Nach den Diskussionen der letzten Wochen hatte sich abgezeichnet, dass es der Gemeinderat Schöftland mit seiner Strategie, die «Hegmatte»-Frage aus der Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) auszuklammern, schwer haben würde. Doch, dass er auf so verlorenem Posten stehen würde, hatte kaum jemand erwartet. An der seit Menschengedenken best besuchten Gemeindeversammlung verlangten am Montagabend 75 Prozent der Teilnehmer die Einrichtung einer Landschaftsschutzzone und damit die Verhinderung der Überbauung von 10 Hektaren besten Landes.

Von den 453 Anwesenden stimmten 343 für die Teilrückweisung der BNO. Der Entscheid unterliegt dem fakultativen Referendum (die Stimmbeteiligung betrug 15 Prozent). Das heisst aber nicht, dass die ganze BNO-Revision zurückgewiesen wurde. Alles ausser der Hegmatte wurde genehmigt (mit 290 zu 170 Stimmen).

«Schöftland bestimmt»

Den Entscheiden ging eine intensive Diskussion voraus. Ein Votant wollte es genau wissen: «Will der Gemeinderat, dass die Hegmatte überbaut wird? Ja oder Nein?», fragte er. Gemeindeammann Rolf Buchser erwiderte: «Die Frage kann ich nicht beantworten. Wir brauchen doch zuerst eine Planung.» Er sei überzeugt, dass, wenn der Gemeinderat mit der Bahn gemeinsam nach Lösungen suche, die Bahn nicht über den Kopf der Bevölkerung ihr Eisenbahnrecht durchziehen werde. Und weiter: «Schöftland wird bestimmt der Standort der künftigen Anlagen.»

Offiziell waren die Einzonung der Gebiete «Hegmatte» und Mühleareal gar nicht Teil der traktandierten Revision. Über die Punkte der BNO, die zur Abstimmung stehen, wurde aber nur wenig diskutiert. Die «Hegmatte»-Gegner um Bernhard Hürzeler (Ex-SP-Grossrat) und Grossrat Severin Lüscher (Grüne) lieferten sich einen Schlagabtausch mit Ammann Rolf Buchser.

«Wie kann man Gesamtplanung machen, die zwei brennende Probleme einfach ausblendet? Zuerst muss man doch die grossen Probleme lösen?», fragte ein Mann. Rolf Buchser beschwichtigte: «Weil so viele Fragen bezüglich Hegmatte und Mühleareal noch offen sind, haben wir sie ausgeklammert.» Das sei in den Planungsprozessen Gang und Gäbe.

Wie reagiert der Grosse Rat?

«Wir wollen die BNO nicht einfach bachab schicken. Das Geld ist auch für uns zu schade. Als Grossrat des Kantons Aargau werde ich nach der Annahme der Teilrückweisung den Kollegen im Grossen Rat sagen, dass die Bevölkerung von Schöftland grosse Skepsis hat bezüglich des Richtplanantrags. Wir müssen darüber nochmals reden», sagte Grossrat Severin Lüscher. Und: «Die Richtplanänderung betrifft die Wohn- und Arbeitszone und auch ein Recht der Bahn zum Bauen. Wenn die Bahn einfach bauen kann, dann ist das Terrain ja schon überbaut und wir können nur noch über weitere Wohn- und Arbeitsgebiete entscheiden.»

Bis zum Montagabend hätte der Grosse Rat den nächsten Zug machen müssen. Er hätte mit dem Richtplaneintrag die «Hegmatte»-Planung für eine Überbauung ermöglichen sollen. Aber das nun nach dem Landschaftsschutzzone-Vorentscheid der Gemeindeversammlung noch tun wird, ist offen.

Die sechs anderen Traktanden der bis 22.45 Uhr dauernden Gemeindeversammlung gaben weniger zu reden. Innerhalb der ersten 40 Minuten waren sie abgehakt. Alle wurden angenommen. Darunter das Budget 2019 mit dem unveränderten Steuerfuss von 97 Prozent.