeinden betroffen sind, steht aber noch nicht fest. Die Detailabsprachen auf politischer Ebene haben noch nicht stattgefunden. Die Vernehmlassungsfrist für die Gemeinden läuft bis zum 15. Juni.

Überzeugt von einer guten Schule

Offenbar wurden die Lehrkräfte am Oberstufenstandort Gontenschwil nun aber bereits durch die Kreisschule Homberg, der sie angehören, darüber in Kenntnis gesetzt, sich voraussichtlich in zwei Jahren von ihrer Schule verabschieden zu müssen. Die Pädagogen sind frustriert und fühlen sich übergangen, wie aus einem Schreiben des Seklehrers Claude Büchli an die az hervorgeht. Zumindest der an Asterix angelehnte Einstieg lässt die Stimmung im «Gallischen Dorf» erahnen: «Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr. Das ganze Wynental ist glücklich über die Blitzeinigung im Bez-Streit ... Das ganze Wynental? Nein! Ein von motivierten Lehrpersonen bevölkerter Schulstandort ist zutiefst enttäuscht.»

Die Gontenschwiler Lehrerschaft ist frustriert, dass sie – respektive ihr Schulstandort – «in der ganzen Geschichte jetzt als Bauernopfer dasteht», wie Lehrer Büchli sagt. «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir eine gute Schule haben», sagt er. «Eine, in der die persönliche Beziehung zu den Schülern einen sehr hohen Stellenwert hat und die Lehrpersonen noch jeden der jeweils 85–100 Oberstufenschüler mit Namen kennen.» Die Rückmeldungen der Schüler und ihrer Eltern, der Schulsozialarbeit, der im gleichen Schulhaus beheimateten Primarlehrpersonen und nicht zuletzt der externen Evaluatoren würden das bestätigen.

«Wir sind uns bewusst, dass das Problem vielschichtig ist», so Büchli. Auch sei die Schülerzahlen-Thematik nicht neu. «Wir brauchen seit Jahren Schüler aus Reinach. Aus Zetzwil, Gontenschwil und Leimbach kommen zu wenige, um die Klassen zu füllen.» Trotzdem. Der angeschlagene Takt überrasche, habe man den fünf Klassen- und rund sieben Fachlehrpersonen der Oberstufe doch unlängst noch Planungssicherheit für die nächsten paar Jahre versprochen.

«Keine optimale Ausgangslage»

Von einem wirklich «unglücklichen Vorgehen», spricht Gemeindeammann Renate Gautschy auf Anfrage, das «nicht gerade zu einer optimalen Ausgangslage für den politischen Weg» des Projekts führe – eines Vorhabens, das von der Bevölkerung getragen werden müsse notabene. Der Gemeinderat Gontenschwil begrüsse das Projekt, wiederholt sie, was sie schon in einer ersten Stellungnahme gesagt hat. Man wolle aber bei der Entscheidungsfindung für die Sek- und Realschule mitreden können.

Die Prämisse ist klar: Werden die Schulen operativ unter einem Dach vereinigt, sprich die Schüler optimal auf die Standorte verteilt, werden Abteilungen reduziert und damit Kosten eingespart. Im Extremfall könnten das bis zu 9 Abteilungen (2 an der Bez, 7 an der Sek-Real) sein, wie das kantonale Bildungsdepartement auf Anfrage bestätigt. Allerdings sei das ein theoretischer Wert, basierend auf den diesjährigen Schülerzahlen und ohne Berücksichtigung verschiedener Standorte.

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