Unterkulm

Halbe Million für einen Stift

Gründer und Verwaltungsratspräsident Emil Brändli, Marketing-Chef Daniel Kurmann und Geschäftsführer Daniel Brändli (v.l.n.r.).

Gründer und Verwaltungsratspräsident Emil Brändli, Marketing-Chef Daniel Kurmann und Geschäftsführer Daniel Brändli (v.l.n.r.).

Polymechaniker will die Poesia-Gruppe ausbilden. Damit ihr nicht passiert, was anderswo so oft geschieht: dass der Nachwuchs ausgeht. Das lässt sie sich einiges kosten.

Die Unternehmens-Gruppe aus Unterkulm ist auf die Herstellung von Dichtungen und verwandten Teilen spezialisiert. «Wir sind Marktführer für Fenster-Dichtungen», sagt Gründer und Verwaltungsratspräsident Emil Brändli. Auch bei Duschen und Kühlschränken, bei der ABB und der Rhätischen Bahn kommen seine Produkte zum Einsatz. 1997 hat er das Unternehmen gegründet, inzwischen ist daraus eine Gruppe mit vier Industriebetrieben geworden.

Damit ihnen der Nachwuchs nicht ausgeht, hat die Poesia-Gruppe eine halbe Million Franken in eine topmoderne Ausbildungsstätte investiert. Künftig soll dort alle zwei Jahre ein Polymechaniker ausgelernt werden. «Dazu haben wir die exakt selben Maschinen angeschafft, wie sie im Ausbildungszentrum an der Berufsschule in Lenzburg benützt werden. Das macht die Ausbildung natürlich einfacher», sagt Brändli.

Die Arbeitslosenquoten sind tief, der Nachwuchs rar und die Städte locken die Jungen aus dem Tal. «Gute Lernende zu finden, ist schwierig. Und wir wollen etwas für die Ausbildung im Tal machen», sagen Emil Brändli und sein Sohn Daniel Brändli.

Das Familienunternehmen hat eine grosse Palette von über 4500 Produkten, mit denen es alle bedient, vom privaten Kleinstabnehmer bis zum Grosskonzern.

Die Bewerbungen waren nicht gut genug

Das wichtigste Geschäftsfeld sind Auftragsarbeiten, bei denen etwa ein Fensterbauer die Unternehmensgruppe damit beauftragt, Profile zu entwickeln, die bestimmte Eigenschaften haben. So stellt sich auch Daniel Brändli die mögliche Abschlussarbeit eines Lernenden vor: Er bekommt anhand einer Skizze bestimmte Vorgaben, die er zeichnerisch ausarbeitet und mithilfe eines 3D-Druckers zu einem Prototyp weiterentwickelt. Anschliessend arbeitet er das Werkzeug für die Produktion aus: Fertig ist ein neues Produkt. Der letzte im Unternehmen ausgelernte Polymechaniker arbeitet heute im Engineering-Team, das sich um genau solche Problemstellungen kümmert. Dieses Jahr hat das Unternehmen noch auf die Anstellung eines Lernenden verzichtet – es hatte zwar ein paar Bewerber, aber keinen geeigneten. «Weil der Job anspruchsvoll ist, müssen die Schulnoten schon stimmen», sind sich die Brändlis einig.

Wenn das Unternehmen nächstes Jahr den ersten Lernenden für den neuen Ausbildungsbereich anstellt, wird er der erste sein, der von der teuren Investition profitieren kann. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 12,4 Millionen Franken, davon fliessen dieses Jahr insgesamt zwei Millionen Franken in Investitionen.

In 22 Jahren ist das Unternehmen auf heute 57 Mitarbeiter angewachsen und vom Schönenwerder Bally-Areal in eigene, grosse Hallen in Unterkulm gezogen. Eben ist eine neue Produktionslinie für Silikonteile hinzugekommen. Neue Maschinen, die Produkte aus bis zu drei unterschiedlichen Materialien ermöglichen, erweitern den Maschinenpark bald zusätzlich. Und auf dem Dach wird gerade die wahrscheinlich grösste Solaranlage im Wynental erstellt. Sie soll bald die Hälfte des gesamten Strombedarfs decken. Und schon länger erschlossen ist die unternehmenseigene Wasserquelle, die ebenfalls dem Produktionsbetrieb dient. An Ideen fehlt es nicht.

Autor

Michael Küng

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