Schöftland/Ruedertal
Handgeschrieben: Dieser Carl May schrieb Familiengeschichte(n)

Sponsoren und die Vereinigung für Heimatkunde Suhrental machen es möglich: Ein interessantes Zeitdokument wird für jedermann lesbar.

Peter Weingartner
Merken
Drucken
Teilen
Widmer-Dean neben den Fotos von May von Rued und Franz Kamber.wpo

Widmer-Dean neben den Fotos von May von Rued und Franz Kamber.wpo

wpo

Dunkelgrüner Ledereinband, goldverziert, ein Unikat: Dieses handgeschriebene Buch des Carl Friedrich Rudolf May von Rued (1768 bis 1846), 400 Seiten, fotografierten Franz Kamber und Markus Widmer-Dean im Oktober 1998.

Das Werk liegt in der Hausbibliothek des Schlosses Toffen am Eingang ins Gürbetal, unweit von Bern. Nicolas von May besitzt dieses Schloss. «Ein wunderbares Erlebnis», erinnert sich der Historiker Markus Widmer-Dean.

Geschichte der Herrschaft Rued

Nun, 16 Jahre später, liegt das Werk in gedruckter und (teils farbig) illustrierter Form vor und es trägt den Originaltitel: «Geschichte der Herrschaft Rued, ihrer Besitzer und deren nächsten Descendenten».

Carl Friedrich Rudolf May von Rued habe 25 Jahre lang wie ein Historiker daran gearbeitet, sagte Herausgeber Widmer-Dean an der Buchvernissage, sinnigerweise im Von-May-Saal des Schlosses Schöftland. Auch die Quellen habe er nach den damaligen Regeln der Kunst ausgewiesen.

Widmer-Dean windet seinem 2010 verstorbenen Kollegen Franz Kamber für die «praktisch fehlerlose» Transkription ein Kränzchen. Als «eher historisch-wissenschaftliche Darstellung» denn als Chronik, die sich stur an die Chronologie hält, bezeichnet er das Werk.

Und er lobt den Stil des Autors und seiner Co-Autorin und Schwiegertochter Julia Carolina Elisabeth May von Rued (1808–1875), genannt Julie, die sich in den ersten Jahrzehnten des Bundesstaates für die Gleichberechtigung der Geschlechter starkgemacht hat.

«Die beiden Autoren legten Wert auf Verständlichkeit mit der Absicht, dass das Buch gelesen wird», sagt Markus Widmer-Dean. Ein Buch also für die Leute aus der Region, nicht für die «Wissenschafts-Community». Aber auch für Leute, die im Ruedertal zu tun haben wie die neuen Schlossbesitzer (und Co-Sponsoren).

Die Geschichte beginnt im Hochmittelalter um 1100. Der Hauptfokus liegt auf der Zeit unter der Berner Herrschaft von 1415 bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798, als die Franzosen einmarschierten.

Aus der Lombardei stammend

Die Edlen May stammen aus der Lombardei und haben sich, wie viele andere Aufsteigerfamilien, im 15. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Patrizierfamilien in Bern emporgearbeitet: Politik, Solddienste, Handel, Militär. Sie besassen sechs Herrschaften und viele Landsitze, die über Jahrhunderte im Familienbesitz blieben. Das Adelsprädikat «von» tragen sie erst ab 1856.

Das Werk der beiden Autoren aus dem 19. Jahrhundert umfasst rund 280 Seiten. Dazu kommen ein Geleitwort, Illustrationen, ein Quellenverzeichnis, ein Glossar und ein Namenregister.

Das gut 350 Seiten starke Buch ist zu beziehen bei: Verlag Widmer-Dean, Aemmeracher 13, 5737 Menziken oder unter widmer-dean@bluewin.ch oder auf der Gemeindekanzlei Schlossrued.